Podiumsdiskussion mit den fördernden Stellen auf der WDA-Tagung 2026 in Berlin. Foto: WDA / Jan Michalko.
Deutsche Auslandsschulen sind keine profitorientierten Einrichtungen. Freie, gemeinnützige Träger gründen und führen die Schulen wirtschaftlich eigenständig. Bund und Länder unterstützen sie im Rahmen ihrer öffentlichen Verantwortung. Die Grundlage dafür bildet das Auslandsschulgesetz (ASchulG) von 2014.
Die Deutschen Auslandsschulen werden immer wieder als Leuchttürme der Auswärtigen Kultur- und Bildungspolitik bezeichnet. Sie erfüllen dabei verschiedene Aufgaben für die Gesellschaft, wie
- die Begegnung und den Austausch mit anderen Kulturen zu ermöglichen,
- die schulische Versorgung deutscher und anderer Kinder auf hohem Niveau im Ausland zu gewährleisten,
- die deutsche Sprache fördern und den Studien- und Wirtschaftsstandort Deutschland und Innovationsfähigkeit stärken.
Trotz all dieser und weiterer Wertbeiträge der Deutschen Auslandsschulen ist eine nachhaltige, auskömmliche Förderung über das Auslandsschulgesetz nicht mehr garantiert.
Balance wahren, gemeinsame Lösungen finden
Auf der WDA-Tagung im Mai 2026 kündigten das Auswärtige Amt und die Zentralstelle für das Auslandsschulwesen (ZfA) an, die Umsetzung des Masterplans des Auswärtigen Amtes weiterzuverfolgen und eine Anpassung des § 12 Auslandsschulgesetz (ASchG) sowie der dazugehörigen Verwaltungsvorschrift auf den Weg bringen zu wollen.
Der WDA macht kontinuierlich auf die Auswirkungen der möglichen Änderungen aufmerksam, die die Schulträger mit großer Sorge betrachten. Die vorgesehene Entkopplung der gesetzlichen finanziellen Förderung von ihrer bisherigen Dynamisierung birgt erhebliche Risiken für die langfristige Finanzierung und Planungssicherheit der Deutschen Auslandsschulen. Der WDA setzt sich daher mit Nachdruck für den Erhalt der bestehenden gesetzlichen Förderstruktur ein und steht hierzu in einem kontinuierlichen Dialog mit dem Auswärtigen Amt, der ZfA und politischen Entscheidungsträgern im Bundestag. In einem Gespräch mit Anke Reiffenstuel aus dem Auswärtigen Amt am 11. Juni, hat der WDA die Bedarfe der Deutschen Auslandsschulen sowie die Bedeutung verlässlicher und nachhaltiger Förderstrukturen erneut ausführlich dargestellt. Der WDA wird diesen Prozess weiterhin engagiert begleiten und die Interessen der Deutschen Auslandsschulen nachdrücklich vertreten.
Geplante Änderung: Wegfall der Dynamisierung
Kern der geplanten Änderung ist der Wegfall der automatischen Dynamisierung der gesetzlichen finanziellen Förderung. Nach den vorgestellten Plänen soll die bisherige gesetzliche Bezugsgröße – das Inlandsjahresgrundgehalt der Bundesbesoldungsgruppe A 14 Stufe 8 – aus § 12 ASchG gestrichen und künftig ausschließlich in der Verwaltungsvorschrift geregelt werden. Dort soll sie nach den bisherigen Ankündigungen „eingefroren“ werden. Wie dieser Mechanismus konkret ausgestaltet werden soll, wurde auch auf Nachfrage nicht im Detail erläutert.
Die finanzielle Förderung der Deutschen Auslandsschulen erfolgt pauschaliert über einen Festbetrag pro geförderter Wochenstunde. Dieser Festbetrag ist bislang nach § 12 Abs. 2 ASchG an das Inlandsjahresgrundgehalt der Bundesbesoldungsgruppe A 14 Stufe 8 gekoppelt. Dadurch steigt die gesetzliche finanzielle Förderung automatisch mit den Besoldungsanpassungen im Inland.
Entfällt diese gesetzliche Kopplung, bleibt der Förderanspruch zwar bestehen, die Berechnungsgrundlage würde jedoch von der Besoldungsentwicklung entkoppelt. Ohne regelmäßige Anpassungen durch den Gesetzgeber würde dies zu einer schleichenden realen Absenkung des Förderniveaus führen.
Aktuell werden am Auslandsschulgesetz und der Verwaltungsvorschrift noch keine Änderungen vorgenommen.
Blick auf das weltweite Schulnetz
Ein weiterer Schwerpunkt der Diskussion war die langfristige Weiterentwicklung des Netzes der Deutschen Auslandsschulen. Im Rahmen des Masterplans des Auswärtigen Amts soll ein Implementierungsplan vorgelegt werden. Dabei geht es unter anderem um die Frage, wie Schulen ihre wirtschaftliche Eigenständigkeit langfristig sichern können.
Das Ziel bleibt, das Netz von derzeit 135 Deutschen Auslandsschulen weltweit zukunftssicher aufzustellen. Gerade angesichts geopolitischer und finanzieller Unsicherheiten ist eine stabile und planbare Förderung wichtig. Die Diskussion zeigte zugleich, dass viele Akteure für die Deutschen Auslandsschulen einsetzen: von ehrenamtlichen Schulvorständen sowie Schul- und Verwaltungsleitungen bis hin zu Vertreterinnen und Vertretern der Bundesländer, politischen Gremien und fördernden Stellen.

Neuer Schultyp “Schulcampus Deutsch”
Auch die Vielfalt der Deutschen Auslandsschulen wurde thematisiert. ZfA und Auswärtiges Amt informierten, dass ein neuer Schultyp im Auslandsschulwesen, der Schulcampus Deutsch, das bestehende Angebot noch besser abdecken soll. Übergeordnetes Ziel sei es, so ZfA und Auswärtiges Amt, Deutschland als attraktiven Partner noch stärker zu etablieren.
ZfA und Auswärtiges Amt führten weiter aus, dass dieser Schultyp für Schulen im Auslandsschulwesen infrage käme, die einen deutlichen Deutsch-Schwerpunkt anbieten und diesen auch durch eine deutsche Zertifizierung sichtbar machen möchten, ohne auf das Abitur oder den Mittleren Schulabschluss (MSA) hinzuarbeiten. Es würden Anforderungen mit Kriterien und Indikatoren zum Deutschunterricht und zu den Deutschlehrkräften, zur Sprachdiagnostik, zum Deutschlandbezug und zu den Abschlüssen für den neuen Schultyp gelten. Zugleich stünden bei diesen Schulen nicht zwingend staatliche Fördermittel im Mittelpunkt, so ZfA und Auswärtiges Amt. Es würde daher kein automatischer Anspruch auf Förderung der neuen Schulen durch Deutschland entstehen.
Auf der WDA-Tagung berichtete die ZfA, dass der Pilot dazu mit ca. 10 Schulen laufe und dass nach den Piloten Gespräche und der Abschluss von Kooperationsvereinbarungen geplant seien.
Auch bei der Qualitätssicherung gibt es Weiterentwicklungen, informierte Thomas Mayer. Im BLASchA werde an BLI 3.0 gearbeitet. Bereits mehrere Schulen haben den neuen Prozess durchlaufen und dabei vier von fünf Kriterien erfüllt. Die Erfahrungen aus diesem Verfahren sollen in die weitere Anpassung und Entwicklung einfließen, so Mayer.
Verlässliche Förderung bleibt zentral
Die WDA-Tagung 2026 machte deutlich, dass die Zukunft der Deutschen Auslandsschulen von verlässlichen Rahmenbedingungen, wirtschaftlicher Tragfähigkeit und einer gemeinsamen Weiterentwicklung abhängt. Die Positionspapiere des WDA setzen sich deshalb für eine langfristige, planbare und partnerschaftliche Unterstützung ein.
Dabei geht es nicht nur um finanzielle Fragen. Auch Fördermechanismen, Standortentscheidungen und die Weiterentwicklung des Auslandsschulgesetzes müssen so gestaltet werden, dass die besondere Rolle der Deutschen Auslandsschulen erhalten bleibt. Ziel ist eine Balance zwischen notwendigen Anpassungen und der langfristigen Sicherung eines starken, weltweit vernetzten Auslandsschulwesens.
Die Teilnehmenden an dem Podium Aktuelles von den fördernden Stellen waren: Heike Toledo, Leiterin der Zentralstelle für das Auslandsschulwesen (ZfA); Oliver Bientzle, zum Zeitpunkt der Tagung noch Referatsleiter – Referat 605 (Förderung von Deutsch als Fremdsprache und Auslandsschulen) Auswärtiges Amt; Ministerialrat Thomas Mayer, Ländervorsitzender des Bund-Länder-Ausschusses für schulische Arbeit im Ausland (BLASchA), Bayerisches Staatsministerium für Unterricht und Kultus; Burghard Ahnfeldt, stellvertretende Referatsleiter Refer Auslandsschulwesen, Sekretariat der Ständigen Konferenz der Kultusminister der Länder in der Bundesrepublik Deutschland (KMK); Moderation: Heilke Daun, Vorsitzende des WDA.
Neue Referatsleitung im Auswärtigen Amt
Oliver Bientzle nahm in dieser Rolle zum letzten Mal an der WDA-Tagung teil. Seine Nachfolgerin, Frau Barbara Schumacher, leitet seit August das Referat K 12 Deutsche Auslandsschulen, Deutsch als Fremdsprache im Auswärtigen Amt. Eine erste Vorstellung von Frau Schumacher für die Mitglieder und Partner des WDA bereitet der WDA im Rahmen seiner Berichterstattung vor.
Wir danken Herrn Bientzle für die gute und vertrauensvolle Zusammenarbeit und wünschen ihm alles Gute für seine neuen Aufgaben. Auf den Austausch mit Frau Schumacher und ihrer Abteilung freuen wir uns.
Weitere Informationen
- Starke Auslandsschulen, starkes Netzwerk: Rückblick auf die WDA-Tagung 2026
- Deutsche Auslandsschulen: Der Film zur WDA-Tagung 2026
- Politisches Podium der WDA-Tagung 2026: Rückhalt für die Deutschen Auslandsschulen
- Alumni-Podium der WDA-Tagung 2026: Wie Deutsche Auslandsschulen Lebenswege prägen
- Austausch mit den fördernden Stellen zur Anpassung der Bund-Länder-Inspektion 3.0
- Positionspapiere des WDA
