Diskussion über die Möglichkeiten und Bedeutung beruflicher Bildung an Deutschen Auslandsschulen. Auf dem Foto von links: Andreas Meyer, Jürgen Spott, Thorsten Rauhut, Anja Schmiedel-Paul, Ann Katrin Petersen Ramírez, Jorge Roca und Moderator David Nescholta. Foto: mobile.schule
Die Podiumsdiskussion am 12. März 2026 „Berufliche Bildung weltweit an Deutschen Auslandsschulen – Fachkräfte sichern, Vielfalt gestalten!“ gab Einblick in die Bandbreite des deutschen Auslandsschulwesens im Bereich der beruflichen Bildung.
Weltweit bieten zahlreiche Standorte praxisorientierte und zukunftsgerichtete Bildungsgänge an, die sich konsequent an den Anforderungen internationaler Arbeitsmärkte ausrichten.
„In unserem Panel wurde deutlich, dass berufliche Bildung und primär das duale System so wirkungsvoll sind, weil sie Schulwissen und praktische Erfahrung im Betrieb miteinander verbinden. Dadurch entwickeln sich passgenaue Kompetenzen für die Wirtschaft und für junge Menschen eröffnen sich zugleich attraktive Chancen auf Beschäftigung und Weiterqualifizierung“, fasste David Nescholta, Moderator, WDA-Vorstandsmitglied, zusammen.
Fachkräftemangel und Chancen für die Schulen
Im Mittelpunkt stand die Frage, welchen Beitrag berufliche Schulen im Ausland leisten können – sowohl für die lokale Wirtschaft als auch im internationalen Kontext und nicht zuletzt für Deutschland.
Jürgen Spott und Andreas Meyer, beide aus Guatemala, berichteten über die duale berufliche Ausbildung nach deutschem Modell an der Deutschen Schule Guatemala und der German Business School Guatemala (GBS). Diese Ausbildung kombiniert Theorie und Praxis: Schülerinnen und Schüler lernen in der Schule und arbeiten gleichzeitig in echten Unternehmen, wo sie praktische Erfahrung sammeln.
Berufsbildende Abteilungen gibt es an der Audi Hungaria Deutschen Schule Győr, der Deutschen Berufsschule Hong Kong, China, der Deutschen Schule Cuenca, Ecuador, und der Deutschen Schule Lima, Peru, sowie an weiteren Deutschen Auslandsschulen. Duale Berufsausbildung gibt es an über 10 Deutschen Auslandsschulen.
Die Anwesenden waren sich einig darüber, dass die berufliche Bildung an den Deutschen Auslandsschulen immer wichtiger werde. Sie sei ein Alleinstellungsmerkmal des deutschen Bildungssystems. Das deutsche Erfolgsmodell der dualen Ausbildung ist auch an Deutschen Auslandsschulen ein maßgeblicher Faktor für wirtschaftlichen Erfolg und gut ausgebildete Fachkräfte.
Vielfältiges Podium
Moderator David Nescholta, WDA-Vorstandsmitglied, hob hervor, dass berufliche Bildung Schülerinnen und Schülern neue Perspektiven eröffnet und ihnen Fähigkeiten vermittelt, die weltweit eingesetzt werden können. An dem Podium nahmen teil:
- Jürgen Spott, Leitung GBS – German Business School, Guatemala
- Anja Schmiedel‑Paul, Leitung Berufsbildender Zweig – Audi Hungaria Deutsche Schule Győr, Ungarn
- Thorsten Rauhut, Schulleiter GBS – Deutsche Berufsschule Hong Kong, China
- Jorge Roca, Vorstandsvorsitzender DS Cuenca, Ecuador
- Ann Katrin Petersen Ramírez, Vorstandsvorsitzende Deutsche Schule Lima, Peru
- Andreas Meyer, Beisitzer im Vorstand Deutsche Schule Guatemala
- Moderation: David Nescholta, Christliche Deutsche Schule Chiang Mai, Thailand
WDA stärkt Deutsche Auslandsschulen als Schlüssel zur Fachkräftesicherung
Der WDA hat im Februar dieses Jahres eine Stellungnahme zu den Eckpunkten einer Work-and-Stay-Agentur zur Fachkräfteeinwanderung vorgelegt. Diese knüpft an das Fachkräfteeinwanderungsgesetz an, das die Rolle der Deutschen Auslandsschulen bereits anerkennt. Mit seiner Stellungnahme setzt sich der WDA weiter für die Förderung der Deutschen Auslandsschulen ein und stärkt ihre Rolle für die Fachkräftesicherung. Ziel der Agentur ist es, Anerkennungsverfahren zu erleichtern.
Dabei zeigt auch eine Befragung des Auswärtigen Amts und der Deutschen Industrie- und Handelskammer, wie wichtig die Deutschen Auslandsschulen sind: Sie sind ein entscheidender Standortfaktor für deutsche Unternehmen im Ausland und tragen langfristig zur Sicherung von Fachkräften bei. Die Stellungnahme des WDA und die Befragungsergebnisse ergänzen sich somit und verdeutlichen die strategische Bedeutung der Auslandsschulen.
Vor diesem Hintergrund wird der Fachkräftemangel in Deutschland besonders deutlich. Der aktuelle MINT-Report zeigt, dass Deutschlands Zukunftsprojekte in verschiedenen Bereichen durch fehlende Fachkräfte bedroht sind – es besteht eine Lücke von 148.500 MINT-Fachkräften. In diesem Kontext wird der Wert der Deutschen Auslandsschulen explizit hervorgehoben, und der WDA betont ihre Rolle als MINT-Talentzentren, die global Fachkräfte ausbilden und damit einen wichtigen Beitrag zur Zukunftsfähigkeit Deutschlands leisten.
Der WDA und mobile.schule
mobile.schule ist eine der führenden Plattformen für zeitgemäße Fort- und Weiterbildungen und Veranstaltungen im Bildungsbereich. Seit über einem Jahrzehnt, gewachsen aus der Lehrkräfte-Community, steht mobile.schule für praxisnahe, innovative und nachhaltige Weiterbildungskonzepte, die direkt im Klassenzimmer Anwendung finden. Mit dieser lebendigen Community, starken Partnerschaften und einem klaren Fokus auf Innovation setzt mobile.schule Maßstäbe im Bildungsbereich in Deutschland.
Der WDA kooperiert mit mobile.schule um Synergien im Bildungsbereich zu schaffen und die Sichtbarkeit der Deutschen Auslandsschulen zu erhöhen. So ist neben dieser Podiumsdiskussion auch ein Beitrag des WDA zu den Deutschen Auslandsschulen im Magazin von mobile.schule erschienen.
Berufsbildung an Deutschen Auslandsschulen
Berufliche Bildungsangebote wie Fachoberschule oder eine duale Ausbildung können an einigen Deutschen Auslandsschulen besucht werden.
Die Fachoberschule ist eine berufsbildende Vollzeitschule. Sie dauert zwei Jahre und enthält auch praktische Teile, etwa längere Praktika. An einigen Deutschen Auslandsschulen kann man die Fachrichtungen Wirtschaft und Verwaltung oder Sozialwesen wählen. Am Ende bekommt man die Fachhochschulreife. Mit diesem Abschluss kann man an deutschen Fachhochschulen alle Fachrichtungen studieren. Außerdem ermöglicht er den Zugang zu vielen Studiengängen mit Bachelor- und Master-Struktur im In- und Ausland. An einigen Deutschen Auslandsschulen gibt es auch eine duale Ausbildung in Zusammenarbeit mit Unternehmen vor Ort. Sie funktioniert ähnlich wie das duale System in Deutschland. Je nach Standort können Auszubildende zusätzlich zur Berufsausbildung auch die Fachhochschulreife erwerben. Teile der Ausbildung können später auf ein Studium angerechnet werden oder mit einem dualen Studium verbunden sein. Die angebotenen Ausbildungen sind meist im kaufmännischen Bereich. Quelle: https://www.auslandsschulwesen.de/DE/Schulnetz/Berufliche-Bildung/berufliche-bildung.html
Weitere Informationen
Stellungnahme des WDA zur Work-and-Stay-Agentur für Fachkräfteeinwanderung
Berufliche Bildungsangebote an Deutschen Auslandsschulen
Berufsbildende Abteilungen an Deutschen Schulen im Ausland
Fachkräftemigration: Deutsche Auslandsschulen leisten Beitrag zum Triple Win
Auslandsschulen als Ressource der deutschen Wirtschaft stärken