v.ln.r..: Thilo Klingebiel, Alois Karl, Anke Reiffenstuel, Carsten Fischer und Walter Brand tauschen sich im Auswärtigen Amt aus. Foto: WDA.
Das Gespräch am 11. Juni war von einer bemerkenswerten Offenheit geprägt. Auch bei technischen Aspekten wurde dem WDA transparenter Einblick gewährt.
Reiffenstuel ist Beauftragte für Außenwissenschaftspolitik sowie Auswärtige Bildungs- und Forschungspolitik und damit auch für die Deutschen Auslandsschulen zuständig. Sie war auch Teilnehmende in der Sitzung des Unterausschusses für Auswärtige Kultur- und Bildungspolitik, bei der der WDA Stimme der Deutschen Auslandsschulen im Januar dieses Jahres einbrachte. Der WDA hat Frau Reiffenstuel zudem zum Runden Tisch zur Zukunft der Deutschen Auslandsschulen im Februar 2025 geladen. Frau Reiffenstuel war zuletzt auch auf der WDA-Tagung im Mai 2026 für den direkten Dialog mit den Schulträgern. Der Austausch mit der hochrangigen Vertreterin aus dem Auswärtigen Amt besteht seit mehreren Jahren erfolgreich.
An dem Gespräch nahm außerdem Carsten Fischer aus dem Auswärtigen Amt teil. Die Schulträger vertraten Walter Brand, WDA-Vorstandsmitglied und Vorstandsvorsitzender der Deutschen Schule Mailand, WDA-Geschäftsführer Thilo Klingebiel sowie Alois Karl, ehemaliges Mitglied des Deutschen Bundestages für die CDU/CSU-Fraktion und langjähriges Mitglied des Haushaltsausschusses. Alois Karl war von 2005 bis 2021 Mitglied des Deutschen Bundestages (CSU) und seit 2009 ordentliches Mitglied im Haushaltsausschuss des Deutschen Bundestages. Der WDA holt die Beratung des langjährigen Mitglieds des Deutschen Bundestages ein, um die haushälterischen Herausforderungen bei den Deutschen Auslandsschulen noch besser zu verstehen und zu vertreten. Ziel ist es dabei, gemeinsam nachhaltige Lösungen mit den zuständigen Entscheidungsträgern zu finden. Bereits während seiner Amtszeit setzte sich Karl für die Deutschen Auslandsschulen ein.
Förderung und Planungssicherheit im Mittelpunkt
Im Zentrum des Gesprächs standen die aktuellen Herausforderungen der Deutschen Auslandsschulen und die Bedeutung einer verlässlichen Förderung. Seit der Vorstellung des Masterplans für die Deutschen Auslandsschulen durch das Auswärtige Amt bringt der WDA die Interessen der Schulträger mit intensiviertem Engagement in die politischen Beratungen ein. Dazu gehörten unter anderem Anhörungen im Unterausschuss für Auswärtige Kultur- und Bildungspolitik. Auch bei der WDA-Tagung im Mai 2026 stand dieses Thema im Mittelpunkt.
Dort kündigten das Auswärtige Amt und die Zentralstelle für das Auslandsschulwesen (ZfA) an, die Umsetzung des Masterplans weiterzuverfolgen. Auch Änderungen an § 12 des Auslandsschulgesetzes sowie der dazugehörigen Verwaltungsvorschrift sollen auf den Weg gebracht werden.
Der WDA weist seit Langem auf die möglichen Folgen dieser Vorhaben hin. Besonders kritisch sieht der Verband die vorgesehene Entkopplung der gesetzlichen Förderung von ihrer bisherigen Dynamisierung. Aus Sicht des WDA würde dies erhebliche Risiken für die langfristige Finanzierung und Planungssicherheit der Deutschen Auslandsschulen mit sich bringen. Deshalb setzt sich der Verband nachdrücklich für den Erhalt der bestehenden gesetzlichen Förderstruktur ein. Der WDA steht hierzu in einem kontinuierlichen Dialog mit dem Auswärtigen Amt, der ZfA sowie politischen Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträgern im Deutschen Bundestag.
Auch im Gespräch mit Anke Reiffenstuel stellte der WDA die Bedarfe der Deutschen Auslandsschulen ausführlich dar, besonders die Bedeutung verlässlicher und nachhaltiger Förderstrukturen.
Masterplan und Zukunft der Deutschen Auslandsschulen
Ein weiterer Schwerpunkt des Treffens war der aktuelle Stand des Masterplans für die Deutschen Auslandsschulen. Anke Reiffenstuel betonte die zentrale Rolle der Deutschen Auslandsschulen innerhalb der Auswärtigen Kultur- und Bildungspolitik Deutschlands. Diese sei ein wichtiger Bestandteil moderner Außenpolitik, da sie Menschen erreiche, gesellschaftliche Verbindungen schaffe und langfristige Beziehungen zwischen Deutschland und den Partnerländern stärke.
Die Deutschen Auslandsschulen seien dabei nicht nur ein Kostenfaktor, sondern vor allem eine Investition in die Zukunft. Sie leisten einen wichtigen Beitrag zur Fachkräftesicherung, fördern internationale Bildungskooperationen und stärken die kulturellen und wirtschaftlichen Beziehungen Deutschlands weltweit.
Nach den Worten Reiffenstuels bildet der Masterplan die strategische Grundlage, um die Förderung der Schulen weiterzuentwickeln und vorhandene Mittel künftig noch gezielter einzusetzen. Ziel sei es, Schulen mit besonderem Unterstützungsbedarf passgenauer zu fördern, ohne andere Schulen zu benachteiligen. Gleichzeitig werde das weltweite Netzwerk der Deutschen Auslandsschulen regelmäßig überprüft, um seine Zukunftsfähigkeit zu sichern.
Der WDA begrüßt den fortlaufenden Austausch über die Zukunft der Auslandsschulen und bringt dabei die Perspektive der Schulträger aktiv in den Prozess ein. Reformen müssten dabei die Qualität, Vielfalt und Stabilität des weltweiten Netzwerks der Deutschen Auslandsschulen langfristig sichern müssen.
Haushalt 2027: Jetzt die richtigen Weichen stellen
Der WDA verwies im Gespräch auch auf die Bedeutung des Schulfonds. Über dessen Ausstattung für das kommende Jahr wird in den nächsten Monaten entschieden werden.
Der Bundeshaushalt 2026 sieht für die Deutschen Auslandsschulen rund zehn Millionen Euro mehr vor als im Vorjahr. Davon entfallen 6,5 Millionen Euro auf die gesetzliche Förderung und rund 3,8 Millionen Euro auf die freiwillige Förderung. Gegenüber dem Haushaltsentwurf 2025 entspricht dies einem Anstieg von rund 3,4 Prozent und stellt grundsätzlich eine positive Entwicklung dar.
Gleichzeitig weist der WDA darauf hin: Die erheblichen Kürzungen der freiwilligen Förderung aus dem Jahr 2025 sind bislang nicht ausgeglichen worden. Für viele Schulträger hatten diese Einschnitte spürbare Auswirkungen auf die Finanzierung ihrer Arbeit.
Vor diesem Hintergrund brachte der WDA erneut verschiedene Lösungsansätze in die Diskussion ein. Dazu gehört die Wiedereinführung von mehrjährigen Fördervereinbarungen mit entsprechender finanzieller Absicherung. Auch die Stärkung der freiwilligen Förderung, die Prüfung einer teilweisen Auslagerung von Personalkosten – beispielsweise für Schulleitungen – sowie die Weiterentwicklung von Kreditfinanzierungen als Hilfe zur Selbsthilfe wären Möglichkeiten.
Der Bundeshaushalt 2027 befindet sich derzeit im parlamentarischen Verfahren. Nach den Beschlüssen der Bundesregierung und des Bundeskabinetts wird der Deutsche Bundestag den Haushalt im Herbst beraten und verabschieden. Aus Sicht des WDA müssen die anstehenden Entscheidungen dazu beitragen, dass keine Deutsche Auslandsschule zurückbleibt oder von wichtigen Entwicklungen ausgeschlossen wird.
Der Verband wird den weiteren Prozess aktiv begleiten und die Interessen der Deutschen Auslandsschulen weiterhin mit Nachdruck vertreten. Zugleich freut sich der WDA auf die weitere Zusammenarbeit mit Anke Reiffenstuel und dem Auswärtigen Amt.
Weitere Informationen
- Starke Auslandsschulen, starkes Netzwerk: Rückblick auf die WDA-Tagung 2026
- Bundeshaushalt 2026 beschlossen: 299,4 Millionen Euro für den Schulfonds
- WDA-Umfrage Auslandsschulkompass: Deutsche Auslandsschulen zwischen Anpassung und finanziellen Herausforderungen
- Bundestags-Unterausschuss für Auswärtige Kultur- und Bildungspolitik konstituiert
- Webseite Unterausschuss Auswärtige Kultur- und Bildungspolitik
- WDA bringt Stimme der Deutschen Auslandsschulen im Unterausschuss Auswärtige Kultur- und Bildungspolitik ein
- Eckwerte zum Bundeshaushalt 2027
- Text aus 2019: Die Finanzierung der Deutschen Auslandsschulen mit Alois Karl sicherstellen
