Übersicht zur Entwicklung der wirtschaftlichen Lage bis März 2026. Bild: WDA
Für den WDA-Auslandsschulkompass befragt der Weltverband Deutscher Auslandsschulen (WDA) regelmäßig seine Mitgliedsschulen nach ihrer Einschätzung der aktuellen Lage und ihrer Erwartungen für die Zukunft. An der aktuellen Umfrage aus März 2026 haben 81 Auslandsschulen teilgenommen.
Aktuelle Situation im laufenden Schulhalbjahr
Die wirtschaftliche Lage bleibt für viele Deutsche Auslandsschulen schwierig, auch wenn sich im Vergleich zur letzten Umfrage eine leichte Verbesserung zeigt. 21 % der teilnehmenden Auslandsschulen bewerten ihre wirtschaftliche Lage weiterhin als schlecht.
Die wahrgenommene Existenzbedrohung ist nur leicht zurückgegangen. Sie hat sich um 4 % verbessert, liegt aber weiterhin bei über 17 % der befragten Schulen.
Viele Schulen reagieren auf diese Situation. 58 % der Teilnehmenden haben die Schulgebühren zum laufenden Schuljahr bereits erhöht. Bei der letzten Umfrage lag dieser Wert noch bei 64,2 %. Für viele Schulen ist diese Erhöhung eine notwendige Maßnahme, um steigende Kosten aufzufangen und den Schulbetrieb aufrechtzuerhalten. Gleichzeitig berichten 23,5 % der Befragten, ein leichtes Plus um ca. 5 % zur letzten Umfrage, dass ihr Umsatz im Vergleich zum Vorjahr steigt.
Diese Zahlen zeigen: Die Deutschen Auslandsschulen reagieren auf schwierige Rahmenbedingungen und finden Wege, ihren Betrieb stabil zu halten. Dies ist elementar, denn sie erfüllen Wertbeiträge weltweit. Sie vermitteln deutsche Bildungsstandards, fördern Mehrsprachigkeit und bringen Schülerinnen und Schüler aus verschiedenen Ländern zusammen. Dadurch stärken sie langfristig kulturelle, gesellschaftliche und auch wirtschaftliche Beziehungen zwischen Deutschland und den Sitzländern. Die Absolventinnen und Absolventen der Deutschen Auslandsschulen sind weltweite Botschafterinnen und Botschafter für Deutschland. Viele von ihnen starten oder setzen ihre Karriere in Deutschland fort und tragen zur Minderung des Fachkräftemangels bei.
Pläne und Erwartungen für das nächste Schulhalbjahr
Auch beim Blick auf das kommende Schulhalbjahr zeigt sich ein leicht positiver Trend.
11 % der Befragten gehen davon aus, dass die Zahl des pädagogischen Personals abnehmen wird. Über 17 % (17,3 %) erwarten einen Rückgang der Schülerzahlen. Bei der letzten Umfrage lag dieser Wert noch bei über 22 %.
Eine große Herausforderung bleibt die Gewinnung von pädagogischem Personal. 45 % der teilnehmenden Schulen erwarten, dass diese künftig schwieriger wird. Bei der letzten Umfrage im Herbst lag dieser Wert noch bei über 52 %.
Beim Thema Schulgebühren setzt sich der Negativtrend allerdings fort. 58 % der Befragten gehen davon aus, dass die Schulgebühren im nächsten Schulhalbjahr weiter steigen werden. Das sind um 0,5 % mehr als bei der letzten Umfrage vor einem halben Jahr. Auch hier gilt: Für viele Schulen sind solche Anpassungen schwierig umzusetzen, doch notwendig, um steigende Kosten abzufedern.
Folglich wird die Geschäftsentwicklung für die Zukunft insgesamt als ungünstiger eingeschätzt. Knapp 35 % der teilnehmenden Schulen erwarten, dass sich ihre Geschäftsentwicklung verschlechtert. Bei der letzten Umfrage lag dieser Wert noch bei circa 29 %.
Als Gründe nennen die Schulen häufig Einschnitte bei der finanziellen Förderung, den Lehrkräftemangel sowie wachsende Wettbewerbssituationen. Auch die wirtschaftliche Lage im jeweiligen Sitzland, verschiedene Krisen und demografische Entwicklungen wie ein Geburtenrückgang und daher fehlende Schülerinnen und Schüler spielen eine Rolle. Einige Teilnehmende weisen zudem darauf hin, dass sich Einschränkungen bei der finanziellen Förderung auch auf dringend notwendige Bauvorhaben auswirken.
Die Ergebnisse zeigen: Deutsche Auslandsschulen versuchen weiterhin, flexibel auf Herausforderungen zu reagieren und Lösungen zu finden. Gleichzeitig bleibt die verlässliche finanzielle Förderung aus Deutschland wichtig. Sie hilft den Schulen, ihre Bildungsangebote langfristig zu sichern und ihre Rolle als internationale Bildungsorte zu stärken.
Der Schulfonds im Haushalt 2026 steigt erstmals wieder, wobei die vorherigen Einsparungen nicht kompensiert werden.
Die Ergebnisse zeigen, dass die langfristige Stabilität der Deutschen Auslandsschulen weiterhin stark von der finanziellen Förderung aus Deutschland abhängt. Dabei leisten die Schulen weltweit wichtige Beiträge für ganzheitliche Bildung, kulturellen Austausch und die internationalen Beziehungen Deutschlands.
Ziele WDA-Auslandsschulkompass
Der WDA-Auslandsschulkompass ist eine eingetragene Marke des WDA, der seine Mitgliedsschulen seit dem Frühjahr 2020 regelmäßig zur aktuellen Lage und zur erwarteten Entwicklung in den Folgemonaten befragt. Ins Leben gerufen wurde die Auswertung vor allem, um die Auswirkungen der Coronapandemie besser einschätzen zu können. Auch unabhängig davon liefert die Umfrage aussagekräftige Zahlen und valide Daten für die Auswärtige Kultur- und Bildungspolitik. Wie die Umfrageergebnisse verdeutlichen, ist die Lage heterogen: Nicht alle Auslandsschulen haben in ihren Teilen der Welt mit den gleichen Herausforderungen zu kämpfen. Die verlässlichen und vergleichbaren Zahlen, wie sie der WDA mit dem Instrument “Auslandsschulkompass” liefert, ermöglichen so einen guten Überblick.
Methodik WDA-Auslandsschulkompass
Für den „Auslandsschulkompass“ befragt der WDA regelmäßig seine Mitgliedsschulen nach ihrer Bewertung der aktuellen Lage. Sie beantworten im Rahmen dieser Evaluation eine Reihe standardisierter Fragen, die sowohl die aktuelle Situation als auch künftige Erwartungen betreffen. Abgefragt werden unter anderem Einschätzungen zur Zahl der Schülerinnen und Schüler und zur Geschäftsentwicklung. Die regelmäßigen Online-Umfragen erlauben Vergleiche im Zeitverlauf. An der aktuell mittlerweile 14. Umfrage beteiligten sich 81 Mitgliedsschulen. Die Mitgliedsorganisationen des Weltverbands Deutscher Auslandsschulen, darunter 87 % der anerkannten 137 Deutschen Auslandsschulen, wurden im März 2026 während eines definierten Zeitraums via Online-Umfrage befragt. Die Befragung richtete sich an die Führungskräfte der Schulen: Schulvorstände, Schulleitungen, Geschäftsführungen, Beauftragte des Vorstands wie auch Verwaltungsleitungen.
Alle Ergebnisse der Umfrage: Über das WDA-Auslandsschulkompass Dashboard können Sie alle Ergebnisse einsehen.
Die drei vorherigen Umfragen:
- WDA-Umfrage: über 40 % der befragten Auslandsschulen in schlechter wirtschaftlicher Lage(Oktober 2024)
- WDA-Umfrage: ein Drittel der Auslandsschulen in schlechter wirtschaftlicher Lage, Schulgebühren weiter steigend (April 2025)
- WDA-Auslandsschulkompass: 19 % der Schulen stark in Existenz bedroht, soziale Durchlässigkeit gefährdet (September 2024)
Weitere Informationen
- Bundeshaushalt 2026 beschlossen: 299,4 Millionen Euro für den Schulfonds
- Studie zum Public Value der Deutschen Auslandsschulen
- Deutsche Schulen, globale Bildung. Beitrag der Deutschen Auslandsschulen zum Triple Win
- Auslandsschulen und Fachkräftesicherung
- Deutsch als Fremdsprache weltweit
- Positionspapiere des WDA