18.03.2021

Schulen mit GIB-Abschluss stärken, Schulleiterdienstvertrag verbessern

Im zweiten Teil des Nachberichts zum WDA-Symposium „Sicherheit ohne Vorbehalt“ (17. März 2021) geht es um eine institutionalisierte Beteiligung der freien Schulträger, die GIB-Schulen und den Schulleiterdienstvertrag.

Klick zum VergrößernDr. Peter Fornell, WDA-Vorsitzender: „Die Vertrauensverhältnisse zwischen den Beteiligten im Auslandsschulwesen haben sich in den letzten Jahren ganz entscheidend verbessert.“

Am 17. März 2021 fand das digitale Symposium „Sicherheit ohne Vorbehalt“ des Weltverbands Deutscher Auslandsschulen statt. Dort diskutierten Bundestagsabgeordnete, fördernde Stellen und Vertreter der freien Schulträger gemeinsam die in einem Konzept des Auswärtigen Amts umrissene künftige Förderung der Deutschen Auslandsschulen. Im ersten Teil des Nachberichts ging es um das weitere Vorgehen bei der Reform des Auslandsschulgesetzes und die Autonomie der Schulträger.

Öffentlich-private Partnerschaft institutionalisiert abbilden

Der WDA setzt sich dafür ein, die öffentlich-private Partnerschaft aus Schulträgern, vertreten durch den WDA, auf der einen Seite sowie Bund und Ländern auf der anderen Seite institutionell abzubilden. Der WDA hat hier z.B. einen gesetzlich verankerten Fachbeirat vorgeschlagen. Hier wurde in der Diskussion deutlich, dass das Interesse an einer Beteiligung der freien Schulträger beim Auswärtigen Amt und den Bundestagsabgeordneten da ist. Ulla Schmidt, MdB, verwies auf den Erfolg der bestehenden Zusammenarbeit. Sie sagte: „Der WDA soll sich nicht kleiner machen, als er ist.“ Wenn jemand in die Weiterentwicklung des Auslandsschulwesens eingebunden sei, dann der Verband. „Immer dann, wenn es nötig ist, bin ich im Austausch mit dem Vorsitzenden Dr. Peter Fornell oder dem Geschäftsführer Thilo Klingebiel. Und zwar nicht erst, wenn Entscheidungen auf dem Tisch liegen, sondern schon im Vorfeld.“ Diese Zusammenarbeit funktioniere. Guido Kemmerling, Auswärtiges Amt, sieht es ähnlich. Auch er verwies auf die bestehenden guten Kanäle zum Informationsaustausch und der Abstimmung mit dem WDA. Die WDA-Mitglieder sehen demgegenüber eine noch stärker institutionalisierte Vertretung der freien Schulträger an politischen Willensbildungsprozessen als notwendig an.

Stärkung der GIB-Schulen hat Priorität

Eine Maßnahme, die im Konzept des Auswärtigen Amts genannt wird, ist die Stärkung der Schulen mit dem Abschluss „Gemischtsprachiges Internationales Baccalaureate“ (GIB). Nicholas Röhm, Schatzmeister im WDA-Vorstand und Repräsentant der GIB-Schulen, fragte hier konkret nach: Wie und wann soll diese Schulart künftig besser gefördert werden? Der WDA hatte hier in seiner Stellungnahme zur Evaluation des Auslandsschulgesetzes vom Dezember 2019 einen Vorschlag zur Erhöhung der anrechenbaren Wochenstunden eingebracht. Gerade weil dafür nur die Verwaltungsvorschrift zu ändern sei, sollte die Hürde dafür nicht zu hoch liegen, so Röhm

Thomas Erndl, MdB und WDA-Schirmherr, antwortete, dass auch eine Änderung der Verwaltungsvorschrift solide finanziert sein müsse. Er erläuterte, dass die Stärkung der GIB-Schulen auf der Liste der vorrangig umzusetzenden Maßnahmen des Unterausschusses für Auswärtige Kultur- und Bildungspolitik enthalten sei. Dort sei auch schon eine Schätzung zum Finanzbedarf hinterlegt. Die Finanzierung stehe jedoch unter Haushaltsvorbehalt. Daher könne er dazu aktuell nichts versprechen. Er betonte aber: „Es ist wünschenswert und ist auch in unserer Maßnahmenliste enthalten“. Klar sei auch, dass eine zusätzliche Förderung der GIB-Schulen und auch neuer Auslandsschulen mit zusätzlichen Mitteln einhergehen müsse. Die Mittel für die bestehenden Deutschen Auslandsschulen im Schulfonds sollen dafür nicht verringert werden.

Klick zum VergrößernHeike Toledo, ZfA: „Wir stehen in den Startlöchern für die neue Sonderförderung (Coronahilfe).“

Heike Toledo: ZfA steht bereit für Coronahilfe 2021

Heike Toledo von der Zentralstelle für das Auslandsschulwesen (ZfA) richtete zunächst ein herzliches Dankeschön an die ehrenamtlichen Schulvorstände. Sie sagte: „Hochachtung dafür, dass in der Zeit der Pandemie, in der wir alle auch persönlich und beruflich beansprucht sind, die Vorstände sich hier ehrenamtlich weiter so für die Schulen einsetzen.“ Für die Liste der aus ihrer Sicht drängenden Themen nahm sie Bezug auf den WDA-Auslandsschulkompass. Aus dieser Mitgliederumfrage (neueste Daten vom Januar 2021) ergäben sich drei Themen, bei denen sich die Schulen 2021 Unterstützung wünschen. Dies seien 1. die weitere finanzielle Unterstützung im Rahmen der Corona Notfallhilfe, 2. Personalgewinnung und 3. Digitalisierung. In allen drei Bereichen unterstütze die ZfA. Insbesondere auf die Abwicklung der Notfallhilfe 2021 sei die Behörde vorbereitet. „Wir stehen in den Startlöchern für die neue Sonderförderung,“ so Toledo.

Klick zum VergrößernDorothée Bauni, BLASchA-Vorsitzende: „Die gemeinsamen Anstrengungen aller Beteiligter waren Grundlage für die bisherige Krisenbewältigung bei den Auslandsschulen.“

Dorothée Bauni: Bundesländer stehen für Lösungen bereit

Auch Dorothée Bauni bedankte sich zunächst bei allen am Deutschen Auslandsschulwesen beteiligten Gruppen, namentlich den Lehrkräften, den Schulvorständen, der Bundesregierung und der ZfA. Bauni ist Vorsitzende des Bund-Länder-Ausschusses für schulische Arbeit im Ausland (BLASchA) und vertritt die Bundesländer, die beispielsweise Lehrkräfte für den Auslandsschuldienst beurlauben. Ihr Fazit zum Corona-Jahr 2020: „Bis jetzt ist es uns gelungen, einigermaßen gut durch diese schwierige Zeit zu kommen.“ Grundlage des Erfolgs seien die gemeinsamen Anstrengungen aller Beteiligter gewesen. Sie verwies auf die flexiblen Regelungen, die in kurzer Zeit im BLASchA zur Abnahme der Prüfungen an den Schulen unter Pandemiebedingungen getroffen worden seien. Sie unterstrich die Bereitschaft der Länder, weiter konstruktiv mit dem Bund, insbesondere dem Auswärtigen Amt, bei der Weiterentwicklung des Auslandsschulwesens zusammenzuarbeiten. Da, wo die Aufgaben der Bundesländer berührt seien, müssten diese auch in den Prozess eingebunden sein.

Zusammenarbeit zwischen Schulträgern und Schulleitern weiter optimieren

Intensiv diskutiert wurde die Frage nach einer Reform des Schulleiterdienstvertrags. Hier zitierte der Moderator David Nescholta (WDA) aus dem Entschließungsantrag des Bundestags vom November 2019. Darin forderten die Bundestagsabgeordneten, die Qualität der öffentlich-privaten Partnerschaft weiter zu verbessern. Anzustreben seien „flexible, auf die Lage der jeweiligen Schule angepasste Lösungen für das arbeitsteilige Management von Schulvorstand und Schulleitung“. Eine weitere Professionalisierung des Schulmanagements soll durch Aufgabentrennung ermöglicht werden.

Ulla Schmidt, MdB, erklärte, was mit dieser Forderung gemeint sei: „Wir wollen das ehrenamtliche Engagement der Schulvorstände stärken, denn es ist wichtig für die Schulen.“ Es gäbe eine große Vielfalt in der Zusammenarbeit zwischen ehrenamtlichen Schulvorständen und hauptamtlichen Schulleitern: von sehr guter Kooperation bis hin zu spannungsgeladenen Verhältnissen. Ihr schwebt als Lösungsvorschlag vor, bezahlte Beratung für die ehrenamtlichen Schulvorstände anzubieten.

Guido Kemmerling, Auswärtiges Amt, verwies auf den Schulleiterdienstvertrag. Dieser schreibt Grundlagen des Verhältnisses zwischen Schulträger und Schulleiter fest. Er sei ein wichtiges Dokument und werde im Auswärtigen Amt erst genommen. „Wenn es aber Vorschläge für Verbesserungen oder Flexibilisierungen gibt, sind wir für solche Überlegungen offen,“ so Kemmerling. Weiter verwies er auf die wichtige Rolle der Bundesländer in dieser Frage. Deren Vorstellungen müssten bei einer Veränderung des Schulleiterdienstvertrags berücksichtigt werden. Schließlich sind sie es, die Schulleiter beurlauben.

Heike Toledo, ZfA, sieht noch viel Luft nach oben in der Zusammenarbeit zwischen Schulvorstand und Schulleitern. „Wir dürfen uns nicht immer darauf verlassen, dass die Chemie zwischen beiden Seiten stimmt. Es muss auch von vornherein systemisch stimmen, so dass jeder seine Rolle findet,“ so Toledo. Daran müsse gearbeitet werden. Als Erfolgsmodell sieht sie Beauftragte des Vorstands. Dort, wo dem Vorstand solche hauptamtlichen Mitarbeiter zur Seite stehen, würde die Zusammenarbeit gut funktionieren. Auch die Schulleiter müssten vor der Arbeit im Ausland gut vorbereitet sein, da sie aus dem inländischen Schuldienst die Zusammenarbeit mit Schulvorständen nicht kennen.

Dem pflichtete Dorothée Bauni, BLASchA, bei: Vor konkreten Änderungsvorschlägen müsse eine gründliche Analyse liegen. Nur wenn die Ursachen der Probleme bekannt seien, könnten dies auch behoben werden. Sie stellte sich vor die Schulleiterinnen und Schulleiter. Diese seien für die Bundesländer extrem wertvoll. „Der BLASchA hat ein großes Interesse daran, dass die Schulleiter gestärkt und mit einem klaren Bild ihrer Aufgaben an die Auslandsschulen kommen,“ so Bauni. Dort sollen sie auf Strukturen treffen, auf die sie verlässlich vorbereitet werden können. Gleichzeitig sei klar, dass die fördernden Stellen bei diesem Thema auch auf die gemeinsame Arbeit mit den Schulvorständen angewiesen seien.

David Nescholta, WDA, fasste die Position der Verbandsmitglieder zusammen: „Es ist für die Schulträger nicht nur wünschenswert, sondern unverzichtbar, dass es ein sehr gutes Miteinander zwischen Schulleitern und Vorständen gibt.“ Der WDA fördert diesen Austausch, indem er seit Jahren einen regelmäßigen Austausch mit dem Direktorenbeirat der Zentralstelle für das Auslandsschulwesen pflegt. Dort strebt der WDA Lösungen im Konsens an. „Wir glauben, dass das der Weg ist, um Lösungen zu erreichen,“ so David Nescholta. Guido Kemmerling vom Auswärtigen Amt begrüßte diesen Austausch.

Fazit: Auslandsschulgesetz trotz Corona weiter auf der Agenda

Dr. Peter Fornell, Vorsitzender des WDA, bedankte sich in seinem Schluss-Statement bei allen Beteiligten für die offene Gesprächsführung. „Die Vertrauensverhältnisse zwischen den Beteiligten im Auslandsschulwesen haben sich in den letzten Jahren ganz entscheidend verbessert,“ so sein Fazit. Nur so könne die Weiterentwicklung des Auslandsschulwesens gelingen.

Insgesamt zeigte das Symposium des Weltverbands Deutscher Auslandsschulen, dass Politik und fördernde Stellen die Weiterentwicklung des Auslandsschulgesetzes trotz Corona jetzt aktiv angehen. Es wurde deutlich, dass die Abgeordneten der Regierungsfraktionen für die Weiterentwicklung der Deutschen Auslandsschulen kämpfen. Der politische Wille, die Bedingungen für die Schulen weiter zu verbessern, ist da. Gleichzeitig wird die Umsetzung in Form eines reformierten Auslandsschulgesetzes und aktualisierter Verwaltungsvorschriften länger dauern, als erwartet. Auch wenn klar wurde, dass nicht alle vom WDA geforderten Verbesserungen noch in dieser Legislaturperiode kommen werden, skizzierten Politik und fördernde Stellen, wie sie sich die Weiterentwicklung des Auslandsschulwesens vorstellen. Die von den Bundestagsabgeordneten hier beim WDA gesetzten Impulse reichen bis in die nächste Legislaturperiode hinein.