Auswärtiges Amt: weiter gute Bedingungen für Deutsche Auslandsschulen schaffen

Auf dem WDA-Symposium am 6. Oktober in Berlin brachte der WDA erstmals seit zwei Jahren alle Akteure des Auslandsschulwesens wieder in einer Präsenzveranstaltung zusammen. Die Vertreter der freien Schulträger diskutierten mit Bundestagsabgeordneten und fördernden Stellen, was die Deutschen Auslandsschulen in der neuen Legislaturperiode brauchen.

Von links: Vito Cecere (Auswärtiges Amt), Moderator David Nescholta (WDA), Dr. Peter Fornell (WDA-Vorsitzender) und Prof. Dr. Christian Thomsen (TU Berlin)

Das Auswärtige Amt wird weiter alles tun, damit die Deutschen Auslandsschulen weiter gut arbeiten können. Das sagte Vito Cecere, Beauftragter für Außenwissenschafts-, Bildungs- und Forschungspolitik im Auswärtigen Amt, auf dem WDA-Symposium am 6. Oktober 2021. Vor dem Hintergrund der aktuell laufenden Koalitionsverhandlungen in Deutschland wies er darauf hin, dass die Auswärtige Kultur- und Bildungspolitik immer parteiübergreifender Konsens gewesen sei. Das werde sich nach seiner Erwartung auch in der neuen Regierung wiederfinden.

Zur Weiterentwicklung des Auslandsschulgesetzes sagte er, dass sich das Auswärtige Amt weiter ganz genau anschauen werde, was eigentlich geändert werden soll. Er verwies auf den Kabinettsbeschluss der alten Bundesregierung vom Juli 2021. Das Papier beschreibt zentrale Reformschritte, die in der neuen Legislaturperiode ab Herbst 2021 umgesetzt werden sollen. Cecere äußerte sich zuversichtlich, dass die Weiterentwicklung des Auslandsschulgesetzes auch von der neuen Bundesregierung vorangetrieben wird.

Erste hybride Veranstaltung des WDA

Auf dem achten Symposium des Weltverbands Deutscher Auslandsschulen (WDA) diskutierten am 6. Oktober 2021 im Quadriga Forum in Berlin Politiker, Schulvertreter und Bildungsexperten die Zukunft des Deutschen Auslandsschulwesens. Unter dem Motto „Rückblick und Ausblick nach der Bundestagswahl“ lotete die Veranstaltung aus, wie es unter der neuen Bundesregierung für die Auslandsschulen weitergehen könnte. Ziel war es, alle beteiligten Gruppen des Auslandsschulwesens wieder bei einem persönlichen Treffen zusammen zu bringen und ein politisches Signal für die laufenden Koalitionsverhandlungen zu setzen. Neben den Vertretern der freien Schulträger wie Vorstände, Geschäftsführer oder Beauftragte des Vorstands waren auch mehrere Schulleiter vor Ort. Im Zentrum der Debatten standen dabei das Auslandsschulgesetz, die Lehrergewinnung und der Schulleiterdienstvertrag.

Erstes persönliches Symposium nach über zwei Jahren

Das Symposium fand über zwei Jahre nach dem letzten Symposium (vom Juni 2019) als hybride Veranstaltung statt. Neben den rund 60 Teilnehmenden vor Ort verfolgten viele Mitglieder und Interessierte die Diskussionen per Webkonferenz. Die Veranstaltung wurde unter Einhaltung der 3-G Regeln (Zutritt nur für genesene, geimpfte oder aktuell getestete Personen) und mit einem strikten Hygienekonzept durchgeführt.

Neue Legislaturperiode: Haushaltsvorbehalt streichen

Der Vorstandsvorsitzende des Weltverbands Deutscher Auslandsschulen, Dr. Peter Fornell, unterstrich erneut die Kernforderungen des Verbands für die neue Legislaturperiode: „Übergeordnetes Ziel ist die Sicherung der Existenz der Deutschen Auslandsschulen sowie deren Weiterentwicklung“. Dazu solle vor allem der Haushaltsvorbehalt bei der finanziellen Förderung der Auslandsschulen gestrichen werden. Auch sollte die bestehende Zweiklassengesellschaft bei der Förderung der Schulen beendet werden. Alle geförderten Schulen – von der Abiturschule bis zur GIB-Schule – müssten künftig von der gesetzlich abgesicherten Förderung im jeweiligen Zeitraum von drei Jahren profitieren. Ein weiteres Ziel des WDA ist die stärkere Teilhabe der gemeinnützigen Schulträger. Es sei notwendig, die öffentlich-private Partnerschaft aus Schulträgern, vertreten durch den WDA, auf der einen Seite sowie Bund und Ländern auf der anderen Seite institutionell abzubilden. Dazu solle ein Beteiligungsgremium gesetzlich verankert werden. Am 7. Oktober, einen Tag nach dem Symposium, veröffentlichte der Weltverband Deutscher Auslandsschulen ein Positionspapier zur neuen Legislaturperiode. Es beschreibt in zehn Punkten die Bereiche mit dem drängendsten Reformbedarf.

Schirmherr Thomas Erndl: Interesse an Auslandsschulen ist parteiübergreifend

Eröffnet wurde die politische Diskussion mit einem Grußwort des WDA-Schirmherrn Thomas Erndl (MdB, CSU). Auch er wies darauf hin, dass die Deutschen Auslandsschulen immer ein parteiübergreifendes Interesse waren. „Deswegen bin ich sehr zuversichtlich für die Zukunft, dass wir sowohl im Unterausschuss [für Auswärtige Kultur- und Bildungspolitik, d.R.] als auch im Parlament viele Abgeordnete haben, die sich für die Auslandsschulen einsetzen“, so Erndl. Auch wenn noch abgewartet werden müsse, wie der Ausschuss für Auswärtige Kultur- und Bildungspolitik vom künftigen Bundestag besetzt werde, bekräftigte er seine Bereitschaft, sich weiter für die Deutschen Auslandsschulen einzusetzen.

Auslandsschulen können Mauern einreißen

Simone Barrientos (MdB, Die Linke) zeigte sich überzeugt davon, dass die nächste Bundesregierung eine progressive sein werde. Die Deutschen Auslandsschulen seien ein Transportmittel für den Austausch. Als solche seien sie geeignet, Mauern einzureißen. Als Wunsch äußerte sie, dass die Deutschen Auslandsschulen in sozio-kultureller Hinsicht diverser werden sollten. Die Fraktion „Die Linke“ werde die Weiterentwicklung der Schulen auf jeden Fall weiter unterstützen. Barrientos war per Videokonferenz zugeschaltet.

Prof. Dr. Christian Thomsen, Präsident der Technischen Universität Berlin, ist selbst Alumnus der Deutschen Schulen Athen und Yokohama. Aus seiner Sicht spielen die Deutschen Auslandsschulen eine ganz wichtige Rolle dabei, dass die besten Fachkräfte nach Deutschland kommen können. Er sprach sich für eine weitere Internationalisierung der Lehrerbildung aus. An der TU Berlin werden Berufsschullehrer ausgebildet. Eine Internationalisierung der bisher fast nur auf Deutschland ausgerichteten Lehrerausbildung sei in jedem Fall vorteilhaft. Prof. Dr. Thomsen sprach sich dafür aus, die Zahlenbasis zu den Deutschen Auslandsschulen im Inland zu verbessern. Insbesondere der Anteil der Absolventen Deutscher Auslandsschulen an den deutschen Hochschulen sollte genauer und standortübergreifend erhoben werden.

Pieper: Auslandsschulen sind Leuchttürme der deutschen Bildungspolitik

Auch Cornelia Pieper, Generalkonsulin in Danzig und ehemalige Staatsministerin im Auswärtigen Amt, richtete ein Videogrußwort an die Teilnehmenden. „Für mich sind die Deutschen Auslandsschulen Leuchttürme der deutschen Bildungspolitik. Mein Wunsch ist, dass wir diese dann auch in Deutschland strahlen lassen“, so Pieper. Sie sprach sich für mehr Sichtbarkeit der Auslandsschulen im Inland aus, z.B. durch Veranstaltungen und Preisverleihungen. Darüber hinaus sieht auch sie die Deutschen Auslandsschulen als Motor dafür, den Fachkräftemangel in deutschen Unternehmen zu verringern.

Auswärtiges Amt: öffentlich-private Partnerschaft passgenau verbessern

Zur Frage, wie die öffentlich-private Partnerschaft institutionell besser verankert werden könnte, sagte Vito Cecere (Auswärtiges Amt), dass sie im Großen und Ganzen gut funktioniere. Es müsse genau hingesehen werden, was verbessert werden solle. Die Voraussetzungen und Herausforderungen an einzelnen Schulen und in einzelnen Ländern seien oft sehr unterschiedlich. So unterschiedlich müssten auch die Antworten auf Probleme sein. Er betonte: „Wir wollen diese Diskussion nicht ohne die Betroffenen führen. Wenn wir feststellen, dass Veränderungen hilfreich sind, würden wir das nicht abblocken.“ Unterschiedliche Interessen seien vorhanden. Diese müssten in einem konstruktiven Prozess ausgeglichen werden.

Dr. Fornell: guter Kontakt mit den fördernden Stellen

Zum Abschluss des Symposiums zog Dr. Peter Fornell, WDA-Vorsitzender, ein positives Fazit: „Das Symposium hat gezeigt, dass der Kontakt mit den fördernden Stellen gut und eng ist.“ Er wünsche sich, dass die Schulgemeinschaft stark bleibt und zusammenhält. „Wir als freie Schulträger müssen dazu selbst etwas beitragen, aber wir werden immer auch klare Forderungen stellen, was notwendig ist, um das Auslandsschulwesen zu erhalten,“ so Dr. Fornell. Als nächste WDA-Veranstaltungen für Mitglieder sind regionale Webkonferenzen für Anfang Dezember geplant.

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