​Mehr Öffentlichkeit für die Deutschen Auslandsschulen: WDA-Beitrag in „Politik & Kultur“

In der aktuellen Ausgabe von "Politik & Kultur", der Zeitschrift des Deutschen Kulturrates, stellt WDA-Geschäftsführer Thilo Klingebiel die Anliegen der Deutschen Auslandsschulen und das aktuelle Positionspapier des WDA, die Berliner Erklärung, einem Fachpublikum und der breiteren Öffentlichkeit vor. Die Ausgabe steht unter dem Schwerpunkt „Deutschland und die Welt – Auswärtige Kultur- und Bildungspolitik“. Die Deutschen Auslandsschulen erhalten dadurch eine weitere wirkungsvolle Plattform.

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​Die aktuelle Ausgabe der Zeitschrift Politik & Kultur beschäftigt sich schwerpunktmäßig mit Deutschland und der Welt und der Auswärtigen Kultur- und Bildungspolitik. Dabei kommen prominente Stimmen zu Wort. Die Zeitung des Deutschen Kulturrates informiert zehnmal im Jahr zu aktuellen kulturpolitischen Fragestellungen.

Der Deutsche Kulturrat e.V. ist der Spitzenverband der Bundeskulturverbände. Er ist der Ansprechpartner der Politik und Verwaltung des Bundes, der Länder und der Europäischen Union in allen die einzelnen Sparten (Sektionen) des Deutschen Kulturrates übergreifenden kulturpolitischen Angelegenheiten. Ziel des Deutschen Kulturrates ist es, kulturpolitische Diskussion auf allen politischen Ebenen anzuregen und für Kunst-, Publikations- und Informationsfreiheit einzutreten.

Deutsche Auslandsschulen erneut in Zeitschrift

Armin Laschet, MdB, Vorsitzender des Auswärtigen Ausschusses im Deutschen Bundestag und vormals Ministerpräsident des Landes Nordrhein-Westfalen, geht unter anderem auf den Beitrag von Kultur, Bildung und Sprache zur Verständigung ein. “Kultur und Bildung tragen dazu bei, bei allen Konflikten dieser Welt auch das Menschsein im Anderen zu erkennen. Sprachkenntnisse und Kenntnisse über die Geschichte und die kulturellen Besonderheiten anderer Staaten und Völker helfen, die Welt aus einer anderen Perspektive zu betrachten. Wie sonst soll Verständigung möglich werden?” (S. 16).

Weitere Textbeiträge aus der Politik stammen von ​Anke Rehlinger, Ministerpräsidentin des Saarlands; Gitta Connemann MdB, Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesministerium für Wirtschaft und Energie oder Sven Lehmann MdB, Vorsitzender des Ausschusses für Kultur und Medien im Deutschen Bundestag.

WDA-Geschäftsführer Thilo Klingebiel wurde erneut eingeladen, für die aktuelle Ausgabe einen Beitrag zu den Deutschen Auslandsschulen zu verfassen. Der WDA und der Deutsche Kulturrat stehen seit Jahren in Austausch, die Einladung zum Beitrag geht auf diese gute Beziehung zurück.

​Olaf Zimmermann, Geschäftsführer des Deutschen Kulturrates und Herausgeber von Politik & Kultur, schreibt in der aktuellen Ausgabe unter anderem zum Thema Kunst und Religion.

​​Gesche Joost etwa, seit November 2024 Präsidentin des Goethe-Instituts, schreibt über die Auswirkungen der Auswärtigen Kultur- und Bildungspolitik am Beispiel Armeniens.

Berliner Erklärung erreicht breitere Öffentlichkeit

Der Beitrag von Thilo Klingebiel bereitet die Berliner Erklärung des WDA für eine breitere Öffentlichkeit auf. Dadurch werden zentrale Erwartungen und Argumente der Deutschen Auslandsschulen Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträgern, Kulturinteressierten und einem politischen Publikum zugänglich gemacht – die Leserschaft, die Politik & Kultur seit 2002 regelmäßig erreicht. Die Veröffentlichung stärkt damit die Wahrnehmung der Deutschen Auslandsschulen als wichtigen Akteur deutscher Bildungs- Kultur- und Außenpolitik: Demokratievermittlung, Sprachförderung und Fachkräfteausbildung und Bedeutung für deutsche Unternehmen stehen klar im Fokus.

​​​​Dass in derselben Ausgabe hochrangige Politikerinnen und Politiker, führende Kulturvertreterinnen und Kulturvertreter und Herausgebende zu Wort kommen, erhöht die Sichtbarkeit und Gewichtung der Themen rund um die Deutschen Auslandsschulen deutlich.

Der Beitrag von Thilo Klingebiel ist nachfolgend zu lesen.

Demokratie vermitteln – Deutsch fördern – Fachkräfte ausbilden
Deutsche Auslandsschulen sind so wertvoll wie nie
Thilo Klingebiel

Die Deutschen Auslandsschulen (DAS) sind Teil einer zukunftsorientierten Außenpolitik und eine zentrale Säule der Auswärtigen Kultur- und Bildungspolitik Deutschlands, denn sie sind weit mehr als Bildungseinrichtungen: In über 70 Ländern auf allen Kontinenten bilden sie ein globales Netzwerk von Leistungsträgern mit gemeinsamer Sprache, Kultur und Wertebasis. Als Talentzentren, besonders im MINT-Bereich, sichern sie Fachkräftepotenzial für Deutschland, stärken Wirtschaft und Innovation und fördern die internationale Mobilität von Unternehmen. Zugleich wirken sie als wertebasierte Soft Power, schaffen geopolitische Resilienz und nachhaltige Beziehungen. Ihr Charakter als »erstrangiger Wirtschaftsfaktor« mit über 1,2 Milliarden Euro Wertschöpfung wird vom Bundestag anerkannt und ihr dreifacher Nutzen für Sitzländer, Absolventen und Deutschland (»Triple Win«) ist wissenschaftlich belegt.

85.000 Schülerinnen und Schüler und rund 18.000 Kinder in der frühkindlichen Bildung an 136 DAS lernen in ihrer Schullaufbahn nicht nur die Sprache, sondern leben und verinnerlichen ganzheitlich eine besondere Lehr- und Lernkultur wie auch die Kultur Deutschlands – von der Kinderkrippe bis zur Hochschulqualifikation. 35 Prozent der Schülerinnen und Schüler haben deutsche Wurzeln, 65 Prozent nicht. Der Bundestag hat diesen Begegnungscharakter besonders gewürdigt. Kulturelle Bildung ist dabei ein zentraler Auftrag der Deutschen Auslandsschulen: Sie vermitteln deutsche Sprache, Literatur, Geschichte, Musik, Kunst und Werte wie Demokratie und Freiheit, binden zugleich die Landessprache und kulturelle Traditionen aktiv in Unterricht und Schulleben ein. In Klassen mit durchschnittlich 13 Nationen entsteht gelebte Interkulturalität, die Toleranz, Respekt und interkulturelle Kompetenz fördert.

DAS fördern ferner Inklusion durch individuelle Konzepte und bieten Bildung für alle Schichten durch Stipendien oder reduziertes Schulgeld. Ihre Qualität wird schließlich durch die Bund-Länder-Inspektion zertifiziert.

Deutsche Auslandsschulen sind existenzbedroht

Trotz ihrer anerkannten Beiträge zur AKBP sind die Deutschen Auslandsschulen existenziell bedroht. In der 20. Legislaturperiode hat das Auswärtige Amt substanzielle Kürzungen vorgenommen. Bereits seit 2023 wurden Reduzierungen beim Qualitätsmanagement und der Förderung umgesetzt. In 2025 müssen die DAS sogar eine Kürzung der freiwilligen finanziellen Förderung von 100 Prozent verkraften. Laufende Förderverträge werden geändert, Kürzungen treffen die Schulträger rückwirkend, da das laufende Schuljahr betroffen ist. Der Sinn des Auslandsschulgesetzes, eine verlässliche Förderung zu gewährleisten, wird damit nicht erfüllt. Die Einsparungen gefährden nicht nur die Entwicklung und Qualität der DAS grundlegend, sondern auch ihre Offenheit für Schülerinnen und Schüler aus allen sozialen Schichten. Damit ist ihre Existenz bedroht.

Mittlerorganisationen mit dem höchsten Eigenanteil an Finanzierung

Die DAS sind gemeinnützige, selbstverwaltete Einrichtungen. In der Regel gründen Eltern, Ehemalige oder Unternehmensvertreter Schulvereine, die die Schulen eigenständig leiten. Gesetzlich verpflichtet, erwirtschaften die Schulträger über zwei Drittel ihres Budgets durch Schulgelder vor Ort. Mit rund 530 Millionen Euro jährlich decken sie 72 Prozent der Gesamtkosten. Obwohl deutsche Schülerinnen und Schüler nur 36 Prozent der Schülerschaft ausmachen, entspricht ihre Beschulung rechnerisch dem gesamten Förderbetrag aus Deutschland. Würden sie in Deutschland unterrichtet, entstünden Kosten von rund 291 Millionen Euro jährlich. Die staatliche Förderung durch Bund und Länder erfolgt vor allem durch die Vermittlung von Lehrkräften aus Deutschland, die die deutschen Bildungsstandards sicherstellen. Etwa ein Fünftel der Lehrkräfte an DAS sind aus Deutschland. Der finanzielle Anteil der staatlichen Förderung an den Schuletats macht durchschnittlich unter 10 Prozent aus. Diese Mittel sind jedoch entscheidend, um soziale Vielfalt und durchgängige Bildungsbiografien zu ermöglichen. Die DAS sind offene Orte der Begegnung – und genau das steht nun auf dem Spiel.

Vier Kernforderungen

Mit der Berliner Erklärung hat der Weltverband Deutscher Auslandsschulen im Juni 2025 eine entschlossene Antwort auf diese Entwicklungen vorgelegt. Sie fasst die Einzelstimmen der Schulträger und des weltweiten Netzwerks der DAS zu einer starken, gemeinsamen Position zusammen. Vier Kernforderungen stehen im Mittelpunkt der Berliner Erklärung:

  1. Die Existenzsicherung und der Erhalt der Qualität der Deutschen Auslandsschulen muss priorisiert werden. Der hierfür relevante Schulfonds muss nachhaltig ausgestattet und umstrukturiert werden. Die dort enthaltenen Personalkosten müssen mit dem Zweck ausgelagert werden, Personalverstärkungsmittel für Gehaltssteigerungen zu nutzen. Neue Aufgaben benötigen zudem zusätzliche Mittel.
  2. Die Vielfalt der Schulabschlüsse ist eine Stärke – jeder Abschluss hat seinen eigenen Wert, der sich am besten entfaltet, wenn er an den individuellen Standort der jeweiligen Schule angepasst ist. Die unterschiedlichen Schulabschlüsse dürfen nicht gegeneinander ausgespielt werden. Kein Abschluss darf finanziell benachteiligt werden.
  3. Als langfristig etablierte, im Regelfall über Jahrzehnte oder Jahrhunderte verankerte Institutionen in den Sitzländern sind die DAS verlässliche Partner der deutschen Außenpolitik. Sie benötigen ebenfalls Verlässlichkeit durch langfristige Förderstrategien. Politisch motivierte, kurzfristige Standortentscheidungen und jährlich neu zu verhandelnde Förderverträge stehen diesem Anspruch entgegen und verhindern eine zielgerichtete, nachhaltige Entwicklungsperspektive.
  4. Die DAS sind die Mittlerorganisationen mit dem höchsten Eigenanteil an der Finanzierung in der auswärtigen Kultur- und Bildungspolitik. In dieser Rolle erwarten die Schulträger, an politischen Entwicklungen und Entscheidungen, die sie betreffen, frühzeitig, partnerschaftlich und respektvoll beteiligt zu werden.

Zukunft nur mit Partnerschaft

Die Deutschen Auslandsschulen sind Orte gelebter Partnerschaft. Sie verbinden Menschen, Kulturen und Bildungswege – und schaffen so ein stabiles Fundament für Vertrauen und Zusammenarbeit. Wer die auswärtige Kultur- und Bildungspolitik stärken will, muss diese bewährten Netzwerke sichern. Nur so kann Deutschland in einer vernetzten Welt offen, innovativ und verlässlich bleiben.

​Zum Heft

Politik & Kultur erscheint seit 2002 und wird herausgegeben von Olaf Zimmermann und Theo Geißler. Die Zeitung des Deutschen Kulturrates informiert zehnmal im Jahr zu aktuellen kulturpolitischen Fragestellungen und widmet sich zusätzlich in jeder Ausgabe einem Thema ausführlich. Dabei richtet sich Politik & Kultur an kulturpolitisch Interessierte, Entscheidungsträgerinnen und -träger aus Kultureinrichtungen und Behörden, Mandatsträgerinnen und -träger in den Parlamenten und weitere.

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