WDA-Geschäftsführer Thilo Klingebiel sprach auf der Konferenz über die wichtige Funktion der 135 Deutschen Auslandsschulen bei der internationalen Berufsbildung. Foto: Zentralstelle der Bundesregierung für internationale Berufsbildungskooperation. German Office for International Cooperation in VET.
Auf der Konferenz in Bonn am 1. Oktober kamen etwa 120 Fachleute und Akteure zusammen, darunter Vertreterinnen und Vertreter der Bundesressorts, der Länder, der Sozialpartner und der Kammerorganisationen. Das Programm beschäftigte sich mit aktuellen Veränderungen in der Berufsbildung, der Arbeitswelt und den internationalen Beziehungen. Es ging um Themen wie Künstliche Intelligenz oder demografischer Wandel und übergeordnet immer darum, wie Deutschland und seine Partner voneinander lernen und die Berufsbildung gemeinsam weiterentwickeln können. Stefan Schneider, Referatsleiter für internationale Berufsbildungszusammenarbeit im Bundesbildungsminiisterium, betonte in diesem Kontext: Es sei wichtig, in der internationalen Kooperation gezielt die Fähigkeit auszubauen, Kenntnisse und Anregungen aus dem Ausland “nach Hause zu bringen”.
Konferenz als Orientierungshilfe
Die Fachkonferenz ist eingebettet in die Arbeit des Runden Tisches für internationale Berufsbildungszusammenarbeit (iBBZ). Sie ist zum einen eine Standortbestimmung, zum anderen eine Orientierungshilfe für die gemeinsame iBBZ der nächsten Jahre. Organisiert und konzipiert wurde die Veranstaltung im Auftrag der Bundesregierung von GOVET, der Zentralstelle für internationale Berufsbildungskooperationen im Bundesinstitut für Berufsausbildung (BIBB). Julia Olesen, Projektleiterin bei GOVET, führte durch das Programm, an dem auch der Weltverband Deutscher Auslandsschulen beteiligt war.
Realitätsnahe Einblicke auf der Warp-Konferenz
Die “Warp-Konferenz” war ein Programmpunkt, der sich auf Impulse aus der Praxis konzentrierte. Der aus der Science Fiction entlehnte Name spielte auf den Warp-Antrieb an, mit dem sich unbekannte Welten erkunden lassen. In Bonn bewegte sich das in Gruppen eingeteilte Plenum ganz bodenständig von Raum zu Raum, um sechs spannende, wenn auch realitätsnahe Vorträge zu hören. WDA-Geschäftsführer Thilo Klingebiel berichtete aus der Praxis der Deutschen Auslandsschulen.
Deren Absolventinnen und Absolventen orientieren sich häufig in Richtung Deutschland und sind damit potenzielle Fachkräfte auf allen Ebenen des Bildungssystems. Jeder zweite Absolvent gehe nach dem Abschluss für einige Zeit nach Deutschland, berichtete er mit Verweis auf eine aktuelle Studie der Bertelsmann Stiftung. Klingebiel stellte zudem einige positive Entwicklungen heraus. Die Studien- und Berufsberatung sei ein Erfolgsfaktor. Alle Auslandsschulen habe eine entsprechende Funktionsstelle etabliert, um eine möglichst frühzeitige und hilfreiche Karriereberatung anbieten zu können. Er unterstrich die Bedeutung von Praxisangeboten deutscher Firmen, auch mit Blick auf die Gesetzgebung zu Betriebspraktika und teilweise zu hohe Barrieren bei der Visa-Vergabe.
Vernetzung von Wirtschaft und Bildungswelt
Neben Thilo Klingebiel war auch WDA-Schatzmeister und stellvertretender Vorsitzender Dr. Richard Epstein in Bonn vor Ort, um den Weltverband Deutscher Auslandsschulen zu repräsentieren. In seiner Vita wird besonders deutlich, wie wichtig das Zusammendenken von Bildung und Wirtschaft ist.
Epstein ist Diplom-Kaufmann und promovierter Ökonom. Seit 2017 arbeitet er für die Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ), ein bundeseigenes Unternehmen in der Entwicklungszusammenarbeit. Dort setzt er beispielsweise Projekte in Jordanien, Libanon und dem Irak um. Davor war er mehrere Jahre in einem Großkonzern in Deutschland tätig, auch als Handelsunternehmer in Griechenland. Außerdem engagierte er sich von 2011 an über zehn Jahre lange für die Deutsche Schule Athen, war dort viele Jahre im Schulvorstand. Im WDA-Vorstand vertritt er seit 2022 insbesondere die Region EMEA (Europa, Mittlerer Osten, Afrika) und ist seit Herbst 2023 Schatzmeister.
Für den WDA sind Fachkonferenzen wie diese auch immer ein Anlass, um den persönlichen Austausch zu pflegen und die Netzwerke zu festigen.
Berufliche Bildung ist ein Triple Win
Das deutsche Auslandsschulwesen bietet weltweit an zahlreichen Standorten praxisorientierte und zukunftsgerichtete Bildungsgänge an, die sich konsequent an den Anforderungen internationaler Arbeitsmärkte ausrichten. Das öffnet Wege in beide Richtungen: Absolventinnen und Absolventen gehen nach Deutschland, bleiben aber auch oft in ihren Sitzländern. Berufliche Bildung ist Teil des Triple Wins der Deutschen Auslandsschulen. Damit ist ein dreifacher Nutzen gemeint: für die jungen Menschen selbst, ihre Herkunftsländer und Deutschland. Dies zeigt sich auch in den Ergebnissen einer Befragung, die das Auswärtige Amt und die Deutsche Industrie- und Handelskammer im Frühjahr 2025 durchführten. Deutschen Auslandsschulen sind ein entscheidender Standortfaktor für deutsche Unternehmen im Ausland, heißt es in dieser weltweiten Umfrage unter den rund 46.000 deutschen Mitgliedsunternehmen der Auslandshandelskammern.
Regelmäßige Stellungnahmen und Beratung
Der WDA setzt sich regelmäßig in seinen Stellungnahmen und Positionspapieren für die Berufsbildung ein. Im Positionspapier für die 21. Wahlperiode thematisiert der Verband unter anderem die Chancen für Absolventinnen und Absolventen auf dem Arbeitsmarkt, die Durchlässigkeit des Bildungssystems im Ausland und die Vernetzung der Deutschen Auslandsschulen mit der Wirtschaft. Im Februar 2026 legte der WDA eine Stellungnahme zur Work-and-Stay-Agentur für Fachkräfteeinwanderung vor, die neu aufgebaut werden soll. Ein Ziel dieser Agentur ist es, Anerkennungsverfahren zu erleichtern. In seiner Stellungnahme betont der WDA die wichtige Rolle der Deutschen Auslandsschulen bei der Fachkräftesicherung und geht unter anderem auf die Anerkennung für internationale Bildungsabschlüsse wie das Deutsche Sprachdiplom und Verbesserungsbedarf bei der Digitalisierung ein.
Weitere Informationen
- Ausführlicher Nachbericht zur Konferenz auf dem GOVET-Portal des BIBB
- Podiumsdiskussion zur beruflichen Bildung auf der didacta 2026 (12. März 2026)
- Zu den Positionspapieren des WDA
- Die Unternehmensbefragung aus dem Frühjahr 2025
