Deutsche Auslandsschulen: Austausch und Perspektiven bei der WDA-EMEA-Tagung 2026

Zusammenarbeit, Bildungsqualität und verlässliche Förderung standen bei der regionalen Tagung des Weltverbands Deutscher Auslandsschulen vom 7. bis 10. Oktober 2026 in Bratislava im Mittelpunkt. Schulvertretungen, fördernde Stellen und Partner diskutierten, wie Deutsche Auslandsschulen ihre Rolle im internationalen Netzwerk stärken und ihre Zukunft langfristig planen können.

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​Gruppenbild der Teilnehmenden der WDA-EMEA-Tagung. ​Foto: Milan Strapko

Der Weltverband Deutscher Auslandsschulen (WDA) richtete die WDA-EMEA-Tagung 2026 in Kooperation mit der Deutschen Schule Bratislava aus. Sie bot Raum für den Austausch zu aktuellen und regionalen Fragen des Auslandsschulwesens in Europa, im Mittleren Osten und in Afrika. Der Weltverband Deutscher Auslandsschulen vertritt die freien, gemeinnützigen Schulträger der Deutschen Auslandsschulen und fasst ihre Einzelstimmen zu einer starken Stimme zusammen.

In ihrem Grußwort vor den Podien bezeichnete WDA-Vorstandsvorsitzende Heilke Daun die Schulen als „gelebte Orte des Dialogs“. Diese Arbeit gelinge nur gemeinsam. Angesichts steigender Personalkosten und finanzieller Unsicherheiten brauche es verlässliche und langfristige Unterstützung, um Unterrichtsqualität und Abschlüsse zu sichern.

Podium: Deutsche Auslandsschulen im Team Deutschland

Die von Walter Brand, WDA-Vorstandsmitglied und Vorsitzender des Schulvereins der Deutschen Schule Mailand, moderierte Diskussion „Deutsche Auslandsschulen im Team Deutschland – Wertbeitrag, Erwartungen und Chancen“ beleuchtete die Zusammenarbeit zwischen Schulen und Akteuren im Ausland, sowie den fördernden Stellen – für stärkere Synergien für Team Deutschland.

Das Auswärtige Amt hob die koordinierende Rolle der Auslandsvertretungen hervor. Abgestimmte Veranstaltungen und gemeinsame Botschaften könnten die Sichtbarkeit erhöhen. Heike Toledo, Leiterin der Zentralstelle für das Auslandsschulwesen (ZfA), betonte, dass überzeugende schulische Arbeit die Grundlage dafür sei. Kooperationen mit dem Goethe-Institut, dem Deutschen Akademischen Austauschdienst und weiteren Partnern könnten diese Wirkung verstärken.

Die Schulvertretungen unterstützten die Vernetzung, benannten aber auch Grenzen. „Wir wollen mehr als eine Schule sein“, erklärte Jutta Eberl Marchetti von der Deutschen Schule Rom. Zusammenarbeit müsse auf Gegenseitigkeit beruhen. Beatrice Zöllner, Verwaltungsleiterin der Deutschen Europäischen Schule Singapur, verwies auf klare Zuständigkeiten und ausreichende Ressourcen, damit zusätzliche Aufgaben die Bildungsarbeit nicht beeinträchtigten. Team Deutschland bedeutet für sie, jede und jeder bringe seine Stärken ein: Wo können die Deutschen Auslandsschulen ihre Stärken einbringen? Und: Was können auch die anderen Player leisten?

Peter Kršák, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Schule Bratislava, beschrieb die begrenzten zeitlichen Möglichkeiten ehrenamtlicher Vorstände und die Schwierigkeiten langfristiger Planung ohne mehrjährige Förderverträge. Der digital zugeschaltete Matthias Holtmann, Schulleiter der Deutschen Schule Rom, unterstrich die Verlässlichkeit, die Familien über viele Jahre von Schulen erwarteten. Als Kooperationsmöglichkeiten wurden etwa Praktika, Berufsorientierung und gemeinsame Veranstaltungen mit Unternehmen diskutiert.

Auch die Finanzierung kam zur Sprache. Thomas Mayer, Ländervorsitzender des Bund-Länder-Ausschusses für schulische Arbeit im Ausland, erklärte: „Geld ist nicht alles, aber ohne Geld ist alles nichts.“ Er beschrieb ein strukturelles Finanzierungsproblem: Steigende Löhne und Gehälter würden nicht automatisch durch einen entsprechend wachsenden Schulfonds aufgefangen. Hierfür braucht es eine politische Lösung. Der Vertreter des Auswärtigen Amts teilte diese Einschätzung.

Podium fördernde Stellen: Förderung und Planungssicherheit

Das anschließende Gespräch „Aktuelles bei den Auslandsschulen – Neues von den fördernden Stellen“ moderierte WDA-Vorstandsvorsitzende Heilke Daun. Im Mittelpunkt standen der Schulfonds, die geplante Änderung des Auslandsschulgesetzes und die Unterstützung der Schulen.

Dr. Carsten Fischer vom Auswärtigen Amt berichtete, dass der Regierungsentwurf 2027 einen Anstieg des Schulfonds von rund 299,4 auf 308,8 Millionen Euro vorsehe. Die endgültige Höhe hängt vom parlamentarischen Verfahren ab. Der WDA berichtet laufend zum Haushalt.

Peter Dicke, ständiger Vertreter der ZfA-Leiterin, erläuterte, dass zusätzliche Einnahmen aus Visagebühren eine teilweise Wiederaufnahme der freiwilligen Förderung für die verbleibenden Monate 2026 ermöglicht hätten. Einschränkungen träfen jedoch leider gerade Schulen im Aufbau besonders.

Dicke forderte einen Mechanismus, durch den das Auslandsschulwesen regelmäßig an Personalverstärkungsmitteln teilhaben könne. Steigende Personalkosten dürften nicht dauerhaft die Spielräume für andere Förderbereiche verringern. Diesen Bedarf sollten die beteiligten Akteure gegenüber der Politik gemeinsam deutlich machen. Die Auswirkungen der angekündigten Neuregelung der Bundesbesoldung, des Bundesalimentationsgesetzes, auf den Schulfonds seien noch offen.

Gesetzliche Förderung erhalten und gemeinsam weiterentwickeln

Auf Dauns Frage nach den nächsten Schritten betonte Fischer, dass die finanzielle Anspruchsförderung nach Paragraf 12 erhalten bleiben solle. Auch eine Abschaffung des Deutschen Internationalen Abiturs sei nicht beabsichtigt. Nach seiner Einschätzung könnten unveränderte Regelungen jedoch das Risiko bergen, dass Schulen ganz aus der Förderung herausgenommen würden. Dies wolle das Auswärtige Amt vermeiden.

Als parlamentarischen Weg erläuterte er die mögliche und nach Ansicht des Auswärtigen Amts minimale Änderung des §12 des Auslandsschulgesetzes und der dazugehörigen Verwaltungsvorschrift über ein Haushaltsbegleitgesetz. Ziel für das Inkrafttreten sei der 1. Januar 2027. Daun verwies auf die Stellungnahme des WDA für die Haushaltspolitikerinnen und Haushaltspolitiker und verwies auf die Expertise der Schulvorstände und des Schulmanagements, die rechtzeitig genutzt werden sollte.

Die fördernden Stellen beschrieben flexiblere Verwaltungsvorschriften, Standortzuschüsse und individuell abgestimmte Zielvereinbarungen als mögliche Instrumente gestärkter Zusammenarbeit. Schulvertretungen warben dafür, ihre Erfahrungen frühzeitig einzubeziehen.

Der WDA benannte Risiken durch eine Änderung des §12 und der Verwaltungsvorschrift und die wegfallende Dynamisierung der gesetzlichen finanziellen Förderung für die Auslandsschulen und warb für eine frühzeitige und kontinuierliche Einbindung der Schulträger. Dafür warb der WDA auch beim Parlamentarischen Frühstück des WDA am 24.9. mit Mitgliedern des Bundestages und Vertreterinnen und Vertretern der Bundestagsbüros.

​​Sinn und Ziel des Auslandsschulgesetzes umsetzen

​Der WDA bringt die Finanzierungsfragen kontinuierlich in die Haushalts- und Fachgespräche ein, damit Sinn und Ziel des Auslandsschulgesetzes umgesetzt werden:

• Planungssicherheit schaffen durch Förderverträge für drei Jahre

• Mit verlässlicher Anzahl von Lehrkräften aus Deutschland die Qualität deutscher Bildung und Abschlüsse in der Welt sichern und den deutschen Charakter der Schulen wahren

• Lehrkräfte aus Deutschland marktgerecht bezahlen durch Koppelung der Besoldung an das Inland

• Koppelung der finanziellen Förderung an Lehrergehalt im Inland, um Schulträgern die Anstellung von Lehrkräften aus Deutschland mit der Förderung zu ermöglichen.

​• Leistung durch Anspruchsförderung belohnen.

Mehrjährige Verträge und pädagogische Unterstützung

Auch Lücken zwischen Förderverträgen und der Aufwand einjähriger Verträge wurden während der Diskussion angesprochen. Die ZfA kündigte Verbesserungen an: Gesetzliche und personelle Förderung sollten vertraglich gesichert werden können, während freiwillige Mittel gegebenenfalls später ergänzt würden. Die Rückkehr zu dreijährigen Förderverträgen wurde als Ziel benannt.

Yvonne Büscher, stellvertretende Referatsleiterin Auslandsschulwesen im Sekretariat der Kultusministerkonferenz, bestätigte die grundsätzliche Bereitschaft der Länder, Lehrkräfte für den Auslandsschuldienst zu beurlauben. Zugleich müsse dessen Attraktivität erhalten bleiben, u.a. durch angemessene Vergütung. Sie stellte die neuen Regelwerke für digital gestützten Unterricht und die Sekundarstufe I sowie das vorgesehene Prüfungsbüro für das Zentralabitur vor. Dieses solle Lehrkräfte entlasten und die Prüfungsorganisation unterstützen.

Regionalen Dialog fortsetzen – weltweit zusammenkommen

Die Gespräche zeigten gemeinsame Anliegen und offene Aufgaben: stärkere Kooperation, frühzeitige Beteiligung der Schulen und langfristig tragfähige Förderung.

Der nächste globale Treffpunkt steht bereits fest: Der Weltkongress Deutscher Auslandsschulen findet vom 8. bis 12. Juni 2027 in Heilbronn statt. Unter dem Motto „Talente für morgen – Gemeinsam Bildung, Begegnung und Innovation weltweit gestalten“ findet der Weltkongress Deutscher Auslandsschulen auf dem Bildungscampus der Dieter Schwarz-Stiftung in Kooperation mit der Akademie für Innovative Bildung und Management (aim) in Heilbronn, Deutschland, statt.

Der WDA dankt der Deutschen Schule Bratislava für die Kooperation und Gastfreundschaft sowie allen Teilnehmenden, Partnern und Mitwirkenden für ihre Beiträge.

Vielen Dank an alle, die die WDA-EMEA-Tagung mit Leben erfüllt haben: Fördernde Stellen, weitere Partner, Deutsche Auslandsschulen und Sponsoren.

​Der Weltverband Deutscher Auslandsschulen (WDA) vertritt die Interessen der freien, gemeinnützigen Schulträger der Deutschen Auslandsschulen gegenüber der deutschen Politik und der Öffentlichkeit, bringt die Expertinnen und Experten aus den Schulen durch regelmäßige Veranstaltungen in einem globalen Netzwerk zusammen und unterstützt sie mit exklusiven Dienstleistungen.

Teilnehmende der beiden Podien

Erstes Podium: Deutsche Auslandsschulen im Team Deutschland

8. Oktober 2026, 10:40–11:40 Uhr

  • Heike Toledo, Leiterin der Zentralstelle für das Auslandsschulwesen.
  • Thomas Mayer, Ländervorsitzender des Bund-Länder-Ausschusses für schulische Arbeit im Ausland, Bayerisches Staatsministerium für Unterricht und Kultus.
  • Beatrice Zöllner, Verwaltungsleiterin der Deutschen Europäischen Schule Singapur.
  • Jutta Eberl Marchetti, Beauftragte des Vorstands der Deutschen Schule Rom.
  • Dr. Carsten Fischer, stellvertretender Referatsleiter für Deutsche Auslandsschulen und Deutsch als Fremdsprache, Auswärtiges Amt.
  • Matthias Holtmann, Schulleiter der Deutschen Schule Rom, digital zugeschaltet.
  • Peter Kršák, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Schule Bratislava.
  • Moderation: Walter Brand, WDA-Vorstandsmitglied und Vorsitzender des Schulvereins der Deutschen Schule Mailand.

Podium: Neues von den fördernden Stellen

8. Oktober 2026, 11:40–12:30 Uhr

  • Dr. Carsten Fischer, stellvertretender Referatsleiter für Deutsche Auslandsschulen und Deutsch als Fremdsprache, Auswärtiges Amt.
  • Peter Dicke, ständiger Vertreter der Leiterin der Zentralstelle für das Auslandsschulwesen.
  • Yvonne Büscher, stellvertretende Referatsleiterin Auslandsschulwesen, Sekretariat der Kultusministerkonferenz.
  • Moderation: Heilke Daun, Vorstandsvorsitzende des WDA.

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