Übersicht zur Entwicklung der wirtschaftlichen Lage bis September 2026. Bild: WDA
Für den WDA-Auslandsschulkompass befragt der Weltverband Deutscher Auslandsschulen (WDA) regelmäßig seine Mitgliedsschulen nach ihrer Einschätzung der aktuellen Lage und ihrer Erwartungen für die Zukunft. An der Umfrage im September 2026 haben 117 Schulen teilgenommen. Für viele Deutsche Auslandsschulen bleibt die Lage ernst.
Aktuelle Situation im laufenden Schuljahr: Lage ernst
Die Ergebnisse des WDA-Auslandsschulkompasses haben sich gegenüber der letzten Umfrage im März 2026 kaum verändert. Für viele Schulen bleiben die Belastungen hoch. 22,2 % bewerten ihre wirtschaftliche Lage als schlecht. Im Frühjahr waren es 21,0 %. Damit ist der Anteil leicht gestiegen.
16,2 % sehen die Existenz ihrer Schule stark bedroht, nach 17,3 % im März. Der Rückgang um 1,1 Prozentpunkte ist eine leichte positive Entwicklung. Dennoch bedeutet der aktuelle Wert: Rund jede sechste teilnehmende Schule sieht sich weiterhin in einer existenziellen Krise.
Zugleich gibt es Schulen, deren Lage günstiger ausfällt. 27,4 % beurteilen ihre wirtschaftliche Situation als gut, gegenüber 18,5 % im März. Auch der Anteil der Schulen, die sich gar nicht in ihrer Existenz bedroht sehen, ist gestiegen: von 16,0 % auf 25,6 %. Diese Verbesserungen zeigen, wie unterschiedlich die Lage der Schulen ist. Für die weiterhin stark belasteten Schulträger bleibt der Handlungsdruck bestehen.
Förderung, Lehrkräftemangel und Wettbewerb belasten die Schulen
Bereits in der Frühjahrsumfrage vom März 2026 benannten die Schulen konkrete Gründe für ihre Schwierigkeiten, die auch in der aktuellen Septemberumfrage bestehen bleiben: Einschnitte bei der finanziellen Förderung, die wirtschaftliche Situation im Sitzland, personelle Sorgen durch Lehrkräftemangel und zunehmender Wettbewerb mit anderen Bildungsanbietern. Hinzu kommen weitere Krisen und demografische Veränderungen. Ein Geburtenrückgang oder weniger Expats aus deutschsprachigen Ländern können beispielsweise dazu führen, dass weniger Kinder und Jugendliche für eine Auslandsschule infrage kommen.
Für einige Schulen erschweren Einschränkungen bei der Förderung aus Deutschland dringend notwendige Bauvorhaben. Die Belastungen betreffen damit sowohl den laufenden Betrieb als auch die längerfristige Entwicklung der Schulen.

Schulen zu höheren Gebühren gezwungen
Die Schulen reagieren auf die angespannte Lage. Ein sichtbarer Schritt sind Anpassungen der Schulgebühren: 58,1 % haben die Gebühren zum laufenden Schulhalbjahr erhöht. Bei der letzten Umfrage im März waren es 58,0 %. Schon im Frühjahr hatte der WDA beschrieben, dass viele Schulen höhere Gebühren benötigen, um steigende Kosten aufzufangen, den Schulbetrieb zu sichern und sozial durchlässig für alle Gesellschaftsschichten zu bleiben.
Auch für das nächste Schulhalbjahr erwartet mit 51,3 % weiterhin mehr als die Hälfte steigende Gebühren. Im März lag dieser Anteil bei 58,0 %. Der Rückgang um 6,7 Prozentpunkte ist erfreulich. Er zeigt aber zugleich, wie viele Schulen nach wie vor mit weiteren Erhöhungen rechnen.
Für Familien bedeuten höhere Schulgebühren zusätzliche Ausgaben. Die Schulträger stehen damit vor einer schwierigen Aufgabe: Sie müssen ihren Betrieb finanzieren und zugleich im Blick behalten, was Familien leisten können.
Beim Umsatz zeichnet sich unterdessen keine breite Verbesserung ab. 25,6 % berichten von einem geringeren Umsatz als im Vorjahr, nahezu unverändert gegenüber 25,9 % im März. Einen höheren Umsatz melden 22,2 %, nach 23,5 % im Frühjahr. Bei 52,1 % ist er etwa gleich geblieben.
Personalgewinnung bleibt für viele Schulen eine Herausforderung
Auch die Suche nach pädagogischem Personal bleibt anspruchsvoll. 41,9 % erwarten, dass die Gewinnung neuer Fachkräfte schwieriger wird. Im März waren es 45,7%. Trotz des Rückgangs betrifft diese Sorge weiterhin mehr als vier von zehn teilnehmenden Schulen. Weitere 56,4 % rechnen mit einem etwa gleichbleibenden Aufwand.
Die meisten Schulen erwarten für das nächste Schulhalbjahr keine Veränderung ihrer Personalzahl: 75,2 % gehen davon aus, dass sie etwa gleich bleibt. 17,1 % rechnen mit mehr pädagogischem Personal. Einen Rückgang erwarten 7,7 %, nach 11,1 % im März.
Bei den Schülerzahlen fällt der Ausblick etwas ungünstiger aus als im Frühjahr. 18,8 % erwarten einen Rückgang, gegenüber 17,3 % im März. Zugleich ist der Anteil der Schulen, die mit steigenden Schülerzahlen rechnen, von 22,2 % auf 19,7 % gesunken. Die Mehrheit, 61,5 %, erwartet etwa gleichbleibende Zahlen.
Stabilere Erwartungen bedeuten noch keine Entwarnung
Bei der erwarteten Geschäftsentwicklung gibt es eine Verbesserung: 25,6 % rechnen mit einer ungünstigeren Entwicklung, im März waren es 34,6 %. Das sind 9,0 Prozentpunkte weniger. 70,9 % erwarten eine etwa gleichbleibende Geschäftsentwicklung.
Eine gleichbleibende Entwicklung bedeutet für Schulen in schwieriger Lage jedoch zunächst, dass ihre Belastungen fortbestehen können. Die Ergebnisse zeigen daher beides: Weniger Schulen erwarten eine weitere Verschlechterung. Gleichzeitig bleiben schlechte wirtschaftliche Bedingungen, Existenzsorgen und steigende Gebühren für viele Schulträger Realität.
Die Schulen versuchen, ihren Betrieb unter diesen Bedingungen zu sichern. Ihre Anpassungen machen den Ernst der Lage sichtbar. Die Herbstumfrage zeigt weiterhin erheblichen Handlungsbedarf – auch wenn manche Werte günstiger ausfallen als im Frühjahr.
Ziele WDA-Auslandsschulkompass
Der WDA-Auslandsschulkompass ist eine eingetragene Marke des WDA, der seine Mitgliedsschulen seit dem Frühjahr 2020 regelmäßig zur aktuellen Lage und zur erwarteten Entwicklung in den Folgemonaten befragt. Ins Leben gerufen wurde die Auswertung vor allem, um die Auswirkungen der Coronapandemie besser einschätzen zu können. Auch unabhängig davon liefert die Umfrage aussagekräftige Zahlen und valide Daten für die Auswärtige Kultur- und Bildungspolitik. Wie die Umfrageergebnisse verdeutlichen, ist die Lage heterogen: Nicht alle Auslandsschulen haben in ihren Teilen der Welt mit den gleichen Herausforderungen zu kämpfen. Die verlässlichen und vergleichbaren Zahlen, wie sie der WDA mit dem Instrument “Auslandsschulkompass” liefert, ermöglichen so einen guten Überblick.
Methodik WDA-Auslandsschulkompass
Für den „Auslandsschulkompass“ befragt der WDA regelmäßig seine Mitgliedsschulen nach ihrer Bewertung der aktuellen Lage. Sie beantworten im Rahmen dieser Evaluation eine Reihe standardisierter Fragen, die sowohl die aktuelle Situation als auch künftige Erwartungen betreffen. Abgefragt werden unter anderem Einschätzungen zur Zahl der Schülerinnen und Schüler und zur Geschäftsentwicklung. Die regelmäßigen Online-Umfragen erlauben Vergleiche im Zeitverlauf. An der aktuell mittlerweile 15. Umfrage beteiligten sich 117 Mitgliedsschulen. Die Mitgliedsorganisationen des Weltverbands Deutscher Auslandsschulen, darunter 87 % der anerkannten 135 Deutschen Auslandsschulen, wurden im März 2026 während eines definierten Zeitraums via Online-Umfrage befragt. Die Befragung richtete sich an die Führungskräfte der Schulen: Schulvorstände, Schulleitungen, Geschäftsführungen, Beauftragte des Vorstands wie auch Verwaltungsleitungen.
Alle Ergebnisse der Umfrage: Über das WDA-Auslandsschulkompass-Dashboard können Sie alle Ergebnisse einsehen.
Die drei vorherigen Umfragen:
- WDA-Umfrage Auslandsschulkompass (April 2026): Deutsche Auslandsschulen zwischen Anpassung und finanziellen Herausforderungen
- WDA-Umfrage (September 2025): über 40 % der befragten Auslandsschulen in schlechter wirtschaftlicher Lage
- WDA-Umfrage (April 2025): ein Drittel der Auslandsschulen in schlechter wirtschaftlicher Lage, Schulgebühren weiter steigend
Weitere Informationen
- Haushaltsentwurf 2027: Schulfonds steigt um 9,3 Mio. Euro
- Erste Beratung Bundeshaushalt 2027: Etat des Auswärtigen Ams sinkt, Schulfonds steigt
- Studie zum Public Value der Deutschen Auslandsschulen
- Deutsche Schulen, globale Bildung. Beitrag der Deutschen Auslandsschulen zum Triple Win
- Auslandsschulen und Fachkräftesicherung
- Deutsch als Fremdsprache weltweit
- Positionspapiere des WDA
