Erste Beratung Bundeshaushalt 2027: Etat des Auswärtigen Ams sinkt, Schulfonds steigt

Der Bundestag hat am Mittwoch, 9. September 2026, in erster Lesung den Etatentwurf 2027 des Auswärtigen Amtes beraten. Die Ausgaben für diesen Geschäftsbereich, den Einzelplan 05, sinken. Der darin enthaltene Schulfonds steigt jedoch. Zur Auswärtigen Kultur- und Bildungspolitik sprachen in der gestrigen Debatte verschiedene Abgeordnete. MdB Esther Dilcher, SPD, bezeichnete die auswärtige Kultur- und Bildungspolitik als tragende Säule der deutschen Außenpolitik. MdB Jamila Schäfer, Bündnis 90/Die Grünen, kritisierte Kürzungen auch bei der Auswärtigen Kultur- und Bildungspolitik: Sicherheit brauche verlässliche Partnerschaften und Diplomatie.

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Bei der 1. Lesung im Bundestag sprachen verschiedene Abgeordnete zur Auswärtigen Kultur-und Bildungspolitik, hier MdB Esther Dilcher. Foto/Screenshot: WDA.

​​Für das Auswärtige Amt sind rund 5,96 Milliarden Euro vorgesehen. Im Jahr 2026 sind es rund 6,03 Milliarden Euro. Dr. Johann David Wadephul, Bundesminister des Auswärtigen Amts, erklärte, dass der Haushaltsentwurf erneut schmerzhafte Einschnitte für das Auswärtige Amt vorsieht, etwa im Bereich humanitärer Hilfe.

Die Pflege kultureller Beziehungen zum Ausland soll 960,5 Millionen Euro erhalten. Das sind 17,7 Millionen Euro weniger als 2026. Der Schulfonds darin soll dagegen steigen. Der Entwurf sieht dafür 308,8 Millionen Euro vor. Im Bundeshaushalt 2026 sind es 299,4 Millionen Euro. Damit steigt der Schulfonds um rund 9,35 Millionen Euro oder 3,1 Prozent.

Was der Haushaltsentwurf für die Deutschen Auslandsschulen vorsieht

Der WDA hat den Kabinettsentwurf bereits im Juli 2026 ausgewertet. Die im Schulfonds enthaltenen „Leistungen an Deutsche Auslandsschulen“ gemäß Auslandsschulgesetz steigen um 6,21 Millionen Euro (2,9 %) auf 219,71 Millionen Euro (2026: 213,50 Millionen Euro). Die freiwillige Förderung über den Titel „Zuwendungen an Deutsche Auslandsschulen“ sinkt leicht um 143. 000 (– 1 %) auf 14,77 Millionen Euro (2026: 14,91 Millionen Euro).
Dass die freiwillige Förderung zurückgeht, ist relevant, da etwa ein Fünftel der Deutschen Auslandsschulen immer noch rein über die freiwillige Förderung gefördert wird.

Der Schulfonds fördert das deutsche Schulwesen im Ausland. Er unterstützt außerdem die internationale Zusammenarbeit im Schulbereich. Für Deutsche Auslandsschulen zählt aber nicht nur die Gesamtsumme. Entscheidend ist auch die Verteilung zwischen gesetzlicher und freiwilliger Förderung.

​Für die Deutschen Auslandsschulen bleiben zwei Fragen entscheidend: Bleibt der geplante Aufwuchs erhalten? Und wie verteilt sich das Geld auf die gesetzliche und die freiwillige Förderung? Der WDA begleitet das Verfahren. Dabei bringt er die Sicht der freien, gemeinnützigen Schulträger in die Gespräche mit den Abgeordneten ein, wie zum Beispiel die Notwendigkeit, dass sowohl die gesetzliche als auch die freiwillige finanzielle Förderung steigen müssen, um die Bedarfe der Auslandsschulen angemessen abzudecken. Dass dies erfolgreich ist, zeigt, dass mehrere Abgeordnete die Bedeutung von Diplomatie, verlässlichen Partnerschaften und gesellschaftlichem Austausch in der Debatte betonten. Deutsche Auslandsschulen bauen Brücken und prägen weltweite Bildungsbiografien.

Esther Dilcher spricht über das deutsche Auslandsschulwesen

Esther Dilcher (SPD) sprach direkt über das deutsche Auslandsschulwesen. Sie verwies auf den geplanten Anstieg von rund 299 auf rund 309 Millionen Euro im Schulfonds. Die Auswärtige Kultur- und Bildungspolitik bleibe mit rund 960 Millionen Euro eine tragende Säule der deutschen Außenpolitik. Dilcher betonte zudem die Rolle von Schulen und Universitäten. Außenpolitik fände nicht nur zwischen Regierungen statt. Auch Sprache, Wissenschaft, Kultur und persönliche Begegnungen schafften dauerhafte Verbindungen.

Dilcher ist ordentliches Mitglied des Haushaltsausschusses. Zudem ist sie stellvertretendes Mitglied des Auswärtigen Ausschusses. Für den WDA ist sie Ansprechpartnerin der SPD bei Fragen zur Förderung. Im September 2025 sprach sie mit WDA-Vorstand und Geschäftsführung über die Deutschen Auslandsschulen und deren Finanzierung.

Jamila Schäfer verbindet Haushalt, Diplomatie und Austausch

In der ersten Lesung erklärte Schäfer, Sicherheit brauche verlässliche Partnerschaften und Diplomatie: Konflikte müssten verhindert werden, bevor daraus Kriege entstünden. Sie kritisierte Kürzungen bei der humanitären Hilfe, der Krisenprävention und der Auswärtigen Kultur- und Bildungspolitik. Letztere sei kein Zusatz, sondern Teil einer vorausschauenden Sicherheitspolitik.

​Der WDA tauscht sich regelmäßig mit Schäfer über den Etat des Auswärtigen Amtes und den Schulfonds aus. Auf dem politischen Podium der WDA-Tagung 2026 sprach sie über die Zukunft und Finanzierung der Deutschen Auslandsschulen. Dabei hob sie auch deren Beitrag für Deutschland hervor.

​Jamila Schäfer (Bündnis 90/Die Grünen) ist Obfrau ihrer Fraktion im Haushaltsausschuss und ordentliches Mitglied. Sie gehört auch dem Auswärtigen Ausschuss als stellvertretendes Mitglied an.

​Was die Deutschen Auslandsschulen benötigen

In seinen Gesprächen mit Bundestagsabgeordneten und fördernden Stellen verweist der WDA immer wieder auf notwendige Maßnahmen, die auch in den Stellungnahmen des WDA und den darin übergeordnet formulierten Erwartungen enthalten sind:

  • Erhöhung und Verstetigung der freiwilligen und gesetzlichen Förderung, um die Kostensteigerungen auffangen zu können, die sich automatisch aus dem Auslandsschulgesetz ergeben
  • Ein Nothilfetopf für die Bewältigung der Folgen der globalen Krisen
  • Zusätzliche Mittel, um Spielraum für die nachhaltige Entwicklung der Deutschen Auslandsschulen zu schaffen

Auf der WDA-Tagung im Mai 2026 kündigten das Auswärtige Amt und die Zentralstelle für das Auslandsschulwesen (ZfA) an, die Umsetzung des Masterplans des Auswärtigen Amtes weiterzuverfolgen und eine Anpassung des § 12 Auslandsschulgesetz (ASchG) sowie der dazugehörigen Verwaltungsvorschrift auf den Weg bringen zu wollen. Der WDA setzt sich mit Nachdruck für den Erhalt der bestehenden gesetzlichen Förderstruktur ein und steht hierzu in einem kontinuierlichen Dialog mit dem Auswärtigen Amt, der ZfA und politischen Entscheidungsträgern im Bundestag. In den Videointerviews der WDA-Tagung sind einige Stimmen zu den Auslandsschulen zu hören, der Link ist unten stehend.

Jens Spahn folgt als Ansprechpartner auf Dr. Inge Gräßle

MdB Jens Spahn (CDU/CSU) ist ordentliches Mitglied des Haushaltsausschusses und neuer Berichterstatter für den Einzelplan 05. Für den WDA wird er damit Ansprechpartner der CDU/CSU für den Schulfonds. In dieser Aufgabe folgt er auf Dr. Inge Gräßle, die zuvor mit dem WDA in Austausch stand.
Spahn gehört dem Bundestag seit 2002 an.

  • Von 2015 bis 2018 war er Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesfinanzministeriu
  • Danach war er von 2018 bis 2021 Bundesminister für Gesundheit
  • 2021 bis 2025 stellvertretender Vorsitzender der CDU/CSU-Bundestagsfraktion
  • Von Mai 2025 bis Juli 2026 führte er die CDU/CSU-Bundestagsfraktion

Bundestag entscheidet am 27. November über den Haushalt

Mit der ersten Lesung hat die parlamentarische Beratung des Haushaltsentwurfs 2027 begonnen. Nun prüfen der Haushaltsausschuss und die zuständigen Fachausschüsse den Entwurf. Die abschließende Haushaltswoche ist vom 24. bis 27. November 2026 geplant.

Am 27. November stimmt der Bundestag in dritter Lesung über den Bundeshaushalt 2027 ab, erst danach stehen die Mittel für das Auswärtige Amt und den Schulfonds endgültig fest.

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