01.07.2020

Mitgliederbefragung: Lage der Deutschen Auslandsschulen verschlechtert sich weiter

Rund 80 Prozent der Deutschen Auslandsschulen erwarten sinkende Schülerzahlen. Die finanzielle Soforthilfe der Bundesrepublik Deutschland ist kein Allheilmittel. Die Hälfte der Schulen schätzt die Hürden für die Antragstellung als zu hoch ein. Das sind die Kernergebnisse der zweiten Mitgliederbefragung des Weltverbands Deutscher Auslandsschulen zur Corona Krise.

Berlin, 2. Juli 2020. Die Lage der Deutschen Auslandsschulen verschlechtert sich aufgrund der weltweiten Corona Pandemie weiter. Das ist das Kernergebnis der zweiten Mitgliederbefragung des Weltverbands Deutscher Auslandsschulen (WDA) zu den Auswirkungen der Krise. Die Befragung schreibt die Ergebnisse der ersten Corona-Umfrage des WDA vom April 2020 fort.

Fast alle Schulen erwarten sinkende Schülerzahlen

Die Umfrage zeigt, dass 64 Prozent der befragten Schulen ihre wirtschaftliche Lage als schlecht beurteilen. In der ersten Umfrage vom April 2020 waren es erst 50 Prozent. In dieses Bild passen weitere abgefragte Indikatoren. So geben mittlerweile 78 Prozent der befragten Schulen an, dass ihr Umsatz gegenüber dem Vorjahr gesunken ist (April 2020: 63 Prozent). Fast 80 Prozent dieser Schulen erwarten mittlerweile einen Rückgang der Schülerzahlen.

Die wirtschaftliche Lage der Deutschen Auslandsschulen verschlechtert sich weiter. Fast zwei Drittel der Umfrageteilnehmer schätzen ihre Lage mittlerweile als schlecht ein. Grafik: WDA

Sinkende Schulgebühren helfen Eltern, schaden Schulen

Im April waren es erst 72 Prozent. Eine steigende Zahl der befragten Schulen versucht dem durch die Senkung der Schulgebühren gegenzusteuern. Bereits 25 Prozent haben das Schulgeld gesenkt, im April waren es erst 20 Prozent. Damit tragen die Schulen der schlechteren wirtschaftlichen Situation vieler Eltern vor Ort Rechnung und versuchen der Abmeldung von Kindern entgegenzuwirken. Gleichwohl stellen sinkende Einnahmen aus Schulgeldern die Schulen vor große Herausforderungen, sind sie doch zur Aufrechterhaltung des Schulbetriebs und zum Vorhalten der Infrastruktur (Lehrkräfte, Gebäude) auf diese Einnahmen angewiesen. Die freien Schulträger erwirtschaften durchschnittlich rund 70 Prozent ihrer Haushalte in Eigenverantwortung.

Die finanziellen Soforthilfen der Bundesrepublik Deutschland sind kein Allheilmittel. Die Hälfte der befragten Schulen schätzt die Anforderungen bei der Antragstellung als zu hoch ein. Grafik: WDA

Soforthilfe in ihrer jetzigen Form kein Allheilmittel

Diese dramatische Lage der Schulen hatte sich bereits in der ersten WDA-Umfrage vom April 2020 gezeigt. Der Weltverband Deutscher Auslandsschulen hatte sich umgehend für die Gewährung finanzieller Soforthilfen durch die Bundesrepublik Deutschland für die unverschuldet in Not geratenen Schulen stark gemacht. Für diese Soforthilfe wurden im Mai 2020 rund 70 Mio. € zur Verfügung gestellt. Auf die Frage, ob sie diese Soforthilfe bereits beantragt haben, antworteten erst 25 Prozent der Umfrageteilnehmer mit „ja“. „Wir erarbeiten aktuell den Antrag“ sagen dreißig Prozent. Ein Viertel der befragten Schulen hat sich explizit gegen einen Antrag entschieden. Als Grund für diese Ablehnung nennt eine Mehrzahl der Schulen (52 Prozent) zu hohe Anforderungen bei der Antragstellung. Über 90 Prozent der antwortenden Schulen sagen, dass sich die Wirkung der Soforthilfe erhöhen ließe, wenn sie nicht an das Kriterium „Existenzbedrohung“ gekoppelt wäre. Stattdessen sollte sie sich an dem jetzt tatsächlich anfallenden Fehlbetrag zwischen Schulgeldeinnahmen und bestehenden Fixkosten orientieren.

Die Soforthilfe sollte durch Unterstützung der Digitalisierung an den Schulen flankiert werden. Das sagen 80 Prozent der befragten Schulen. Grafik: WDA

Schulen sind loyal zu ihren Lehrkräften

Welchen Spagat die Schulen hier aktuell unternehmen, zeigt sich bei der Frage, wie sich die Zahl der Lehrer durch die Krise verändern wird. Im April sagten 29 Prozent der Schulen, dass sich die Lehrerzahl bei ihnen verringern wird, im Juni waren es mit 35 Prozent nur unwesentlich mehr. Obwohl sich die Geschäftserwartungen nochmals deutlich verschlechtert haben, planen die meisten Schulen weiter mit ihren Lehrkräften. Die Schulen sind loyal zu ihren Lehrerinnen und Lehrern, versuchen sie für die Zeit nach der Krise zu halten.

Was brauchen die Schulen jetzt?

Auf die Frage, welche Maßnahmen die finanzielle Soforthilfe ergänzen sollten, antworteten über 80 Prozent, dass sie sich weitere Hilfe bei der Digitalisierung ihrer Schule wünschen. Am zweithäufigsten wurde eine flexiblere personelle Förderung durch die Bundesrepublik Deutschland genannt. Hier wünschen sich 74 Prozent zum Beispiel einen flexibleren Umgang mit auslaufenden Verträgen von Lehrern und Schulleitern. Die Hälfte der Schulen wünscht sich Zugang zu günstigen Krediten in Deutschland, z.B. KfW-Krediten.

Die Umfrage schreibt die erste Mitgliederumfrage des WDA zur Corona Krise fort. Im April 2020 wurden so erstmals konkrete Zahlen erhoben, wie die Schulen ihre Lage in den nächsten Monaten einschätzen. Die Situation der Schulen wird durch den Weltverband Deutscher Auslandsschulen weiter eng beobachtet.

Methodensteckbrief

In einer Onlineumfrage wurden die 138 Mitgliedsorganisationen des Weltverbands Deutscher Auslandsschulen, darunter 115 anerkannte Deutsche Auslandsschulen, zur aktuellen Einschätzung ihrer Lage aufgrund der Corona Pandemie befragt. Die Befragung fand vom 8. bis 15. Juni 2020 statt. Es beteiligten sich 77 Schulen, die Rücklaufquote lag somit bei 55,8 Prozent. Befragt wurden die Führungskräfte der Schulen: Schulvorstände, Schulleiter, Geschäftsführer, Beauftragte des Vorstands und Verwaltungsleiter.

Pressekontakt

Weltverband Deutscher Auslandsschulen
Herr Glen Wernecke (Marketing & Kommunikation)
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