06.11.2017

Stolperstein an Pestalozzi-Schule Buenos Aires verlegt

In Europa erinnern die Gedenksteine der Stolperstein-Initiative an die Opfer des Nationalsozialismus. Der erste Stolperstein außerhalb Europas findet sich an der 1934 gegründeten Pestalozzi-Schule in Buenos Aires: Die Deutsche Auslandsschule war ein Ort der Ankunft und eine Zufluchtsstätte für Verfolgte des Nationalsozialismus.

An der feierlichen Verlegung des Stolpersteins nahm auch eine der ersten Schülerinnen der Pestalozzi-Schule teil. Sie vertrat die im Nationalsozialismus aus Deutschland vertriebenen Familien. (Foto: Pestalozzi-Schule)

Am 30. Oktober verlegte der Künstler Gunter Demnig den ersten Stolperstein - genauer: eine Stolperschwelle - außerhalb Europas am Eingang der Pestalozzi-Schule in Buenos Aires. Zugleich eröffnete an der Deutschen Auslandsschule die begleitende Ausstellung “Ein Name. Ein Schicksal. Ein Mensch.” Die Deutsche Botschaft in Buenos Aires und das Untersekretariat für Menschenrechte und kulturellen Pluralismus der Stadt Buenos Aires unterstützten das Projekt.

Symbolische Verbeugung

Das Stolperstein-Projekt fördert die Verlegung kleiner Gedenktafeln, die im Gehweg eingelassen werden - die sogenannten Stolpersteine. Die Intention Demnigs ist es, dass die Passanten innehalten, sich symbolisch verbeugen, um die Texte auf den Stolpersteinen zu lesen und darüber nachdenken. Das Projekt wurde zum größten dezentralisierten europäischen Mahnmal zur Erinnerung an die Opfer des Nationalsozialismus. Inzwischen liegen Stolpersteine in 1099 Orten Deutschlands, in 20 Ländern Europas - und nun auch in Argentinien.

Feierliche Verlegung des Stolpersteins: die ehemalige Schülerin Margot Aberle Strauss (l.) mit der Schulvorsitzenden María Fernanda Oliden (Foto: Pestalozzi-Schule)

"Schule gab mir ein Gefühl der Geborgenheit"

Die vor der Pestalozzi-Schule verlegte Stolperschwelle soll nun die Schule als Zufluchtsort für die Vertriebenen ehren. Die Ehrung gilt aber ebenfalls den Schulgründern, den ersten Lehrern – zu denen etwa der Karikaturist Clément Moreau, der Musiker Kurt Pahlen und der Politiker, Deutsch- und Geschichtslehrer August Siemsen gehörten - und den vertriebenen Familien. In Vertretung dieser Familien durfte Frau Margot Aberle Strauss, eine der ersten Schülerinnen der Schule, die Stolperschwelle verlegen.

Von Frau Aberle Strauss stammt auch das Zitat auf der Gedenktafel: "Die Schule hat mir ein Gefühl der Geborgenheit gegeben und das Trauma der Emigration erleichtert“. Die damals Zehnjährige musste 1938 mit ihrer jüdischen Familie nach Argentinien fliehen und wurde in der 5. Klasse der Pestalozzi-Schule eingeschult.

Schulgemeinde, Schüler und Gäste verlegen Stein gemeinsam

Vertreter der Schulgemeinde, Schüler und Gäste, darunter der Botschafter der Bundesrepublik Deutschland Jürgen Christian Mertens, verlegten den Gedenkstein gemeinsam. (Foto: Pestalozzi-Schule/Anna Warda)

Die Stolperschwelle ist mit Granitsteinen umrandet. Vertreter der Schulgemeinde, Schüler und Gäste, darunter der Botschafter der Bundesrepublik Deutschland Jürgen Christian Mertens, verlegten den Gedenkstein gemeinsam.

Ausstellung eröffnet: "Ein Name. Ein Schicksal. Ein Mensch."

Die aktive Teilnahme der Schüler spiegelt sich besonders in der Ausstellung "Ein Name. Ein Schicksal. Ein Mensch." wider: Drei Schülerinnen interviewten Margot Aberle Strauss und erstellten danach selbst zwei Tafeln für die Ausstellung. Darüber hinaus organisierten verschiedene Schülergruppen der 10. und 11. Klassen Führungen für Mitschüler und Besucher.

"Die Erinnerung ist wichtig – für uns und auch für die nächsten Generationen."

Carla Onnis, Schülerin der 11. Klasse, sagte dazu: "Es ist wichtig, den Opfern des Nationalsozialismus zu gedenken und weiterhin das Verantwortungsbewusstsein aufrecht zu erhalten." Ihre Klassenkameradin Carolina Barbarosch fügte hinzu: "Man sollte die Geschichte immer präsent haben. Die Erinnerung ist wichtig – für uns und auch für die nächsten Generationen."

Hintergrund

Die Pestalozzi-Schule in Buenos Aires ist Teil des weltweiten Mitgliedernetzwerkes des Weltverbands Deutscher Auslandschulen (WDA). Der im Jahr 2003 gegründete Verband vertritt die freien, gemeinnützigen Schulträger der Deutschen Auslandsschulen und fasst ihre Einzelstimmen zu einer starken Stimme zusammen. Der WDA unterstützt seine Mitglieder bei ihren Aufgaben und fördert ihre Projekte mit gezielten Dienstleistungen. Er ist Ansprechpartner der Auswärtigen Kultur- und Bildungspolitik und gestaltet diese zugleich aktiv mit. Der Weltverband hat 140 Mitglieder, davon 118 anerkannte Deutsche Auslandsschulen; rund 89 Prozent der Schüler Deutscher Auslandsschulen insgesamt besuchen WDA-Mitgliedsschulen.

 
 
 
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