Themendossier Auslandsschulwesen erklärt

Im Unterschied zum staatlichen Inlandsschulwesen ist das Auslandsschulwesen als Public-Private-Partnership organisiert. Das bringt einige Besonderheiten mit sich.

Public-Private-Partnership bezeichnet die langfristige Zusammenarbeit zwischen privatwirtschaftlichen Einrichtungen und der öffentlichen Hand, um gemeinsame Ziele zu erreichen. Das Auslandsschulwesen gilt laut Auswärtigem Amt als ältestes Beispiel einer zukunftsweisenden öffentlich-privaten Partnerschaft. Private Trägervereine führen die Auslandsschulen eigenverantwortlich, Bund und Länder fördern sie. Über Schulgelder und Spenden erbringen die freien Schulträger erhebliche Eigenleistungen, im Durchschnitt rund 70 Prozent der Schulhaushalte.

Schultypen

Es lassen sich vier Schultypen Deutscher Auslandsschulen unterscheiden.

Rund 47 % der Deutschen Auslandsschulen sind Begegnungsschulen, 36 % Deutschsprachige Schulen und 16 % Schulen mit verstärktem Deutschunterricht. Die berufsbildenden Schulen machen nur einen sehr geringen Anteil von 1% aus. Damit zeigt sich, dass der Großteil der Deutschen Auslandsschulen einen Begegnungscharakter hat.

Quelle: Studie „Weltweite Wertschöpfung“ des WDA und WifOR-Instituts (2018), S. 12

Die Schülerschaft setzt sich hauptsächlich aus Kindern deutschsprachiger Länder zusammen, die nach deutschen Lehrplänen unterrichtet werden. Die Unterrichtssprache ist überwiegend Deutsch. Es werden sowohl deutsche Abschlüsse der Sekundarstufe Ⅰ und Ⅱ als auch das International Baccalaureate (gemischtsprachig oder nichtgemischtsprachig) angeboten. Vereinzelt kommt es zu Angeboten des deutschen Sprachdiploms Ⅰ oder Ⅱ.

Die Schüler stammen zu gemischten Teilen aus einem deutschsprachigem Land und dem Gastgeberland. Es werden sowohl deutsche als auch landeseigene Abschlüsse angeboten. Zusätzlich dazu können Sprachdiploma erworben werden.

Die Schüler stammen hauptsächlich aus dem Gastgeberland. Deutsch wird dabei als Fremdsprache unterrichtet. Vereinzelt gibt es auch deutschsprachigen Fachunterricht. Die angebotenen Abschlüsse reichen von landeseigenen Abschlüssen über Internationale Baccalaureate bis hin zu den deutschen Sprachdiplomen Ⅰ oder Ⅱ. 

An 2 Deutschen Auslandsschulen wird ausschließlich eine Berufsbildung angeboten. Neben diesen Schulen gibt es weitere 11 Schulen, die zusätzlich zu ihrem Angebot als Deutschsprachige Schule (2 Schulen), Begegnungsschule (8 Schulen) und Schule mit verstärktem Deutschunterricht (eine Schule) eine oder mehrere Formen von Berufsausbildung anbieten.

Quelle: Zentralstelle für das Auslandsschulwesen 2013

Geschichte

Bereits 1575 wurde die erste, bis heute existierende, Deutsche Auslandsschule gegründet: die St. Petri-Schule in Kopenhagen. 1878 wurde durch den sogenannten Reichsschulfonds erstmals eine finanzielle staatliche Unterstützung der Deutschen Auslandsschulen eingeführt. Dies war der Ursprung der öffentlich-privaten Partnerschaft im Deutschen Auslandsschulwesen; diese Partnerschaft gilt heute als eines der ersten und erfolgreichsten Beispiele für Kooperationen dieser Art. Im Nationalsozialismus wurden die Deutschen Auslandsschulen vielfach instrumentalisiert, um die Ideologie des Dritten Reiches zu verbreiten. Nach dem Zweiten Weltkrieg kam das deutsche Auslandsschulwesen weitgehend zum Erliegen.

Orte der interkulturellen Begegnung

In den 1970er Jahren legte Bundeskanzler Willy Brandt erneut einen Schwerpunkt auf die Auswärtige Kultur- und Bildungspolitik (AKBP). Damit wurde die Rolle der Deutschen Auslandsschulen als Orte der interkulturellen Begegnung und Bildung wieder gestärkt und ein Wachstum des Deutschen Auslandsschulwesens gefördert.

Deutsche Auslandsschulen auf fünf Kontinenten, in 70 Ländern und an rund 140 Standorten

Bis ins 20. Jahrhundert hinein entstanden neue Schulen vor allem in Europa und Lateinamerika; dort sind bis heute die meisten Schulen zu finden. Afrika und Asien verzeichneten in jüngster Zeit die meisten Neugründungen.

Geografische Verteilung der Schulen

Der größte Teil der derzeit gut 84.000 Schüler Deutscher Auslandsschulen lebt auf dem amerikanischen Kontinent. Insgesamt etwa die Hälfte aller Auslandsschüler geht dort zur Schule. Auf dem amerikanischen Kontinent, insbesondere in Lateinamerika, sind auch die größten Auslandsschulen zu finden. Die meisten dieser Schulen sind als Begegnungsschulen konzipiert, an denen deutsche Schüler und Schüler des Sitzlandes gemeinsam lernen. Nach Amerika ist Europa an der Schülerzahl gemessen der zweitgrößte Auslandsschulkontinent, gefolgt von Asien/Ozeanien und Afrika.

Quelle: Deutsche Schulen, globale Bildung: Beitrag der Deutschen Auslandsschulen zum Triple Win (2017), S. 23

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