06.11.2020

Zuversicht und Sorge

Beide Themen beherrschten die virtuellen Regionalkonferenzen des WDA 2020. Vom 2. bis 5. November 2020 fanden die Konferenzen für Asien, EMEA (Europa, mittlerer Osten, Afrika) und Amerika statt.

Klick zum VergrößernTeilnehmende der drei WDA-Regionalkonferenzen im November 2020

Die traditionell im Herbst stattfindenden Regionaltagungen des Weltverbands Deutscher Auslandsschulen (WDA) fanden in diesem Jahr wegen der weltweiten Corona-Lage als Webkonferenzen statt. Eingeladen waren die freien Schulträger der Deutschen Auslandsschulen, also Vorstände, Geschäftsführer, Verwaltungsleiter und Beauftragte des Vorstands sowie Schulleiter. Die virtuellen Konferenzen wurden sehr gut angenommen. Über 70 % der WDA-Mitgliedsschulen beteiligten sich. Wichtigstes Ziel der Regionalkonferenzen war der Austausch der Schulen untereinander zu ihren Lösungsansätzen in der Corona Pandemie.

Einmal mehr zeigte sich, dass individuelle und kreative Lösungen gefragt sind. Sie müssen an die sehr unterschiedlichen Situationen in den einzelnen Ländern angepasst sein. Die Deutschen Auslandsschulen haben viele solche Lösungen entwickelt und in den Regionalkonferenzen geteilt. „Alle Deutsche Auslandsschulen arbeiten derzeit umsichtig und kreativ daran, den Schulbetrieb so gut wie möglich aufrechtzuerhalten“, so der WDA-Vorsitzende Dr. Peter Fornell. Digitaler Unterricht spielt an fast allen Schulen weiter eine entscheidende Rolle. Entweder wird noch rein digital unterrichtet oder in einer Mischung aus Online- und Präsenzunterricht (Hybridunterricht).

Zweite Corona-Notfallhilfe im nächsten Jahr notwendig

Wichtigstes Ergebnis über alle drei Regionalkonferenzen: Die Schulen brauchen eine zweite Runde der Corona Notfallhilfe im kommenden Jahr 2021. Auch sollten die Bedingungen zum Erhalt dieser Notfallhilfe durch die Bundesrepublik Deutschland noch einmal überprüft werden. Insbesondere der Zwang zum Aufbrauchen der eigenen Rücklagen wird durch die Schulen sehr kritisch gesehen. Dieser Zwang wirft die Schulen um Jahre zurück, da sie entweder für Pensionsverpflichtungen oder Modernisierungsprojekte reserviert waren. Die Schulen stellten dar, dass die verpflichtenden Testate von Wirtschaftsprüfern vor dem Antragsbescheid Kosten verursachen die auch zu tragen sind, wenn der Antrag abgelehnt wird. Hier wurde vorgeschlagen, die Testate nach der Bewilligung eines Antrags nachreichen zu können. Auch Schulen, die das Deutsche Sprachdiplom anbieten (DSD-Schulen) sollten im neuen Jahr mit in die finanzielle Notfallhilfe einbezogen werden. Der Weltverband Deutscher Auslandsschulen wird sich im politisch-parlamentarischen Raum für diese Forderungen einsetzen. Die Sorgen und Nöte der Schulträger werden auch beim nächsten Treffen mit dem WDA-Schirmherrn Thomas Erndl, MdB, thematisiert. Das Treffen ist für den November geplant.

Schulen haben gelernt, mit der Pandemie umzugehen

Global gesehen haben die Schulen mittlerweile viele ähnliche Erfahrungen im Umgang mit der Corona Pandemie gemacht. Sie haben gelernt, mit ihr umzugehen. Resilienz, Innovation, Kommunikation und Geduld wurden in allen drei Regionen als Erfolgsfaktoren zur Bewältigung der Krise identifiziert. Beim wichtigen Thema digitaler Unterricht haben die Schulen die letzten Monate zur weiteren Optimierung ihrer Prozesse genutzt. In diesem Bereich wurden auch die meisten Investitionen getätigt. So beschafften die Schulen unter anderem Software, Kameras und Mikrofone oder digitale Endgeräte für ihre Schülerinnen und Schüler.

Viele Schulen haben geringere Schülerzahlen zu verzeichnen. Ein Abgang von rund 10 Prozent von Schülerinnen und Schülern wurde häufiger berichtet, mit entsprechenden Folgen für die Schulfinanzen. Kinder werden eher im Kindergarten abgemeldet als in der Oberstufe. Das hat Folgen für die langfristige Zukunft der Schulen, denn diese Kinder fehlen dann auch in den höheren Klassenstufen in den nächsten Jahren. Selbst wenn Corona sofort aufhört, würden die Schulen die Begleitschäden noch jahrelang spüren.

Regionale Unterschiede

Die Konferenz zeigte, dass die Situation der Deutschen Auslandsschulen in den drei Regionen auch unterschiedlich ist. So ist in Nordamerika der Präsenzbetrieb meist wieder möglich. In Südamerika sind dagegen noch viele Schulen geschlossen oder starten erst allmählich in den Hybridunterricht. Vor allem in den ärmeren Ländern Mittel- und Südamerikas spüren die Schulen die schwindende Finanzkraft vieler Eltern.

In der Region Europa, mittlerer Osten und Afrika zeigte sich, dass die Schulen die Zeit seit den ersten Lockdowns im Frühling genutzt haben. In den zweiten Lockdowns im Herbst konnten sie jetzt viel leichter und schneller auf Online- bzw. Hybridunterricht umstellen. Die Schulen dieser Region beschäftigt jetzt vor allem die immer schwierigere Rekrutierung neuer Lehrkräfte aus Deutschland. Als neues Thema wurden erstmals auch die psychologischen Folgen von Lockdown und Schulschließungen diskutiert. Die freien Schulträger beobachten den zunehmenden Stress für Schüler, Lehrkräfte, Eltern und das Schulmanagement mit wachsender Sorge.

Die Schulen der Region Asien wiesen darauf hin, dass die letzten Monate ohne den Zusammenhalt der jeweiligen Schulgemeinschaften kaum zu bewältigen gewesen seien. Auf finanzielle Belastungen reagierten die Schulen vor allem durch eigene Sparmaßnahmen: Nutzung von Rücklagen, Investitionsstopp (außer für Digitalisierung), Aussetzen vereinbarter Gehaltserhöhungen, zum Teil Erhöhung der Schulgebühren.

ZfA wirbt für die Schul-Cloud

Eröffnet wurden die Konferenzen mit einem Videogrußwort der Leiterin der Zentralstelle für das Auslandsschulwesen (ZfA), Heike Toledo. Sie bedankte sich ausdrücklich für die ehrenamtliche Arbeit der Schulvorstände in diesen schwierigen Zeiten. Sie würdigte das Engagement des WDA beim jüngst erzielten Durchbruch beim Versorgungszuschlag. Informationen zum Antragsverfahren will die ZfA in Kürze bereitstellen. Die Behörde sieht derzeit keinen Einbruch bei der Vermittlung neuer Lehrerinnen und Lehrer. Allerdings machten sich die fehlenden Messen als Instrument der Personalakquise bemerkbar. In diesem Bereich wird derzeit alles auf digitale Formate umgestellt.

Toledo warb für die Nutzung der Schul-Cloud des Hasso-Plattner-Instituts (HPI). Der WDA hatte 2018 den Kontakt zum Hasso-Plattner-Institut aufgebaut und bereits im Dezember 2019 eine ähnliche Kooperation mit dem HPI vereinbart. Unterdessen erreichte die ZfA eine Finanzierung des Projekts durch das Auswärtige Amt, so dass die Schulen das Angebot kostenlos nutzen können. Daher einigten sich ZfA und WDA, dass die weitergehende Kooperationsvereinbarung von ZfA und HPI die des WDA ersetzt. Der WDA ist weiter in der gemeinsamen Steuergruppe des Projekts beteiligt und vertritt dort die Interessen seiner Mitglieder.

KMK erleichtert Beurlaubung von Lehrkräften

Stellvertretend für die amtierende Präsidentin der Kultusministerkonferenz, Dr. Stefanie Hubig, überbrachte Dorothée Bauni die Grüße der Ministerin. Sie ist Ländervertreterin im Bund-Länder-Ausschuss für schulische Arbeit im Ausland (BLASchA). Im Namen von Fr. Dr. Hubig dankte sie ebenfalls den Deutschen Auslandsschulen für ihr großes Engagement im Zeichen der Corona Pandemie. Sie stellte zwei wichtige Beschlüsse der letzten KMK-Sitzung vor.

Zum einen wurde die Übernahme des Versorgungszuschlags für verbeamtete, beurlaubte Ortslehrkräfte final beschlossen (der WDA berichtete). Die Ortslehrkräfte aus Deutschland sind damit bei der Berechnung der Pension den Auslandsdienstlehrkräften gleichgestellt. Derzeit laufe die Unterzeichnung der dazu nötigen Verwaltungsvereinbarung. Bauni rechnet hier mit dem Abschluss bis Ende November. Die Anträge müssen durch die jeweilige Lehrkraft an die beurlaubende Stelle im Inland gestellt werden. Die KMK wird dazu über die Schulleiter noch weiter informieren.

Als zweiter Beschluss wurden die Richtlinien zur Beurlaubung von Lehrkräften an Deutsche Auslandsschulen überarbeitet. Als neue Altersgrenze gilt jetzt, dass der Antritt des Auslandsdienstes vor Vollendung des 63. Lebensjahres zu erfolgen hat (bisher 61). Und es kann künftig für zwei neue Funktionsstellen beurlaubt werden: PQM-Beauftragte/r und Koordinator/in für digitale Unterrichtsentwicklung.

Fazit: auch viel Zuversicht in den Regionen

Bei aller Sorge, die die Schulträger für ihre Schulen haben, zeigte sich doch auch viel Zuversicht in den Regionalkonferenzen. In Asien war die Freude an den Schulen, die wieder in den Präsenzunterricht einsteigen konnten, deutlich zu spüren (z.B. China, Vietnam). Überall wurde das hervorragende Engagement der Lehrkräfte betont. Schulen in allen Regionen äußerten sich mit Stolz darüber, was sie beim digitalen Lehren erreicht haben. Aus Argentinien wurde berichtet, dass die Schulen vor Ort durch die Pandemie noch viel stärker zusammengewachsen seien. Viele Schulen nehmen die durch die Pandemie beschleunigten Veränderungen auch als etwas positives wahr.

Das Fazit des WDA-Vorsitzenden Dr. Peter Fornell für die drei Regionaltagungen fiel daher ebenfalls positiv aus. „Solche virtuellen Regionalkonferenzen bringen uns stärker zueinander. Wir müssen und können dabei voneinander lernen.“ Als nächste WDA-Veranstaltungen sind das Symposium und die Mitgliederversammlung geplant. Die aktuellen Planungen sehen Präsenzveranstaltungen im Mai 2021 in Berlin vor. Ob hier eine Anpassung nötig ist, wird der WDA-Vorstand zu gegebener Zeit entscheiden.