20.12.2021

Neuer Fokus auf mittelfristige Folgen der Pandemie

Die regionalen Webkonferenzen des WDA von Anfang Dezember zeigten, dass die Deutschen Auslandsschulen weiter Unterstützung aus Deutschland brauchen.

Klick zum VergrößernDie regionale WDA-Webkonferenz EMEA (Europa, mittlerer Osten, Afrika) vom 7. Dezember 2021

Zwischen dem 7. und 9. Dezember 2021 führte der Weltverband Deutscher Auslandsschulen (WDA) mit seinen Mitgliedern drei regionale Webkonferenzen durch. Eingeladen waren freie Schulträger sowie Schulleiter aus Amerika, Asien und der Region EMEA (Europa, mittlerer Osten, Afrika). Ein wichtiges Thema waren die Folgen der Bundestagswahl. Vorstand und Geschäftsführung informierten über den Stand der Neubesetzungen im Auswärtigen Amt und in den relevanten Ausschüssen des Deutschen Bundestags. „Dort findet gerade ein Generationenwechsel statt,“ so die Einschätzung des WDA-Vorsitzenden Dr. Peter Fornell. Er will sich dafür einsetzen, die Interessen der Deutschen Auslandsschulen auch bei den neuen politischen Entscheidungsträgern in Berlin weiter stark zu vertreten. „Wir werden die vielen neuen Gesichter in der Politik begrüßen. Wir müssen sie von der Wichtigkeit und der Bedeutung der Deutschen Auslandsschulen im Rahmen der Auswärtigen Kultur- und Bildungspolitik überzeugen,“ so Dr. Fornell weiter. Ein vorrangiges Ziel für nächstes Jahr sei es, die Deutschen Auslandsschulen in den Haushaltsverhandlungen weiter mit ausreichenden Mitteln zu unterstützen. Konkret sagt er: „Ziel muss es sein, die finanzielle Förderung aus Deutschland mindestens auf dem Niveau zu halten, auf dem sie derzeit ist.“ 

Keine Schule zurückgelassen

Dr. Fornell bedankte sich außerdem bei den anwesenden Schulvorständen und Schulleitungen dafür, dass sie die Deutschen Auslandsschulen während der Corona-Pandemie offengehalten haben. Der WDA unterstütze hierbei tatkräftig. Dennoch sei das Engagement vor Ort ganz entscheidend. „Diesem Engagement gilt mein herzlicher Dank. Wir können mit Stolz darauf zurückblicken, dass trotz aller Schwierigkeiten, die wir haben, keine Schule zurückgelassen wurde,“ so Dr. Fornell weiter.

Schulen stellen sich auf mittelfristige Folgen ein

In allen drei Regionen tritt die Bewältigung der unmittelbaren Corona-Pandemie an den Schulen in den Hintergrund. Die Schulvertreter berichteten, dass ihre Schulen für Online-Unterricht gut aufgestellt sind. Je nach Pandemie-Lage vor Ort können sie zwischen Online- und Präsenzunterricht wechseln. Diese Wechsel sind in manchen Regionen auch immer wieder notwendig.

Die Rückmeldungen der Schulen zeigen, dass sie sich jetzt mit den mittel- und langfristigen Folgen der Pandemie auseinandersetzen müssen. Diese Äußerungen stehen auch im Einklang mit dem letzten Auslandsschulkompass vom Herbst 2021. Wie schon in dieser Umfrage nannten die Schulen als aktuell drängendste Herausforderungen:
• die finanziellen Auswirkungen der Corona-Pandemie stemmen
• neue Schülerinnen und Schüler gewinnen
• die Lehrerversorgung aus Deutschland sichern.

Bei der Schülerzahl stehen so genannte Experten- oder Expat-Schulen oft vor größeren Herausforderungen als Begegnungsschulen. Expertenschulen werden überwiegend von Kindern deutscher Arbeitnehmer im Ausland besucht. Bei Begegnungsschulen gibt es einen höheren Anteil einheimischer Kinder (zum Teil bis 90 Prozent). Die Schulen berichten, dass deutsche Unternehmen aufgrund der Pandemie oft zurückhaltender sind mit der Entsendung von Mitarbeitenden. Daher gebe es an vielen Standorten jetzt weniger deutsche Kinder an den Schulen als vor der Pandemie.

Schwierige Einreise für neue Lehrkräfte

Das beherrschende Thema in den Regionen Asien und Amerika ist die Personalversorgung mit Lehrkräften aus Deutschland. In der Region EMEA wird dieses Thema gelassener gesehen. Die Schulen aus Asien und Amerika berichten, dass das Interesse der Lehrkräfte aus Deutschland weiter vorhanden sei. Die Schwierigkeit bestünde darin, die Formalien und Logistik für die tatsächliche Einreise in die Sitzländer zu stemmen. Denn viele Länder weltweit sehen sich aufgrund der Corona-Pandemie gezwungen, den internationalen Reiseverkehr weiter stark zu reduziere. Die Schulen berichten von weniger verfügbaren Flügen, verpflichtender Quarantäne oder schwieriger Visavergabe. Alle Schulen hoffen auf die Bildungsleitmesse didacta im März 2022 in Köln. Die Messe wird generell als sehr wichtiges Instrument des Personalmarketings gesehen.

Zukunft der Schulen auch jenseits der Notfallhilfe sichern

Viele Schulen haben die Corona-Notfallhilfe des Bundes nicht beantragt, weil sie die Bedrohung der eigenen Existenz nicht darstellen konnten. Aber: „Nur weil man nicht existenzbedroht ist, heißt das noch lange nicht, dass es der Schule gut geht,“ so ein Vertreter der Deutschen Schule Melbourne. Viele Schulen berichten, dass sie finanzielle Reserven aufgebraucht haben. Geplante und zum Teil dringend notwendige Investitionen wurden abgesagt oder verschoben.

Zum Abschluss äußerten die Teilnehmenden in allen drei Regionen den Wunsch, künftig ein bis zwei Mal jährlich solche kürzere Webkonferenzen (anderthalb Stunden Dauer) anzubieten, selbst wenn Präsenzveranstaltungen wieder möglich sind. Die kurzfristige und einfache Teilnahme an solchen digitalen Konferenzen wird als großer Vorteil gesehen. Die Erfahrung dieser drei Webkonferenzen zeigt: der digitale Raum für Austausch und Diskussionen wurde rege genutzt.