10.01.2022

Schulleitertagung: Kernpunkt Flexibilität

Auf der zweiten virtuellen Schulleitertagung der Zentralstelle für das Auslandsschulwesen gaben die fördernden Stellen einen Ausblick auf 2022.

Klick zum VergrößernSchulleitertagung 2022 der Zentralstelle für das Auslandsschulwesen

Nur noch 58 Prozent der Schulleiterinnen und Schulleiter der Deutschen Auslandsschulen blicken mit Optimismus ins neue Jahr. Das ist das Ergebnis einer Blitzumfrage zum Beginn der diesjährigen Schulleitertagung der Zentralstelle für das Auslandsschulwesen (ZfA). Vor einem Jahr lag dieser Wert noch bei 65 Prozent. Eine nachhaltige Entspannung der Lage der Deutschen Auslandsschulen lässt somit weiter auf sich warten. Dies deckt sich mit Ergebnissen des letzten Auslandsschulkompasses des Weltverbands Deutscher Auslandsschulen vom Oktober 2021.

Aufgrund der weiter anhaltenden Corona Pandemie fand die Tagung am 5. Januar 2022 erneut als Webkonferenz statt. Vorstand und Geschäftsführung des Weltverbands Deutscher Auslandsschulen (WDA) waren als Gäste eingeladen.

Toledo: Zauberwort „Flexibilität“

Es sei klar, dass die Auswirkungen der Corona-Pandemie die Unterschiede zwischen den Deutschen Auslandsschulen noch verstärkt hat. Das sagte Heike Toledo, Leiterin der Zentralstelle für das Auslandsschulwesen, zu Beginn der Tagung. „Wir haben Schulen, die noch sehr stark mit den Folgen eines fast zweijährigen Lockdowns zu kämpfen haben. Und es gibt Schulen, die schon zu einer relativen Normalität gekommen sind,“ so Toledo. Das Zauberwort zur Bewältigung der Krise laute „Flexibilität“. Alle Akteure des Auslandsschulwesens seien weiter gefordert, flexibel zu reagieren. Instrumente müssten so angepasst werden, dass alle gemeinsam gut durch die Krise kommen. Diese Aussagen decken sich mit Aussagen von Schulleitern auf dem Symposium des Weltverbands Deutscher Auslandsschulen am 6. Oktober 2021 in Berlin. Dort hatten sich Schulleiterinnen und Schulleiter beispielsweise mehr Anerkennung für die Rolle der Ortslehrkräfte sowie flexible Impfangebote vor Ort gewünscht.

Toledo betonte weiter: „Bei all unseren Aktivitäten muss das Schülerwohl an erster Stelle stehen“. Der Grund seien lange Lockdowns in manchen Ländern. Toledo mahnte: „Schülerinnen und Schüler, die Jugend insgesamt, gehört wohl zu den größten Verlierern der Pandemie.“ Gleichzeitig lobte sie die anwesenden Schulleiterinnen und Schulleiter. Sie sei erstaunt, was die Deutschen Auslandsschulen ihren Schülern unter den Bedingungen der Pandemie ermöglicht haben.

Cecere: Pandemie wird zum Mittelstreckenlauf

Für das Auswärtige Amt sprach Vito Cecere, Beauftragter für Außenwissenschafts-, Bildungs- und Forschungspolitik, zu den Schulleiterinnen und Schulleitern. Seine Bewertung des letzten Jahres: „Es fühlt sich an wie ein Sprinter, der feststellen muss, dass er in einen Mittelstreckenlauf geraten ist.“ Die Pandemie dauere länger, als von vielen anfangs erwartet. Er lobte die Auslandsschulen für ihre Digitalisierung: „Die technische Umstellung auf Distanzunterricht ist vielen von ihnen schneller und besser gelungen als den meisten Schulen in Deutschland. Die Deutschen Auslandsschulen sind hier Vorreiter.“ Als neue Herausforderungen nannte er die schwierige Planbarkeit der Schülerzahlen, verringerte Einnahmen durch Schulgelder, den Zusammenhalt des Lehrerkollegiums in Zeiten von Distanzunterricht und die Anwerbung neuer Lehrkräfte. Auch er zollte den Schulleiterinnen und Schulleitern Respekt dafür, den Schulbetrieb trotz großer Hindernisse immer aufrecht erhalten zu haben.

Masterplan soll im Dialog entstehen

Er sagte den Schulen auch im Jahr 2022 Unterstützung bei der Bewältigung der Corona-Pandemie zu. Zur Weiterentwicklung des Auslandsschulgesetzes verwies er auf den Kabinettsbeschluss der alten Bundesregierung vom Juni 2021. „Zu den dort genannten Zielen hat sich auch die neue Bundesregierung bekannt,“ so Cecere. Er rief die Aussagen im Koalitionsvertrag zu den Deutschen Auslandsschulen in Erinnerung. Konkret soll zum Beispiel ein Masterplan zur Weiterentwicklung der Auslandsschulen und PASCH-Schulen erarbeitet werden. „Ein solcher Masterplan wird über Einzelfragen hinaus die Rahmenbedingungen für die Auslandsschule von morgen bestimmen müssen. Das muss der Anspruch sein,“ so Cecere. An der Aufstellung eines solchen Masterplans müssten viele beteiligt sein und beteiligt werden: freie Schulträger, Schulleiter, Verantwortliche in Bund und Ländern sowie Unterstützer des Auslandsschulwesens.

Auswärtiges Amt setzt auf Digitalisierung

Cecere setzte einen Fokus auf die umfassende Digitalisierung der Auslandsschulen. Damit ging er über das hinaus, was bisher aus dem Koalitionsvertrag bekannt war. Die vom Hasso-Plattner-Institut (HPI) entwickelte Schul-Cloud sei hier ein gutes, öffentlich gefördertes Angebot für die Deutschen Auslandsschulen. Er bedankte sich bei allen Beteiligten für die Weitsicht bei der Einführung der Schul-Cloud an den Auslandsschulen. Der Weltverband Deutscher Auslandsschulen hatte das Thema 2018 angestoßen. Zusammen mit ZfA und HPI ist der Weltverband Deutscher Auslandsschulen in der Steuergruppe des Projekts vertreten.

Prien bedankt sich bei Schulvorständen

Das Grußwort für die Kultusministerkonferenz hielt Karin Prien (CDU). Die Ministerin für Bildung, Wissenschaft und Kultur des Landes Schleswig-Holstein ist seit Anfang des Jahres Präsidentin der Kultusministerkonferenz 2022 (KMK). Auch Prien bedankte sich bei den Schulleitern, Lehrkräften und Vorständen der Deutschen Auslandsschulen dafür, unter schwierigsten Bedingungen die Schülerinnen und Schüler gefördert zu haben.

Sie stellt ihre KMK-Präsidentschaft unter das Motto „Lernen aus der Pandemie“. Die Corona-Pandemie sei für die Schulen im In- und Ausland sehr herausfordernd gewesen, habe aber auch unglaubliche Kraft und Kreativität an den Schulen entfaltet. Diese Dynamik möchte sie nutzen, um mit allen Beteiligten die „Schule der Zukunft“ auf den Weg zu bringen.

Die technische Ausstattung der Schulen für digitalen Unterreicht sei hier eine wichtige Grundlage. Notwendig sei eine Verständigung, die die Digitalisierung der Schulen nachhaltig organisiert und finanziert werden kann. „Für die Auslandsschulen brauchen wir hier die Verständigung zwischen Bund und privaten Schulträgern,“ so Prien. Zum geplanten Masterplan der Bundesregierung sagte sie: „Die Ländergemeinschaft wird sich aktiv an der Entwicklung des Masterplans beteiligen. Sie wird auch ihre Expertise in die Themenfelder ‚frühkindliche Bildung‘ und ‚Inklusion‘ einbringen.“ Der Koalitionsvertrag nennt diese beiden Bereiche als Weiterentwicklungsfelder der Auslandsschulen in den nächsten vier Jahren.

Der Koalitionsvertrag spricht auch von einer Stärkung der Schulleitungen an den Deutschen Auslandsschulen. Prien: „Dafür ist es erforderlich, ihre monetären und strukturellen Rahmenbedingungen weiter zu verbessern und mit ihnen und den Schulvorständen weiter bessere Konfliktlösungsstrategien zu entwickeln, damit die jeweilige Energie auf die gemeinsame Entwicklung der Schulen gerichtet werden kann.“ Zur Lehrerversorgung sagte sie, dass das Interesse der Lehrkräfte am Auslandsschuldienst weiter ungebrochen da sei.

WDA: Balance halten

Dr. Peter Fornell, WDA-Vorsitzender, bewertete die Schulleitertagung im Anschluss so: „Im Rahmen der öffentlich-privaten Partnerschaft ist es uns wichtig, dass die freien Schulträger, vertreten durch den WDA, bei der Entwicklung des künftigen Masterplans mit einbezogen werden. Wir begrüßen es, wenn Schulleiterstellen an den Deutschen Auslandsschulen attraktiver werden, da unsere Mitgliedsschulen immer häufiger von schwieriger Personalsuche berichten. Gleichzeitig ist es notwendig anzuerkennen, dass gemeinnützige Schulträger die Schulen gründen und führen und Arbeitgeber sind. Sie müssen also auch künftig die Mittel und die Freiheit haben, diese hohe Verantwortung wahrzunehmen. Auch das Ehrenamt der Schulvorstände muss attraktiv bleiben. Hier gilt es, Balance zu halten.“ Zur Webkonferenz waren alle Schulleiter der 136 Deutschen Auslandsschulen eingeladen.