25.06.2020

Nachbericht Webkonferenzen: In der Krise gemeinsam Zukunft tragen

Trotz aller Schwierigkeiten haben die Deutschen Auslandsschulen ihren Bildungsauftrag im Zeichen der Corona Pandemie bis jetzt erfüllt. Die wahren finanziellen Belastungen kommen im neuen Schuljahr, wenn Schülerzahlen und Einnahmen noch stärker zurückgehen. Das sind Kernergebnisse von drei regionalen Webkonferenzen, die der WDA zwischen dem 22. und 24. Juni für seine Mitgliedsschulen abgehalten hat.

Die Webkonferenzen ermöglichten den dringend notwendigen Erfahrungsaustauch im Zeichen der Corona Pandemie, hier in der Region Amerika.

Wie umgehen mit sinkenden Einnahmen? Welche Empfehlungen gibt es bei Regressforderungen von Eltern? Und mit welchen Strategien gelang der schnelle Umstieg auf Online-Unterricht? Das waren nur einige Fragen, die die Mitgliedsschulen des Weltverbands Deutscher Auslandsschulen in drei regionalen Webkonferenzen mit insgesamt rund 200 Teilnehmerinnen und Teilnehmern diskutierten.

Im Zentrum stand die Diskussion der Schulen untereinander. Der WDA-Vorsitzende Dr. Peter Fornell eröffnete alle drei Webkonferenzen. Die übrigen Vorstandsmitglieder moderierten jeweils die Konferenz ihrer Region. Diese Aufteilung verstärkt die regionale Verankerung des WDA. Sie sichert auch den optimalen Transfer hin zur politischen Interessenvertretung des Verbands. Die Webkonferenzen schafften einen Ort, an dem die Schulen in diesen schwierigen Zeiten zusammenwachsen und voneinander lernen konnten.

Dr. Peter Fornell, WDA-Vorsitzender: „Der offene Austausch der Schulen hat mich ebenso beeindruckt wie ihr kreativer Umgang mit der Krise.“

Der WDA-Vorsitzende Dr. Peter Fornell fasste seine Eindrücke so zusammen: „Der offene Austausch der Schulen hat mich ebenso beeindruckt wie ihr kreativer Umgang mit der Krise. Ich habe viele Anregungen für meine Arbeit im politisch-parlamentarischen Raum mitgenommen.“ So werde er sich dafür einsetzen, dass es ein zweites finanzielles Hilfspaket für die Auslandsschulen im nächsten Jahr geben wird. Viele Schulen hatten darauf hingewiesen, dass ihre finanziellen Ausfälle 2021 voraussichtlich noch größer werden als in diesem Jahr. Ein weiterer Punkt sei der Wunsch nach weiterer Unterstützung aus Deutschland, über die rein finanzielle Hilfe hinaus. So wurde in allen drei Webkonferenzen der Wunsch nach mehr Unterstützung bei der Digitalisierung der Schulen genannt.

Hotspot Amerika

Der Blick in die drei Regionen Amerika, EMEA (Europa, Mittlerer Osten und Afrika) und Asien zeigte: alle Schulen sind von der Corona Pandemie betroffen, aber in unterschiedlichen Phasen. In vielen Ländern Europas und Asiens ist das Epidemiegeschehen eher am Abklingen. Diese Länder steigen aktuell in eine vorsichtige Öffnung des Schulbetriebs ein. Weitaus dramatischer sieht die Lage in der Region Amerika aus. Fast alle Schulen dort sind aktuell sehr stark betroffen von den Auswirkungen der Pandemie. So gelten aktuell in vielen Ländern Südamerikas strikte Lockdownmaßnahmen. In vielen Regionen sind Schulschließungen bis weit in den Herbst bereits beschlossen. Entsprechend groß sind die Sorgen der Schulträger dort. An manchen Standorten ist die Lage prekär. So mussten einzelne Schulen in Mittelamerika nach Einnahmerückgängen von bis zu 80 Prozent temporär Gehälter kürzen.

Trotzdem ist die wirtschaftliche Lage der einzelnen Schulen dieser Region unterschiedlich. Während manche Schulen auch beim Personal sparen müssen, können andere noch von ihren Reserven zehren. Manche bekommen auch staatliche Unterstützung des Sitzlandes, zum Beispiel in den USA. Allen Schulen gemeinsam ist, dass sie mit sinkenden Schülerzahlen und Einnahmen rechnen. Das gilt auch für die Regionen Asien und EMEA. Viele Schulen weltweit gehen davon aus, dass sie bis zum Ende des laufenden Schuljahres die finanziellen Folgen noch relativ gut abfedern können. Für das nächste Schuljahr machen sie sich aber große Sorgen.

Geschlossene Schulen kosten weniger – oder?

Die Schulen aus Asien berichteten, dass Eltern oft davon ausgehen, dass Schulschließungen automatisch auch zu sinkenden Kosten führen würden. Das Gegenteil sei aber der Fall. Die hohen Fixkosten laufen weiter, vor allem da das Lehrpersonal weiter vorgehalten wird. Campusschließungen sparen also nur wenig Geld. Stattdessen kommt es zu Mehrkosten für Investitionen in den digitalen Unterricht, Masken oder Temperaturkontrollen vor Betreten des Schulgeländes. Alle Schulen haben angesichts sinkender Einnahmen sofort in einen Sparmodus geschaltet. Investitionen und Bauvorhaben wurden gestoppt oder verschoben. Als weitere Best Practices zum Umgang mit der schlechten wirtschaftlichen Lage nannten Schulen in allen drei Regionen:

• Leistungen wie Mensa, Arbeitsgemeinschaften oder Fahrdienst einzustellen, nicht mehr zu berechnen oder zurückzuzahlen
• Sozialfonds für besonders hart getroffene Familien zu vergrößern
• Eltern daran zu erinnern, dass gute Zahlungsmoral ein Zeichen von Solidarität ist: wer zahlen kann, soll auch zahlen
• Spendenaktionen innerhalb der Elternschaft zu organisieren
• Staatliche Unterstützung im Sitzland zu nutzen (Kurzarbeit)

„Wir wollen, dass keine Familie die Schule aus finanziellen Gründen verlassen muss,“ so Hans Kritzler, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Schule Alexander von Humboldt, Mexiko-Stadt.

Zum Teil waren die Schulen mit Regressforderungen von Eltern konfrontiert. Als Best Practice wurde hier in allen Regionen immer wieder die offene und proaktive Kommunikation mit den Eltern genannt. So haben zum Beispiel die Schulen Mexiko Stadt, Bogotá, Lima, Nairobi und Barcelona gute Erfahrungen damit gemacht, transparent die finanzielle Situation der Schule darzustellen. Ein weiterer Erfolgsfaktor sei es, Empathie für die oft sehr schwierige wirtschaftliche Situation der Eltern zu zeigen. „Wir wollen, dass keine Familie die Schule aus finanziellen Gründen verlassen muss,“ fasste Hans Kritzler, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Schule Alexander von Humboldt, Mexiko-Stadt, die Leitlinie seiner Schule zusammen.

Geschlossene Kindergärten dünnen den Nachwuchs der Schulen aus

Rückforderungen von Schulgeld durch die Eltern kamen vor allem für die Kindergärten der Schulen. Die meisten Schulen haben die Erfahrung gemacht, dass Kindergartenkinder nur sehr eingeschränkt mit Online-Angeboten betreut werden können. Viele Schulen entschlossen sich daher, in diesem Bereich Gebühren zu senken. Für die Schulklassen, insbesondere in der Mittel- und Oberstufe, wurde dieser Weg selten gegangen. „Auch in der Krise blieb es unsere Aufgabe, die Schulpflicht zu erfüllen. Diesem Auftrag sind wir immer nachgekommen. Das können wir online wie offline,“ so Günter Beer, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Schule Barcelona.

Günter Beer, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Schule Barcelona: „Auch in der Krise blieb es unsere Aufgabe, die Schulpflicht zu erfüllen. Diesem Auftrag sind wir immer nachgekommen. Das können wir online wie offline.“

Die Schulen befürchten langfristige Folgen durch die Corona Krise, die heute noch nicht vollständig absehbar sind. Ein Beispiel: rückgehende Anmeldungen für den Kindergarten heute können für eine Schule Einnahmeausfälle über die gesamte Grund- und Oberstufe bedeuten. Schulvorstände aus Genua und Doha wiesen darauf hin, dass ihren Schulen so der eigene Nachwuchs wegbricht. Wenn der Kindergarten nicht voll ausgelastet ist, fehlen diese Kinder später in allen folgenden Klassenstufen.

Vorhandene Digitalisierung vieler Schulen zahlte sich aus

Viele Schulen waren mit der bereits erfolgten Digitalisierung höherer Klassenstufen gut auf Online-Unterricht vorbereitet. Diese Schulen konnten innerhalb weniger Tage oder Wochen den digitalen Unterricht auf die gesamte Schule ausweiten. Manche Schulen berichteten auch offen von der Lernkurve, die sie trotz aller Vorbereitung in diesem Bereich durchlebt haben. „Wir waren auf digitalen Unterricht vorbereitet. Aber wenn man dann ausschließlich davon abhängt, ist die Realität natürlich noch etwas anspruchsvoller als erwartet,“ so Verena Desai, Mitglied des Vorstands der German European School Singapore.

„Wir waren auf digitalen Unterricht vorbereitet. Aber wenn man dann ausschließlich davon abhängt, ist die Realität natürlich noch etwas anspruchsvoller als erwartet,“ so Verena Desai, Mitglied des Vorstands der German European School Singapore.

Einig waren sich die Schulträger darin, dass ihre Schulen eigene IT-Kompetenz haben müssen. Ein Helpdesk wird als unabdingbar angesehen. Technische Probleme von Schülern und Lehrern müssen sofort gelöst werden. Unterschiede zeigten sich bei den Konzepten zur Geräteversorgung. Manche Schulen schaffen Endgeräte für alle Schüler zentral an. Andere setzen auf „Bring your own device“, also die Nutzung vorhandener Geräte in den Familien der Kinder. Procolino Antacido, Schulleiter der Deutschen Schule New Delhi und Sprecher im Direktorenbeirat der Zentralstelle für das Auslandsschulwesen, wies darauf hin, dass E-Learning für das Lernen selbst gut sei. Er sieht es aber als schwierig für die soziale Entwicklung vieler Kinder an. Dieser Aspekt dürfe bei der Digitalisierungsdiskussion nicht außer Acht gelassen werden.

Vorbildliche Zusammenarbeit von Ehrenamt und Hauptamt

An den drei Webkonferenzen nahmen die Führungskräfte der WDA-Mitgliedsschulen teil: Vorstände, Schulleiter, Geschäftsführer, Beauftragte des Vorstands und Verwaltungsleiter. Die Teilnehmer lobten in allen Regionen das Engagement der Lehrkräfte und Verwaltungsmitarbeiter vor Ort. Schulleiter mussten innerhalb weniger Tage Online-Unterricht organisieren, Lehrer oft eigene Lösungen für ihren digitalen Unterricht aus dem Boden stampfen. Vorstände mussten in kurzer Zeit die bestehenden Finanzplanungen völlig neu denken, Verwaltungsleiter alle Zahlen für Hilfsanträge zusammentragen. Ohne die gute Zusammenarbeit von Ehrenamt und Hauptamt gemeinsam wäre es den Schulen nicht gelungen, so viel Resilienz im Zeichen der Krise zu entwickeln. Durch den offenen und solidarischen Austausch in den Webkonferenzen zeigten die WDA-Mitgliedsschulen, dass sie auch in der Krise gemeinsam Zukunft tragen werden.