30.11.2021

Deutsche Schule Toulouse: Das Abibac als Doppelqualifikation mit Zukunft

Seit fünf Jahren können Schülerinnen und Schüler der DS Toulouse die deutsche und französische Hochschulzugangsberechtigung gleichzeitig erwerben. Die Erfahrungen sind sehr positiv.

Klick zum VergrößernGroße Freude bei der Zeugnisverleihung im Juni 2021. Foto: DS Toulouse

Von Bettina Petersen
ehem. Vorstandsmitglied DS Toulouse

Fünf Jahre ist es mittlerweile her, dass die Deutsche Schule Toulouse (DST) den Bildungsgang „Abibac“ einführte. Dahinter verbirgt sich der gleichzeitige Erwerb des deutschen Abiturs und des französischen Baccalauréat. Inzwischen hat dieses Angebot seinen festen Platz, bereits der dritte Jahrgang bereitet sich darauf vor, 2022 die Prüfungen abzulegen. Mit mehr als doppelt so vielen Absolventen wie im Jahr zuvor.

Gute Französischkenntnisse sollten nach Aussage des Schulleiters der DST, Dr. Stefan Schulze, schon vorhanden sein, denn ab Klasse 10 erfolgt der Unterricht in Geschichte und Erdkunde in Landessprache. Auch das Fach Französisch wird dann nach einem speziellen Lehrplan für den Abibac-Bildungsgang unterrichtet, der dem französischen Lehrplan sehr ähnlich ist und demnach viel Wert auf französische Literatur legt. Die Prüfer für die Abibac-Fächer werden von der Académie de Strasbourg (französische Schulbehörde) entsandt.

Mehr Chancen bei Studien- und Berufswahl

Bereits ab Klasse 8 und 9 haben Interessierte in „Schnupperkursen“ die Möglichkeit, den Abibac-Zweig zu testen. Dieses Angebot wird gut akzeptiert. So sind in Klasse 9 beispielsweise 23 von 26 Schülern dabei. Ab der 10. Klasse erfolgt der Unterricht in den drei französischen Prüfungsfächern in eigenen Kursen, die parallel zum Unterricht der übrigen Klasse laufen. Derzeit bereiten sich 9 Schüler auf ihre Prüfungen vor. Sie kommen aus Familien mit unterschiedlichen Sprachhintergründen, zwei deutsche Elternteile sind ebenso dabei wie nur französische Eltern oder ein Mix aus beiden Nationalitäten. Mehr Arbeit sei es schon, so ihre Erfahrung, und man sollte sich für die französische Kultur und Politik interessieren. Doch für die jungen Leute ist das keine Frage. Sie lesen auch mal zusätzlich ein Buch in ihrer Freizeit, schauen einen französischen Film an oder gehen ihren Lernstoff nochmals durch. Die Aussicht, bei der Berufs- und Studienwahl bessere Chancen zu haben, ist es ihnen wert.

Der Werdegang ehemaliger Schüler, die sich ebenfalls für diese Doppelqualifikation entschieden haben, bestätigt das. So studiert einer von ihnen an der anerkannten Hochschule „Sciences Po“ in Nancy, ein anderer in Straßburg Geschichte auf Französisch. Wieder andere sind nach Deutschland gegangen oder haben sich mit ihrem Zeugnis in Frankreich beworben. Und auch die Prüfungsergebnisse können sich sehen lassen: Bisher haben alle Absolventen mit „Mention“ (Prädikat) bestanden, drei sogar mit „très bien“ (sehr gut).

Engagement des Schulträgers hat sich gelohnt

Für den Schulträger war die Einführung des Abibac unter anderem eine gute Chance, sich auch dem französischen Umfeld zu öffnen und die Schüler bis zu ihrem Abschluss an der Schule zu behalten. Um die erforderlichen Voraussetzungen zu schaffen, war ein erheblicher finanzieller Aufwand seitens des Trägers notwendig, der sich gelohnt hat: Die Schülerzahlen in den Abibac-Klassen steigen kontinuierlich an. Mit diesem Angebot verfügt die Deutsche Schule nun über ein attraktives Alleinstellungsmerkmal und hat damit ihren Platz am Standort Toulouse gefestigt.