07.11.2019

Durchbruch für Deutsche Auslandsschulen mit gemischtsprachigem International Baccalaureate mit Schwerpunkt Deutsch erreicht

Die Aktualisierung der Beschlüsse der Kultusministerkonferenz (KMK) schafft Alleinstellungsmerkmale durch die Neufassung des KMK-Beschlusses zur Anerkennung des GIB mit einer offiziellen Liste aller anerkannten Deutschen Auslandsschulen mit GIB-Abschluss, der Anerkennung des GIB als Sprachnachweis für den Hochschulzugang und Klarheit bei Mathematikanforderungen durch Schaffung einer Übergangsphase für die Anerkennung der neuen IB Mathematikkurse.

Mit dem heutigen Rundschreiben an die GIB-Schulen hat das Sekretariat der KMK über die aktuellen Beschlüsse der KMK für die Schulische Arbeit im Ausland (BLASchA) zum gemischtsprachigen International Baccalaureate mit Schwerpunkt Deutsch (GIB) unterrichtet. Die Beschlüsse erfolgten auf der Grundlage der Ergebnisse des Runden Tisch GIB der letzten zwei Jahre, einer Initiative des Weltverbandes Deutscher Auslandsschulen (WDA). Anlässlich des letzten Treffens im Juni 2019 wurden durch den WDA drei Kernanforderungen eingebracht und Lösungsvorschläge gemacht, die nun mit den aktuellen Beschlüssen adressiert werden.

Meilenstein für die GIB-Schulen
"Die Beschlüsse sind ein Meilenstein für den Status Deutscher Auslandsschulen mit Abschluss GIB und eine besonderer Erfolg für die Gemeinschaft der gemeinnützigen Schulträger im WDA, der sich erfolgreich dafür eingesetzt hat und kontinuierlich den Austausch mit allen Partnern und insbesondere den Ländern initiiert hat.“, so Nicholas Röhm, WDA-Vorstandsmitglied und Sprecher der Arbeitsgruppe-GIB. „Ich bin stolz auf die Arbeit des WDA, die Mitglieder der AG GIB und die WDA-Geschäftsstelle und möchte mich an dieser Stelle für die Unterstützung der Partner des Runden Tisches GIB, des Sekretariats der KMK und des BLASchA bedanken."

Neufassung des KMK-Beschlusses zum GIB
Durch den erweiterten Kontakt mit der Hochschulrektorenkonferenz hat der WDA geklärt, dass der KMK-Beschluss zum GIB immer wieder zu Verwirrung der Hochschulen bei der Anerkennung führt. Denn zum GIB an Deutschen Auslandsschulen gab es nur einen einzigen Beschluss der KMK. Es handelte sich um den Beschluss zum GIB-Pilotprojekt vom 26. April 2002 in der Fassung vom 21. März 2007. Dort waren jedoch nur 14 der 34 aktuellen GIB-Schulen aufgeführt, sodass dies zu Nachteilen für die Schulen und deren Absolventen führte.

Die Neufassung des KMK-Beschlusses greift nun insbesondere den Vorschlag des WDA auf, alle anerkannten Auslandsschulen mit GIB-Abschluss aktuell aufzulisten. Dies wird nun mit einem Anhang umgesetzt. Die Aufnahme einer GIB-Schule in diese Liste durch den BLASchA schafft damit ein eindeutiges Alleinstellungsmerkmal für diesen Schultyp, insbesondere bei Hochschulen. Anerkennende Stellen können nun auf eine offizielle Liste der Deutschen Auslandsschulen mit Abschluss GIB zugreifen.

Anerkennung des GIB als Sprachnachweis für den Hochschulzugang
Ebenfalls durch Austausch des WDA mit der Hochschulrektorenkonferenz konnten die Gründe herausgearbeitet werden, durch die die Anerkennung des GIB in Bezug auf den Sprachnachweis unterschiedlich durch die Hochschulen gehandhabt wird. Hier liegt die Rahmenordnung über Deutsche Sprachprüfungen für das Studium an deutschen Hochschulen zugrunde, die den Hochschulen jedoch weiterreichende Autonomie einräumt.

Die Erweiterung des KMK-Beschlusses der KMK vom 02.06.1995 i. d. F. vom 24.03.2016 "Zugang von ausländischen Studienbewerberinnen und Studienbewerbern mit ausländischem Bildungsnachweis zum Studium an deutschen Hochschulen: Nachweis der deutschen Sprachkenntnisse“ greift nun den Vorschlag des WDA auf, dort die GIB-Schulen zu berücksichtigen. Der Beschluss listet Schulabschlüsse auf, die als Sprachnachweise anerkannt sind. Dort wurden nun auch die GIB-Schulen aufgenommen, indem auf die oben genannte offizielle Liste der GIB-Schulen verwiesen wird.

Die Zeugnisse der GIB-Schulen auf dieser Liste gelten damit als Sprachnachweis für die Hochschulzugang. Dies schafft ein weiteres eindeutiges Alleinstellungsmerkmal für diesen Schultyp.

Übergangsphase für Anerkennung der neuen IB Mathematikkurse
Mit Schreiben vom 17.12.2017 hatte die IBO dem Sekretariat der KMK einen Antrag auf Anerkennung von „Mathematics: analysis and approaches HL“ und „Mathematics: applications and interpretation HL“ und von „Mathematics: analysis and approaches SL“ und „Mathematics: applications and interpretation SL“ anstelle der bisher durch „Vereinbarung über die Anerkennung des „International Baccalaureate Diploma/Diplôme du Baccalaureat International" (Beschluss der Kultusministerkonferenz vom 10.03.1986 i .d. F. vom 02.03.2017) anerkannten Mathematik-Kurse übermittelt. Der Anerkennung der beiden Higher-Level-Kurse „Mathematics: Analysis and Approaches“ und „Mathematics: Applications and Interpretation“ konnte nach entsprechender Prüfung durch die KMK zugestimmt werden. Was die beiden entsprechenden Standard-Level-Kurse betrifft, musste sich die KMK gegen eine Anerkennung als gleichwertig mit dem bisherigen Mathematik-SL-Kurs aussprechen, weil das völlige Fehlen der Beschäftigung mit Vektoren und Matrizen im SL nicht mit den Forderungen der Bildungsstandards für die allgemeine Hochschulreife im Fach Mathematik in Einklang zu bringen sei, so erklärte das KMK-Sekretariat. In dem bisherigen Mathematik-SL-Kurs ist die Vektorrechnung enthalten.

IBO und die KMK hatten dafür keine Lösung gefunden, sodass die KMK zur Anerkennung des IB Anfang des Jahres nur eine Kompromisslösung verabschieden konnten, die bei Belegung der SL-Kurse für bestimmte Fächergruppen (für Fächer, die nicht dem mathematisch-naturwissenschaftlich-technischen Bereich zuzuordnen sind) nur einen fachorientierten Hochschulzugang vorsieht.

Der WDA machte wiederholt darauf aufmerksam, dass aus der Sicht der GIB-Schulen die Chancen von Absolventen der GIB-Schulen für das Studium eines Faches im mathematisch-naturwissenschaftlich-technischen Bereich in Deutschland erheblich verschlechtert werden, forderte eine Lösung ein und wendete sich diesbezüglich auch an Dr. Görgen, den Leiter der Abteilung Kultur- und Kommunikation im Auswärtigen Amt.

Der aktuelle Beschluss sieht nun eine Übergangsphase von fünf Jahren vor, in der die Schulen Zeit haben, auf Mathematik Higher Level umzustellen. In diesen fünf Jahren gilt, dass das GIB-Diplom den Status einer allgemeinen Hochschulzugangsberechtigung beibehält, soweit die Schulen nachweisen, dass sie die Vektorenrechnung im Mathe SL in Form eines Zusatzmoduls durchgeführt haben.

Im Rahmen des letzten Runden Tisches und der dortigen Diskussion zum Thematik Mathematik hat der WDA angeboten, einen ersten Vorschlag für ein diesbezügliches Curriculum mit zu erarbeiten, welcher die zusätzlichen Inhalte für Mathe Standard Level, insbesondere die im Abitur enthaltende Vektorenrechnung, berücksichtigt. Dieser Vorschlag wurde von der ZfA aufgegriffen. Der Vorschlag wurde bereits in enger Zusammenarbeit zwischen dem WDA und dem Direktorenbeirat erarbeitet, insbesondere durch die Mathematik Fachschaften der DS Sankt Tomas Morus und der DS Valdivia. Der Vorschlag liegt nun der ZfA und den Mitgliedern des Runden Tisches GIB zur Prüfung vor.

Evaluation Auslandsschulgesetz: Bessere Förderung der GIB-Schulen notwendig
Die ersten Evaluation des Auslandsschulgesetzes 2016 ergab, laut des Ergebnisberichts des Auswärtige Amtes, die Notwendigkeit der stärkeren Förderung des Gemischtsprachigen International Baccalaureates (GIB) sowie die vermehrte Prüfung dieses Ansatzes für den weiteren Ausbau der Auslandsschulen.

Dies entspricht der langjährigen Forderung des WDA und seiner Arbeitsgruppe GIB. Die Summe der anrechenbaren Wochenstunden bei GIB-Schulen sollte erhöht werden, um der Bedeutung dieses Schultyps gerecht zu werden. Statt 30% sollten in Zukunft 45% als geförderte Wochenstunden in der Verwaltungsvorschrift für die Budgetberechnung berücksichtigt werden. Ferner sollten alle Möglichkeiten genutzt werden, dass GIB weiter auszudifferenzieren, um multilinguale Bildung zu ermöglichen, sowie Synergien durch Kombination mit dem mittleren Schulabschluss genutzt werden.

Zum GIB-Abschluss an Deutschen Auslandsschulen
Das GIB ist im Auslandsschulgesetz anerkannt. Die Anzahl der GIB-Schulen unter den anerkannten Deutschen Auslandsschulen ist auf 34, also rund ein Viertel der
Deutschen Auslandsschulen angestiegen. Die Absolventenzahlen steigen, wie auch die Zahl der Absolventen, die in Deutschland studieren. Als anerkannte Deutsche Auslandsschulen werden die GIB-Schulen genauso wie alle anderen Deutschen Auslandsschulen im Rahmen der Bund-Länder-Inspektion als exzellente Deutsche Auslandsschulen zertifiziert und haben damit ihre Leistungsfähigkeit bewiesen.
Die Evaluationsergebnisse des Auswärtigen Amtes aus 2016 belegen, „dass internationale Abschlüsse von den Schulen als Argument im Wettbewerb um Schülerinnen und Schüler gesehen werden. Das GIB berechtigt weltweit zum Studienzugang und stellt geringere Anforderungen an die Ausstattung mit deutschen Lehrkräften als das Abitur. Damit können die bestehenden Fördermittel aus quantitativer Sicht effizienter eingesetzt werden. Für einen möglichen weiteren Ausbau der Auslandsschulen empfiehlt die Evaluation, vermehrt auch diesen Ansatz zu prüfen.“

Zur AG GIB und dem Runden Tisch GIB
In der Arbeitsgemeinschaft GIB innerhalb der WDA sind die Schulträger organisiert, die das GIB anbieten. Die Gruppe trifft sich regelmäßig und tauscht sich kontinuierlich aus. Seit 2015 ist es so gelungen, in einem langfristigen Prozess die Stimmen und Perspektiven zu bündeln und die Interessen der GIB-Schulen kompakt vorzubringen und die Gruppe der GIB-Schulen zu stärken. Mit dem Runden Tisch zum Thema GIB unter Einbeziehung von Auswärtigem Amt, ZfA, IBO und KMK sowie dem Austausch mit der Hochschulrektorenkonferenz wurde seit 2017 die Grundlage für den Dialog für die GIB-Schulen gelegt. Sprecher der GIB-Schulen im WDA-Vorstand und Leiter der Arbeitsgruppe GIB ist WDA-Vorstandsmitglied Nicholas Röhm.

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