08.08.2018

Abenteuer eines Moskitos aus Namibia

Kai Precht und sein 11-jähriger Sohn leben in Windhoek. Der Junge besucht dort die Deutsche Auslandsschule. Gemeinsam erfanden Vater und Sohn die Geschichten von Moskito Max. Ein Interview über Alltag, Schule und Vielsprachigkeit in Namibia - und die Freundschaft zu einer Mücke.

Kai Precht und Kai Precht - Vater und Sohn haben sich die Geschichten von Moskito Max gemeinsam ausgedacht (Foto: privat)

Herr Precht, in bislang zwei Büchern erzählen Sie gemeinsam mit Ihrem elfjährigen Sohn „Die Abenteuer des Moskito Max“. Wie kam es dazu und worum geht es?

Die Nächte in Windhoek können sehr warm und feucht sein, besonders im Sommer – ein ideales Klima für Mücken. So haben wir zum Schutz Moskitonetze über unseren Betten. Aber natürlich hört man die Moskitos verzweifelt nach einem Zugang suchen, wenn man darunter liegt und in den Schlaf finden will. Also haben wir angefangen, den einzelnen Mücken Namen zu geben und uns Gute-Nacht-Geschichten darüber zu erzählen. Das war der Einstieg. Und Mückenstiche nerven wirklich weniger, wenn man weiß, wer einen gestochen hat!

Das hat sich dann schnell entwickelt. Denn man fängt an, sich vorzustellen, wie so ein Mückenleben wohl aussieht. Rasch fingen wir auch an zu zeichnen. So haben wir jetzt unseren kleinen Freund Moskito Max. Und der hat ein Leben, das wir immer weiter auserzählen. Das dritte Buch ist schon in der Mache...

Ihr Sohn und Co-Autor besucht die fünfte Klasse der Deutschen Höheren Privatschule Windhoek (DHPS). Welche Rolle spielt die Schule für Sie beide als Buchautoren und für Ihren Familienalltag?

Bei 11-jährigen Kindern ist die Schule natürlich sehr wichtig, schon alleine dadurch, dass der kleine Mann – nach dem mühsamen frühen Aufstehen um 6 Uhr, Schulbeginn ist um 7 Uhr – schon die Hälfte des Tages dort verbringt. Dazu kommen Hausaufgaben und Übungen nach der Schule. Und natürlich haben Schule und Klassenkameraden in einem mehrsprachigen Haushalt wie unserem auch einen entscheidenden Anteil daran, dass mein Sohn Deutsch spricht und wie er Deutsch spricht. Er besucht den deutschsprachigen Zweig der Schule. Kai ist sehr stolz auf seine Bücher. Seine Klassenlehrerin hat die Abenteuer von Moskito Max vor den letzten Sommerferien mit der ganzen Klasse gelesen.

Hintergrund: Eine deutsch-namibische Familie

Kai Precht, Jahrgang 1961, kam im Jahr 2000 mit dem Deutschen Entwicklungsdienst erstmals nach Namibia. 2009 gründete er dort ein Produktions- und Serviceunternehmen für die namibische Filmindustrie. Seit 2010 ist er verheiratet mit der Rechtsanwältin Saima Ndeshipanda Josef (aus dem Volk der Ovambo) und dauerhaft in Namibia zu Hause. 2007 wurde sein Sohn Kai geboren, mit dem er zwei Kinderbücher über den Moskito Max veröffentlicht hat. Kai besucht seit der Vorschule die Deutsche Höhere Privatschule Windhoek (DHPS), eine der 141 anerkannten Deutschen Auslandsschulen. Der 11-Jährige ist derzeit in der 5. Klasse des deutschsprachigen Zweigs.

Die Moskito Max-Bücher sind auf Deutsch und Englisch geschrieben - „bilingual - namibisch eben“, wie Sie sagen. Ist das typisch für Namibia, mehrere Sprachen zu sprechen und zwischen ihnen zu wechseln?

Das ist in der Tat im namibischen Alltag nichts Besonderes. In unserer kleinen Familie (Vater, Mutter, Sohn) werden schon drei Sprachen gesprochen: Deutsch, Englisch, Oshivambo. Im namibischen Alltag kommt noch das Afrikaans als wichtigste gemeinsame Landessprache hinzu. Insofern gibt es in Namibia wirklich nur ganz wenige Menschen, die nur eine Sprache sprechen. Wenn man am Alltag in diesem Land teilnehmen will, ist es ein Muss, mehrere Sprachen zu sprechen. Auch Deutsch ist weit verbreitet. Es gibt neben den deutschen Schulen eine ganze Reihe von Schulen, die Deutsch als Unterrichtsfach anbieten.

Gespräche werden in Namibia oft in einer Sprache begonnen und enden dann in einer anderen, weil man während des Gesprächs feststellt, dass es eben diese Sprache ist, in der man sich am besten verständigen kann – und das dann vielleicht erst am Zungenschlag seines Gegenübers bemerkt hat. So ist es also gut möglich, dass zwei eigentlich deutsche Muttersprachler ihr Gespräch erst einmal in Afrikaans oder Englisch beginnen, bevor sie dann bei Deutsch landen. Die Vielsprachigkeit ist noch verbreiteter in der schwarzen Bevölkerung, wo neben Englisch und Afrikaans eigene Muttersprachen gesprochen werden, je nach Volk. Und davon hat Namibia viele. So sprechen viele Menschen in diesem Land vier oder fünf Sprachen.

 
 
 
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