22.06.2018

Einsteins Brief und Deutschlands Schulen: Politischer Rückblick zum Weltkongress Deutscher Auslandsschulen

Die Politik stärkte den Deutschen Auslandsschulen beim Weltkongress den Rücken. In Zeiten von Abschottung, Populismus und Fake News sei die auswärtige Bildungspolitik wichtiger denn je, betonte Außenminister Maas in in Berlin. Impulse für die Debatte setzte eine neue Public Value-Studie: Anhand von Kennzahlen zeigt sie, was die Auslandsschulen leisten und welche Werte sie schaffen.

Im Juli 1938 erhielt Ernesto Alemann, Gründer der Pestalozzi-Schule Buenos Aires, einen Brief von Albert Einstein. Der berühmte Wissenschaftler gratulierte Alemann zur Einweihung des neuen Schulgebäudes und schrieb, heute sei es "wichtiger als je, dass die Kinder in einer geistig reinen Atmosphäre aufwachsen und dass sie von der systematischen politischen Seelenvergiftung bewahrt werden". Die Pestalozzi-Schule, heute eine der 141 anerkannten Deutschen Auslandsschulen, war im Nationalsozialismus ein Zufluchtsort für jüdische Flüchtlingskinder. Mit dieser Geschichte eröffnete Außenminister Heiko Maas seine Rede zur Eröffnung des Weltkongresses Deutscher Auslandsschulen und des Festakts 10 Jahre PASCH am 6. Juni 2018.

"Gegen Populismus hilft Bildung!"

Der Brief Einsteins habe ihn bei seinem Besuch der Pestalozzi-Schule in Buenos Aires sehr beeindruckt, erzählte Maas den mehr als 800 Teilnehmern der Veranstaltung. Zwar sei 2018 nicht 1938. Aber auch heute befinde sich die Welt in einem "gewaltigen tektonischen Umbruch", geprägt durch Populismus, Nationalismus und Fake News. Das "beste Rezept" gegen Fake News seien Fakten, gegen Populismus helfe Bildung, sagte Maas. "Und gegen Nationalismus und Abschottung hilft es, Sprachen zu lernen, zu reisen, die Augen zu öffnen für andere Kulturen." Deshalb sei die auswärtigen Bildungspolitik "heute wichtiger denn je".

Eigeninitiative - ein Alleinstellungsmerkmal der Deutschen Auslandsschulen

An den Deutschen Auslandsschulen sei die Begegnung mit der deutschen Kultur und Gesellschaft so intensiv wie nirgendwo sonst, unterstrich Maas. Nirgendwo sonst an ausländischen Schulen werde so viel Deutsch und so viel auf Deutsch unterrichtet wie dort. Am Beispiel der German School Brooklyn stellte der Außenminister eine weitere Besonderheit der Deutschen Auslandsschulen heraus: Die Schule ist das jüngste Mitglied im Netzwerk der Deutschen Auslandsschulen und wurde 2014 von zwei Frauen gemeinsam mit weiteren Eltern gegründet: "Diese Eigeninitiative – sie ist ein Alleinstellungsmerkmal aller deutscher Auslandsschulen." Die vielen Ehrenamtlichen - in den Elterngremien, Schulvorständen, im Weltverband Deutscher Auslandsschulen - hätten zusammen mit den Lehrern entscheidenden Anteil an der "hohen Qualität und dem hervorragenden Ruf unserer Schulen weltweit", heißt es weiter in Maas' Rede. "Dafür gilt Ihnen allen und natürlich Ihnen, sehr geehrter Herr Ernst, mein herzlicher Dank!"

"Ohne Unterstützung aus Deutschland kann es nicht funktionieren"

Auch der WDA-Vorstandsvorsitzende Detlef Ernst stellte in seiner Rede die Bedeutung der öffentlich-privaten Partnerschaft für die Deutschen Auslandsschulen heraus. Hinter jeder Auslandsschule stünden "Menschen, die vor Ort – ob in Melbourne, Manila, Kapstadt, Dublin, Bogotá oder Toronto – etwas bewegen wollen."  Ohne das ehrenamtliche Engagement der freien Träger sei das deutsche Auslandsschulwesen nicht denkbar. "Aber ohne Unterstützung aus Deutschland könnte es ebenfalls nicht funktionieren", betonte Ernst. Die erfolgreiche Partnerschaft von Bund, Ländern und Schulträgern im Ausland werde ermöglicht durch eine Förderung, die "maximalen und nachhaltigen Effekt" schaffe.

"Knotenpunkte der kulturellen Infrastruktur Deutschlands"


"In einer Zeit, in der Konfuzius und Humboldt kulturpolitisch zu Konkurrenten werden, spielen Deutsche Auslandsschulen eine Schlüsselrolle", sagte Ernst mit Blick auf die Auswärtige Kultur- und Bildungspolitik. Ohne sie sei der „Wettbewerb der Narrative und Werte“, wie es im Koalitionsvertrag von Union und SPD heißt, nicht zu gewinnen. Die Deutschen Auslandsschulen böten "ganzheitliche Bildung", unterstrich Ernst. "Sie bilden im PASCH-Netzwerk Knotenpunkte der kulturellen Infrastruktur Deutschlands. Sie prägen Bildungsbiografien junger Menschen, wie dies kein anderer Schultyp schafft."

Appell der Parlamentarier aus dem Jahr 2008 weiter aktuell

Detlef Ernst erinnerte in seiner Rede an die Entschließung „Deutsches Auslandsschulwesen stärken und weiterentwickeln“ des Bundestags vor zehn Jahren. Das Papier hebt die besondere Bedeutung der Deutschen Auslandsschulen für die Auswärtigen Kultur- und Bildungspolitik hervor. 2008 hatten die Parlamentarier die Bundesregierung aufgefordert, die Schulen "nachhaltig zu unterstützen und zu fördern und dabei insbesondere die Möglichkeiten öffentlich-privater Partnerschaft stärker als bisher zu nutzen". Weiterhin forderten die Abgeordneten damals, eine ausreichende Zahl von Lehrkräften aus Deutschland zu vermitteln und die Fortbildung dieser Pädagogen auszubauen. Die Kernpunkte der Entschließung hätten nichts an Aktualität verloren, sagte Ernst. "Im Gegenteil: In Zeiten, in denen Vielfalt und Weltoffenheit von manchen hinterfragt werden, ist es wichtig, gemeinsam Farbe zu bekennen. Ich appelliere an Sie alle, dabei mitzuhelfen, dieses Bekenntnis zu erneuern und umzusetzen."

Versorgungszuschlag, Inklusion und berufliche Bildung


Wie der Außenminister stärkten die beim Weltkongress 2018 vertretenen Bundestagsabgeordneten den Deutschen Auslandsschulen den Rücken. Im Koalitionsvertrag von Union und SPD heißt es, das Netzwerk Deutscher Auslandsschulen solle "ausgebaut und gestärkt" werden. Ulla Schmidt, Obfrau der SPD im Unterausschuss Auswärtige Kultur- und Bildungspolitik, sagte dazu bei der Eröffnung des Weltkongresses: "Luft nach oben ist noch ganz viel." Die Parlamentarier müssten nun aus den Worten im Koalitionsvertrag "gelebte Wirklichkeit" machen. Im WDA-Interview am Rande des Kongresses forderte Schmidt, die verpflichtende Förderung durch das Auslandsschulgesetz auf alle Deutschen Auslandsschulen auszuweiten, die Frage des Versorgungszuschlags "endlich zu lösen" und mehr in Inklusion und berufliche Bildung zu investieren.

"Pfund, mit dem wir wuchern können"

Elisabeth Motschmann, Bundestagsabgeordnete der CDU, sprach sich beim Weltkongress für Investitionen in die Qualität der schulischen Arbeit im Ausland aus. Dies sei für sie wichtiger als das Netzwerk weiter auszubauen, sagte das Mitglied des Unterausschusses Auswärtige Kultur- und Bildungspolitik. Motschmann zeigte sich optimistisch, dass in den kommenden Jahren mehr Geld für das Netzwerk der Deutschen Auslandsschulen bereitgestellt werde: "Ich bin ziemlich sicher, dass das kommen wird."

Unterausschussmitglieder sagen Unterstützung zu

Auch die frühere Bundesumweltministerin Barbara Hendricks, die ebenfalls dem Unterausschuss AKBP angehört, sagte den Auslandsschulen die Unterstützung des Parlaments zu: Die Deutschen Auslandsschulen seien "ein Pfund, mit dem wir wuchern können". Das Auslandsschulwesen solle auf festen Füßen stehen. Mit Blick auf den Koalitionsvertrag und den Haushalt stellte sie heraus: "Wir reden mit den Haushältern - machen Sie sich keine Sorgen."

Wichtige Impulse für die politischen Diskussionen beim Weltkongress und darüber hinaus setzte die neue Studie zur Wertschöpfung der Deutschen Auslandsschulen. Die Studie knüpft an die 2014 beim Weltkongress vorgestellte Public Value-Studie von Universität St. Gallen und WDA an. Der WDA hatte das Wirtschaftsforschungsinstitut WifOR damit beauftragt, die in der Vorgängerstudie identifizierten Wertbeiträge zu quantifizieren und eine Analyse der Wertschöpfung der Deutschen Auslandsschulen vorzunehmen.

Katalysator für die Auswärtige Kultur- und Bildungspolitik

WifOR-Geschäftsführer und Studienleiter Dr. Dennis A. Ostwald stellte die Ergebnisse beim Weltkongress vor. "Die Deutschen Auslandsschulen sind insgesamt Impulsgeber für eine Wertschöpfung von rund 1,2 Milliarden Euro“, sagte Ostwald. Die weltweite Wirtschaftskraft der Schulen entspreche ungefähr der Wertschöpfung des Sektors Erziehung und Unterricht des Saarlandes. "Sie sind eine erfolgreiche öffentlich-private Partnerschaft, aufgebaut auf starkem ehrenamtlichem Engagement", fasste Ostwald zusammen. Im Durchschnitt erhält der Studie zufolge jede Deutsche Auslandsschule eine öffentliche Förderung in Höhe von etwa 1,36 Millionen Euro pro Jahr, dies entspricht rund 28 Prozent der Gesamteinnahmen einer Deutschen Auslandsschule. 72 Prozent ihrer Mittel generieren die Schulen eigenständig. „Die Förderung der Schulen wirkt als Katalysator für die Auswärtige Kultur- und Bildungspolitik“, analysierte Ostwald.

Grundlage für ein langfristiges Bildungsmonitoring der Deutschen Auslandsschulen

In beratender Funktion begleitete Prof. Kai Maaz das Studienprojekt. Der Soziologe lehrt an der Universität und ist Direktor der Abteilung Struktur und Steuerung des Bildungswesens am Deutschen Institut für internationale pädagogische Forschung (DIPF). "Die jetzige Studie zeichnet ein Bild. Indem vergleichbare Studien wiederholt und neue Akzente gesetzt werden, ließe sich daraus ein Film machen", erklärte Maaz auf dem Podium beim Weltkongress. Künftig ließen sich zum Beispiel auch Leistungen von Schulen und Schülern im Ausland erfassen und mit denen in Deutschland vergleichen. So könne laut Maaz aus der aktuelle Studie des WifOR-Instituts künftig ein umfassendes vergleichendes Bildungsmonitoring der Auslandsschulen entstehen.

 
 
 
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