13.06.2017

Goldnuggets, Schätze und Sorgenkinder

Zur WDA-Tagung 2017 kamen Anfang Juni Schulvertreter aus der ganzen Welt nach Berlin. Beim Symposium standen die WDA-Studie zur Fachkräftemigration, die Internationalisierung der Lehrerausbildung und die Förderung der Schulen im Mittelpunkt.

Politischer Blick zurück und nach vorn: Beim WDA-Symposium 2017 in Berlin diskutierten Bundestagsabgeordnete wie Michael Leutert (Die Linke) und Ulla Schmidt (SPD) über die Deutschen Auslandsschulen (v.l.). (Foto: WDA/Jan Michalko)

Die jährliche Tagung des Weltverbands Deutscher Auslandsschulen bringt Schulvertreter, Wirtschaft, Wissenschaft, Kultur und Politik zusammen. Die Veranstaltung soll den Austausch fördern - auch mit den Bundesländern. Deshalb fand der traditionelle Empfang zum Start der Tagung auf landespolitischer Bühne statt: Am Vorabend des Symposiums am 2. Juni kamen in der Landesvertretung Hamburg in Berlin-Mitte die Schulvertreter aus aller Welt mit Gästen aus Bund, Ländern, Förderstellen und Botschaften zusammen. Der WDA-Vorsitzende Detlef Ernst und Staatsrat Wolfgang Schmidt, Bevollmächtigter Hamburgs beim Bund, eröffneten den Empfang gemeinsam. Das Auslandsschulwesen sei auch für das kleine Bundesland Hamburg "von erheblicher Bedeutung“, sagte Schmidt. Immerhin 130 Lehrkräfte und 16 Schulleiter aus Hamburg seien derzeit an die Schulen im Ausland vermittelt.

Austausch mit den Ländern

Beim Symposium in der Akademie der Künste begrüßte Thomas Drescher, Staatssekretär für Bildung, Jugend und Sport des Landes Brandenburg die Teilnehmer in Vertretung der Kultusministerkonferenz (KMK). Die Länder seien an der Entwicklung der Deutschen Auslandsschulen "stark interessiert", sagte Drescher. Die Schulen eröffneten die "Chance auf Bildung made in Germany". Dadurch seien ihre Absolventen "bestens auf die Herausforderungen in einer globalisierten Welt vorbereitet“. Die Ländergemeinschaft stehe zu ihrer Verantwortung, professionelle und motivierte Lehrkräfte für die Auslandsschulen bereitzustellen.

"Chance auf Bildung made in Germany“

Auch die vertretenen Bundestagsabgeordneten sagten den Auslandsschulen beim Symposium ihre Unterstützung zu. Der Unterausschuss "Auswärtige Kultur- und Bildungspolitik" des Bundestags gilt als Gremium der Übereinkunft. Die Ausschussmitglieder beschließen Initiativen meist über Parteigrenzen hinweg. Bei den Deutschen Auslandsschulen reicht der Konsens bisweilen noch weiter. Beim Symposium diskutierten Haushaltspolitiker Michael Leutert (Die Linke), Bundestagsvizepräsidentin Ulla Schmidt (SPD) und Außenpolitiker Omid Nouripour (Bündnis 90/Die Grünen) mit Detlef Ernst über die Förderung der Auslandsschulen. Christoph Bergner (CDU) konnte aus Termingründen nicht teilnehmen. In der Runde bestand Einigkeit: Die Auslandsschulen müssten als "Botschafter Deutschlands", wie Leutert sagte, gut ausgestattet werden. Beim Auslandsschulgesetz müsse es Veränderungen geben.

Förderung muss „Pflichtaufgabe“ werden

Wie solche Veränderungen aussehen können, beschrieb Schmidt. Die gesetzliche Förderung müsse zur "Pflichtaufgabe" werden; dafür sei der Haushaltsvorbehalt im Auslandsschulgesetz zu streichen. Bei der Finanzierung des Versorgungszuschlags sei eine Lösung in Sicht, zeigte sich die Bundestagsvizepräsidentin zuversichtlich. Beamtete Lehrer, die sich für eine Anstellung als Ortslehrkraft an einer Auslandsschule beurlauben lassen, müssen diesen Zuschlag bislang selbst übernehmen. Insgesamt habe man in der zu Ende gehenden Legislaturperiode "große Fortschritte" gemacht. Der Bundestag werde sich weiterhin für die Auslandsschulen einsetzen, betonte Schmidt: „Weil Sie uns so wichtig sind!"

Omid Nouripour unterstrich in der Diskussion, welche Themen ihm bei den Auslandsschulen besonders wichtig seien: Es solle mehr Möglichkeiten für finanzschwächere Familien geben, die Schulen zu besuchen; Ortslehrkräfte sollten besser versorgt werden; bei der Förderung solle die Qualität der Schule das entscheidende Förderkriterium sein. Der deutsch-iranische Abgeordnete stellte in der Diskussion heraus, dass die Auslandsschulen private Initiativen seien. "Diese zivilgesellschaftliche Arbeit wird nicht genug gefördert und gewürdigt.“

WDA-Studie untersucht Beitrag der Auslandsschulen zur Fachkräftemigration

Neben der Förderung stand die Fachkräftemigration im Zentrum des WDA-Symposiums. Gefördert von der Bertelsmann Stiftung hat der WDA untersucht, welchen Beitrag die Deutschen Auslandsschulen zur qualifizierten Zuwanderung leisten. Professor Matthias Weiter (Humboldt-Universität zu Berlin) stellte die Studie „Deutsche Schulen, Globale Bildung: Beitrag der Deutschen Auslandsschulen zum Triple Win“ vor. Dabei steht das "Triple Win“-Modell im Zentrum: Es postuliert, dass Migration die Interessen der Einwanderungsländer, der Herkunftsländer und der Migranten gleichermaßen einbeziehen soll. Die Ergebnisse der Studie belegten "keinen Brain Drain", sagte Weiter, ein Experte der Entwicklungszusammenarbeit. Gut 2.500 Absolventen der Deutschen Auslandsschulen kommen demnach jährlich nach Deutschland, um hier zu studieren oder eine Ausbildung zu absolvieren. Diese jungen Menschen seien durch ihre besonderen Fähigkeiten - wie interkulturelle Kompetenzen und Mehrsprachigkeit - sehr attraktiv für die hiesige Wirtschaft, Kultur und Wissenschaft.

“Brücke in die Welt“

Dr. Barbara Dorn (Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände, BDA) dankte dem WDA im Namen der Arbeitgeber für die Einladung zum Symposium. Sie stellte in ihrem Grußwort wichtige Aspekte des Auslandsschulwesens aus Wirtschaftssicht heraus: Die Auslandsschulen trügen als „Brücke in die Welt“ zur Völkerverständigung bei. Dies sei die Voraussetzung für den Erfolg der Wirtschaft. Die Schulen förderten Werte wie Freiheit, Demokratie und Weltoffenheit. „Die Schulen werben für das deutsche Gesellschafts- und Wirtschaftsmodell und für Deutschland als Bildungsstandort.“ Schließlich hob die BDA-Expertin das Potenzial der Deutschen Auslandsschulen für die berufliche Bildung hervor. Insbesondere in Südeuropa und Asien könnte dieses Potenzial an Bedeutung gewinnen.

Auslandslehrer sind „Goldnuggets" und „Schätze"

In der Diskussion forderte Dorn, "Karrierehemmnisse“ für zurückkehrende Auslandslehrkräfte zu beseitigen. Angesichts des wachsenden Anteils von Schülern mit Migrationshintergrund seien erfahrene Auslandslehrer durch ihre interkulturellen Kompetenzen „Goldnuggets“. Barbara Fabian (Deutscher Industrie- und Handelskammertag, DIHK) stimmte Dorn zu: Deutschland verfüge mit den Auslandslehrkräften über einen "Schatz, den wir noch nicht genug gehoben haben." Mit Blick auf die Berufsorientierung und Berufsbildung an den Deutschen Auslandsschulen verwies Fabian auf erfolgreiche Beispiele, etwa in Pretoria und Hongkong. Sie warnte zugleich auch davor, dass die Berufsschulen im Ausland zu „Sorgenkindern“ werden könnten, wenn sie nicht weiterentwickelt und an die Bedürfnisse angepasst würden.

Wirkungen quantifizieren

Najim Azahaf (Bertelsmann Stiftung) erläuterte, der Triple Win sei „keine Situationsbeschreibung, sondern ein normatives Leitbild für Migrationspolitik“. Um Migration und Entwicklung für die Zukunft zu gestalten, gebe es zu diesem Leitbild keine Alternative. Für Oliver Schramm (Auswärtiges Amt) kommt die WDA-Studie "zum günstigen Zeitpunkt“. Die Flüchtlingsdebatte habe verdeutlicht, wie global vernetzt Deutschland sei. Es sei sinnvoll, das Auslandsschulwesen und die Zirkulation von Lehrkräften und Absolventen weiter zu fördern. Dr. Peter Fornell, stellvertretender WDA-Vorsitzender, erläuterte, was der Verband mit der Untersuchung erreichen will: Es gehe darum, "zu quantifizieren, wie sich die Deutschen Auslandsschulen auf Deutschland und seine Menschen auswirken“. Fornell warnte vor politischen Maßnahmen wie der Einführung von Studiengebühren für Nicht-EU-Bürger, wie in Baden-Württemberg oder Nordrhein-Westfalen. Solche Schritte erschwerten die qualifizierte Zuwanderung, die Deutschland brauche.

Der SPD-Politiker Martin Rabanus stimmte Fornell zu: Die Deutschen Auslandsschulen prägten das Bild von Deutschland in der Welt, würden in der Öffentlichkeit in Deutschland aber wenig wahrgenommen. Mit Blick auf die kommende Legislaturperiode sagte Rabanus, der Bundestag müsse die Mittel zur Finanzierung der Auslandsschulen "weiter hochfahren“.

Angehende Lehrer für Auslandsschulen begeistern

Ein weiterer Schwerpunkt des Symposiums war die Internationalisierung der Lehrerausbildung. Fachleute aus Politik, Lehrerbildung und Förderstellen diskutierten, wie Pädagogen im Rahmen ihrer Ausbildung durch Praktika Auslandserfahrung sammeln können. Andreas Hänssig betreut an der Goethe-Universität Frankfurt den Bereich International Teacher Education. Die Universität und der WDA kooperieren, um Lehramtsstudierenden Praktika an Deutschen Auslandsschulen zu ermöglichen. "Catch the talents first!“, beschrieb Hänssig die Strategie. Es gehe darum, angehende Lehrer schon während der Ausbildung an die Auslandsschulen heranzuführen.

“Catch the talents first!

Sascha Hartung, Berichterstatter der KMK für Lehrerbildung, begrüßte die Initiative, die Ausbildung der Lehrer zu internationalisieren und interkulturelle Kompetenzen zu fördern. Er warnte aber vor einer Überforderung der Studierenden, etwa durch ein Pflichtpraktikum im Ausland. Denn die Anforderungen und Regelungen im Studium seien bereits anspruchsvoll. Zudem gebe es große Unterschiede in den verschiedenen Bundesländern und unter den Hochschulen. Joachim Lauer, Leiter der Zentralstelle für das Auslandsschulwesen, betonte, wie wichtig es sei, für den Lehrerberuf geeignete Studierende zu finden und gute Lehrer auszubilden. Dabei könnten Praktika an den Auslandsschulen grundsätzlich helfen.

“Unsere Lehrer sind unser Kapital“

Dr. Thomas Feist, Bundestagsabgeordneter der CDU, stellte klar, dass der Bund sich bei derartigen Debatten zurückhalte. Wenn es aber ein „übereinstimmendes Wollen" von KMK, Hochschulrektorenkonferenz und weiteren Akteuren gebe, würde der Bund dies unterstützen. Wichtig sei aber, alle Ausbildungen einzuschließen, also etwa auch die Berufsschule. Ziel sei, die Mobilität zu erhöhen und gleichzeitig die Qualität der Ausbildung sicherzustellen, sagte Feist.

„Unsere Lehrer sind unser Kapital“, hob WDA-Schatzmeister Nicholas Röhm in der Diskussion hervor. Der Weltverband wolle einen Beitrag leisten, Studierenden schon früh für die Deutschen Auslandsschulen zu begeistern. Er lud die deutschen Hochschulen ein, dabei mit dem WDA zusammenzuarbeiten.

Mit dem Portal lehrer-weltweit.de bietet der WDA eine ergänzende Service- und Informationsplattform für Pädagogen an, die im Ausland arbeiten möchten. Beim Symposium stellten WDA-Geschäftsführer Thilo Klingebiel und WDA-Referent Albrecht Wolfmeyer den aktuellen Stand des Projekts vor.

Fragerunde mit Förderstellen

Der WDA-Vorsitzende Ernst dankte den Bundestagsabgeordneten, der Bundesregierung und den Förderstellen für die partnerschaftliche Zusammenarbeit. Das WDA-Symposium fand erneut in Kooperation mit Auswärtigem Amt, Zentralstelle für das Auslandsschulwesen und Kultusministerkonferenz statt. Die ZfA war neben Joachim Lauer durch den stellvertretenden Fachbereichsleiter Reiner Ries und Referentin Astrid Stefani vertreten.

Die Kultusministerkonferenz war durch Dorothée Bauni, Ländervorsitzende des Bund-Länder-Ausschusses für schulische Arbeit im Ausland (BLASchA), Yvonne Büscher (KMK-Sekretariat) und Burghard Ahnfeldt (BLASchA-Beauftragter, Hamburg) vertreten. Für den Direktorenbeirat nahmen die Schulleiter Dominik Scheuten (Medellín) und Axel Brott (Istanbul) teil. Oliver Schramm, Reiner Ries, Dorothée Bauni und Yvonne Büscher informierten zum Abschluss des Symposiums über aktuelle Entwicklungen im Auslandsschulwesen und beantworteten Fragen der Schulvertreter.

Weitere Informationen

Fotogalerien zur WDA-Tagung 2017

Programm der WDA-Tagung mit Symposium 2017

 
 
 
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