Public Value: Spannungsfelder

Die gesellschaftlichen Wertbeiträge der Deutschen Auslandsschulen lassen sich nicht isoliert betrachten. Vielmehr überlagern sich Ziele und Beiträge - es entstehen Spannungsfelder.

Zum einen sind die Schulen Bildungseinrichtungen, zum anderen gesellschaftliche Akteure und Mittlerorganisationen im Rahmen der Auswärtigen Kultur- und Bildungspolitik. Sie unterliegen deutschen Standards und Kontrollen, etwa bei Lehrplänen und Lehrerentsendungen, agieren zugleich aber über die Schulvereine wirtschaftlich weitgehend autonom in einem internationalen Marktumfeld. Diese Rahmenbedingungen bestimmen den Handlungsspielraum und die Ausrichtung der Deutschen Auslandsschulen.

Im Rahmen der Untersuchung zum Public Value der Deutschen Auslandsschulen ließen sich verschiedene Spannungsfelder identifizieren. Sie verdeutlichen, dass strategische Entscheidungen stets Kompromissbereitschaft und Abwägungen voraussetzen. Lautet das Ziel, einen gesellschaftlichen Wertbeitrag zu erhöhen, wird dies oft nur auf Kosten eines anderen Bereichs möglich sein. Die Beschreibung der Spannungsfelder erlaubt es, solche Zielkonflikte bewusst zu machen.

Die wichtigsten Spannungsfelder im Überblick:

Spannungsfelder zwischen den gesellschaftlichen Wertbeiträgen der Deutschen Auslandsschulen. Abb.: WDA

A  BEZUGSPUNKT FÜR DIE DEUTSCHE GEMEINSCHAFT IM AUSLAND VS. BEGEGNUNG DER KULTUREN

Einerseits bieten die Deutschen Auslandsschulen einen Ort der Gemeinschaft für Deutsche an – „ein Stück Heimat“ im Ausland. Doch verhindert dies häufig, dass Deutsche sich im Sitzland integrieren und die Kultur des Sitzlandes kennenlernen und verinnerlichen. Wie viel deutsche Gemeinschaft ist Expats zu bieten, ohne an gesellschaftlicher Offenheit einzubüßen? Eine reine Orientierung der Schulen an den Auslandsdeutschen behindert womöglich Begegnung, Integration und Austausch. Dieses Spannungsverhältnis aufzulösen ist eine schwierige Aufgabe, der sich die Schulen stellen müssen.

B  PARTNER DER WIRTSCHAFT VS. BEGEGNUNG DER KULTUREN

Die Wirtschaft profitiert stark davon, dass die Deutschen Auslandsschulen hervorragende Ausbildungsmöglichkeiten an zahlreichen Standorten in der ganzen Welt bieten; sie ermöglichen den Kindern von Mitarbeitern eine verlässliche Schulbildung und leisten zugleich einen wichtigen Beitrag zum internationalen Talentpool, auf den die Unternehmen aus Deutschland zugreifen können. Der Aspekt der Völkerverständigung und der interkulturellen Begegnung ist dabei aber oft zweitrangig. Wenn Deutsche Auslandsschulen nur als Ressourcenzentren gesehen werden, gerät der Begegnungsaspekt in den Hintergrund. Dabei ist er charakteristisch und prägend für die Schulen insgesamt, was sich nicht immer mit den Anforderungen und Leistungskriterien der Wirtschaft vereinen lässt.

C  PARTNER DER WIRTSCHAFT VS. VERLÄSSLICHE GEMEINNÜTZIGKEIT

Deutsche Unternehmen sind traditionell ein enger Partner und eine wichtige Zielgruppe der Auslandsschulen. Die Wirtschaft als Anspruchsgruppe versteht die DAS als Dienstleister. An diesen Anforderungen müssen sich die Schulen orientieren und messen lassen, um wirtschaften zu können und wettbewerbsfähig zu bleiben. Zugleich haben sie als Non-Profit-Organisationen soziale und politische Ansprüche zu erfüllen. Um verlässliche Gemeinnützigkeit zu wahren und soziale Inklusion gewährleisten zu können, muss es den Deutschen Auslandsschulen gelingen, die Anforderungen des Marktes zu erfüllen und zugleich ihre gesellschaftliche Verantwortung wahrzunehmen, etwa durch den Ausbau von Stipendienprogrammen und die konsequente Integration von Schülern aus verschiedenen Schichten. Eine reine Gewinnorientierung liefe der Gemeinnützigkeit zuwider, die die Deutschen Auslandsschulen auszeichnet.

D  BILDUNG „MADE IN GERMANY“ VS. BEGEGNUNG DER KULTUREN

Einerseits bauen die DAS auf die deutsche Bildungsqualität als Markenzeichen. Zugleich sind die Schulen angehalten, sich internationaler auszurichten und ihren Schülern globale Karrierewege zu eröffnen. Die Schulen stehen für Begegnung und interkulturellen Austausch, für Integration und Völkerverständigung. Der Auftrag als deutsche Bildungseinrichtungen ist also bei gleichzeitiger Internationalisierung stets im Blick zu behalten, darf aber auch nicht zu viel Gewicht erlangen. So stehen die deutschen Abschlüsse in einem Spannungsverhältnis mit dem Begegnungscharakter vieler Schulen, analog zum Konkurrenzverhältnis deutscher Abschlüsse mit internationalen Abschlüssen, die immer gefragter werden.

E  BILDUNG „MADE IN GERMANY“ VS. IMPULSGEBER UND INNOVATOR

Das deutsche Element in der Bildung an den Auslandsschulen bedeutet auch relativ starre Vorgaben von deutscher Seite. Diese Vorgaben sind wichtig, um die hohe Qualität der Abschlüsse und der Schulbildung zu gewährleisten, können aber auch innovationshemmend und beengend wirken. Die Schulen versuchen also, Vorgaben zu erfüllen und gleichzeitig ihren eigenen Weg zu gehen – in ihrem Umfeld und für ihre Ziel- und Anspruchsgruppen im Sitzland. Gelingt dieser Balanceakt, können die Auslandsschulen wichtige Impulse für die Bildungspolitik und das Bildungssystem setzen. Dies setzt aber auch Offenheit und Bereitschaft seitens der Akteure im Bildungs- und Auslandsschulwesen in Deutschland voraus, die hier entsprechende Weichen stellen und größere Autonomie ermöglichen müssen.

Weitere Informationen zu den Spannungsfeldern sowie zum Public Value der Deutschen Auslandsschulen finden Sie in der Studie und Broschüre zum Herunterladen.

 
 
 
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Auszeichnung für den WDA

Mit seinem Public Value-Projekt wurde der WDA beim Wettbewerb "Verband des Jahres 2016" ausgezeichnet.

 
 
Weitere Informationen
 
Stimmen aus der Studie

"Die Deutschen Auslandsschulen stehen für fach-und themenbezogene Sprachvermittlung und allgemeine Unterrichtsqualität." (Interviewpartner in Deutschland)

"Deutschland sollte die Erfahrungen der Auslandsschulen stärker nutzen." (Interviewpartner in Deutschland)

"Es muss gelingen, politische, soziale, und wirtschaftliche Vorteile durch die Auslandsschulen für den deutschen Bürger besser zu vermitteln." (Teilnehmer globale Schulbefragung)

"Die besten Werbeträger sind - neben den Absolventen - die Lehrkräfte und Funktionsstelleninhaber der Auslandsschulen." (Teilnehmer globale Schulbefragung)