30.05.2016

Eine globale Schulfamilie

Lehrkräfte begeistern, Netzwerkarbeit vertiefen: Bei der WDA-Tagung 2016 standen vielfältige Themen auf der Agenda. Schulvertreter aus der ganzen Welt und Experten aus Deutschland tauschten sich in Berlin aus. Die Mitgliederversammlung wählte einen neuen Vorstand.

„Der WDA lädt ein und alle sind da - Auswärtiges Amt, Zentralstelle für das Auslandsschulwesen, Kultusministerkonferenz", stellte die SPD-Bundestagsabgeordnete Michelle Müntefering erfreut fest, als sie in diesem Jahr zum ersten Mal am WDA-Symposium in Berlin teilnahm. Müntefering diskutierte in der Akademie der Künste mit Bernd Fabritius (CSU), Dorothée Bauni (Kultusministerkonferenz), Oliver Schramm (Auswärtiges Amt) und dem WDA-Vorsitzenden Detlef Ernst über die Förderung der Deutschen Auslandsschulen. „Wir sind eine Schulfamilie“, sagte die Politikerin, die dem Unterausschuss Auswärtige Kultur- und Bildungspolitik angehört und dort Sprecherin ihrer Fraktion ist. "Und für diese Schulfamilie im Ausland wollen wir Abgeordnete etwas tun."

Versorgungszuschlag: Lösung in Sicht?

Fabritius zog beim Symposium eine Zwischenbilanz seiner Arbeit als Vorsitzender des Unterausschusses; er hatte das Amt vor einem Jahr übernommen. Die Deutschen Auslandsschulen - das "Flaggschiff der Auswärtigen Kultur- und Bildungspolitik" - hätten die Ausschussarbeit im vergangenen Jahr bestimmt, sagte Fabritius. Er berichtete, die Reform der Besoldung der Auslandslehrkräfte sei fast abgeschlossen und könne womöglich noch vor der parlamentarischen Sommerpause umgesetzt werden. Zudem kündigte Fabritius seinen weiteren Einsatz für eine baldige Lösung bei der lange strittigen Frage der Finanzierung des Versorgungszuschlags gemeinsam mit der KMK an. Hierfür gebe es auch schon positive Signale. Seit 2011 müssen verbeamtete Lehrer aus Deutschland, die sich für eine Anstellung an einer Deutschen Auslandsschule beurlauben lassen, diesen Zuschlag selbst übernehmen. Bund und Länder wollen diese Finanzierungslücke nun gemeinsam schließen. "Wir werden zu einer gemeinsamen Lösung kommen", stellte Fabritius klar.

"Gute pädagogische Arbeit verdient Anerkennung"

Auch Staatsministerin Maria Böhmer ging in ihrem Grußwort auf derlei Fragen ein. Lehrkräfte dürften im Ausland und auch nach ihrer Rückkehr nicht benachteiligt werden. "Gute pädagogische Arbeit verdient Anerkennung", sagte Böhmer. Die Erfahrung des interkulturellen Lernens im Ausland sei ein "dicker Pluspunkt", der sich im Inland nutzen lasse. Böhmer zeigte sich wie Fabritius überzeugt, dass beim Versorgungszuschlag eine Lösung gefunden werde. Dies sei für sie auch eine "große Frage der Gerechtigkeit". Die Staatsministerin betonte erneut auch die große politische Bedeutung der Deutschen Auslandsschulen. Über die Schulen wolle man nicht nur das "Bild Deutschlands ins Ausland tragen, sondern mit aufnehmen, was man im Land über Deutschland denkt".

Demokratische Werte, weltweite Netzwerke

Was man im arabischen Raum denkt und was die Menschen dort bewegt, ist Thema des "Shabab Talk" der Deutschen Welle. Moderator Jaafar Abdul Karim ist Absolvent der Deutschen Internationalen Schule Beirut. Beim WDA-Symposium beschrieb er, wie ihn die deutsche Schule geprägt hat - und wie sie ihn auf den Sprung nach Deutschland vorbereitete. Seine Schulbildung habe ihm demokratische Werte wie Respekt und Toleranz vermittelt. Sie habe es ihm ermöglicht, sich schnell auf eine neue Umgebung einzustellen und offen zu sein für andere Menschen und ihre Ansichten. Zugleich verfüge er durch die Auslandsschulen über ein Netzwerk, das ihm immer wieder Unterstützung biete - "auf der ganzen Welt".

"Austausch gehört in das Leitbild von Schulen"

Wichtig mit Blick auf Netzwerke findet Karim auch das Thema Schüleraustausch: "Die Schüler von heute sind die Studenten von morgen und die Studenten von morgen sind die Entscheidungsträger von übermorgen." Der CDU-Bundestagsabgeordnete Dr. Thomas Feist stimmte in der Podiumsdiskussion zum Schüleraustausch zu: Austausch bringe auch Jugendliche zusammen, "die morgen oder übermorgen Politik machen". Nichts könne die Begegnung von Menschen ersetzen, meinte Feist. Der neue Leiter des Pädagogischen Austauschdienstes der Kultusministerkonferenz (PAD) Gernot Stiwitz sprach sich dafür aus, den Schüleraustausch "aus der Nische" zu holen: "Der Austausch gehört als Querschnittsthema in das Leitbild von Schulen."

Fördernde Stellen informieren

Der WDA-Vorsitzende Ernst dankte beim Symposium den Bundestagsabgeordneten, der Bundesregierung und den Förderstellen für die gute Zusammenarbeit und ihr Engagement im zurückliegenden Jahr. Das WDA-Symposium fand in Kooperation mit Auswärtigem Amt, Zentralstelle für das Auslandsschulwesen und Kultusministerkonferenz statt. Die Zentralstelle war durch ihren Leiter Joachim Lauer, den stellvertretenden Fachbereichsleiter Reiner Ries und Referentin Astrid Stefani vertreten. Seitens des Auswärtigen Amtes nahm Referatsleiter Oliver Schramm teil. Der Direktorenbeirat war durch die Schulleiter Dominik Scheuten (Medellín) und Marie-Luise Balkenhol (London) vertreten, der neue Verwaltungsbeirat durch Tilman Eden (Genf). Oliver Schramm, Joachim Lauer und Maja Oelschlägel (Sekretariat der Kultusministerkonferenz) informierten im Rahmen des Symposiums über aktuelle Entwicklungen und Themen im Auslandsschulwesen.

WDA-Mitgliederversammlung: Neuer Vorstand gewählt

Auf der WDA-Mitgliederversammlung 2016 standen das Personalmanagement und die Weiterführung der Studie zum Wert der Deutschen Auslandsschulen auf der Agenda. Außerdem wählten die Mitglieder neue Vorstände. Im Amt bestätigt wurden Detlef Ernst (Shanghai) und Dr. Peter Fornell (Toulouse). Neu in den Vorstand wählte die Mitgliederversammlung Gabriele Bunzel Khalil (Beirut) und Harald Feldhaus (Mexiko-Stadt). In seiner konstituierenden Sitzung wählte der neue Vorstand erneut Ernst zum Vorsitzenden und Fornell zu seinem Stellvertreter. Nicholas Röhm (Valdivia) wurde als Schatzmeister bestellt. Das Amt des Schriftführers hat Friederike Gribkowsky (Bukarest) inne.

Dank an Spann und Kumbolder

Die langjährige stellvertretende Vorsitzende Martina Spann (Málaga) hatte ihr Amt auf der Mitgliederversammlung niedergelegt und ihre erneute Kandidatur für den Vorstand zurückgezogen. Klaus Kumbolder (Mexiko-Stadt) hatte bereits zuvor angekündigt, nicht mehr für einen Sitz im Vorstand zu kandidieren. Ernst dankte Spann und Kumbolder für die "gemeinsame vertrauensvolle Arbeit und ihren langjährigen ehrenamtlichen Einsatz für den WDA und die Deutschen Auslandsschulen". Spann und Kumbolder gehörten dem Vorstand seit 2009 an. Spann fungierte in ihrer gesamten Amtszeit als stellvertretende Vorsitzende und brachte ihre umfassende Erfahrung aus der Vorstandsarbeit in Málaga ein. Kumbolder war seit 2010 Schriftführer des WDA und vertrat gemeinsam mit Peter Raute (Bogotá) insbesondere die WDA-Mitgliedsschulen in der Region Amerika. Spann und Kumbolder waren 2009 in einer Zeit des Umbruchs in den WDA-Vorstand gekommen; gemeinsam mit Detlef Ernst und weiteren ehrenamtlichen Vorständen stellten sie den Verband strategisch und personell neu auf.

Auftaktempfang bei Partner Commerzbank

Zum Auftakt der Tagung 2016 hatte der WDA zu einem Empfang in das Haus der Commerzbank am Pariser Platz eingeladen. Die Commerzbank ist Partner des WDA. Der WDA-Vorsitzende Detlef Ernst und Michael Matthes, Firmenkundenbetreuer der Commerzbank, begrüßten die mehr als 120 Gäste aus Berlin und der ganzen Welt: Dazu zählten Schulvorstände aus mehr als 50 Ländern, Diplomaten, Vertreter des Bundesrats und der Landesvertretungen sowie Partner aus Wirtschaft und Bildung. Unter den Gästen waren der Botschafter der Republik El Salvador und hochrangige Vertreter der Botschaften der Schweiz, Chinas, Spaniens und Rumäniens.

Workshop zur Netzwerkarbeit

"Das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile - Netzwerkarbeit erleben und nutzen": Unter diesem Motto stand der Workshoptag zum Abschluss der WDA-Tagung 2016 am 15. Mai in Berlin. Unter der Leitung des Organisationsberaters Dr. Martin Creutzburg schlossen sich die Schulvertreter in Arbeitsgruppen zusammen. Dabei ging es in der ersten Phase um den persönlichen Austausch und das Kennenlernen. Im zweiten Schritt erarbeiteten die Teilnehmer gemeinsame Strategiepläne zu Kernthemen des Verbands, wie dem Datenaustausch und der Darstellung des Wertes des weltweiten Netzwerks. Der Workshop griff dabei die Impulse aus der Zukunftskonferenz aus dem Vorjahr auf. Jetzt stand im Fokus, die 2015 herausgearbeiteten Themen für die praktische Arbeit weiterzuentwickeln. „Dies ist ein besonderes Netzwerk mit besonderen Herausforderungen“, resümierte Moderator Creutzburg. "Deshalb war es besonders wichtig, einen Raum für den konstruktiven Austausch und die Netzwerkarbeit zu schaffen. So ist es gelungen, den Ideenaustausch zu vertiefen und Ressourcen und Stärken zu aktivieren. Die Veranstaltung hat die Auslandsschulfamilie enger zusammengebracht. Das wird Früchte tragen."

Programm zur WDA-Tagung 2016

 
 
 
Über uns
 
Service für Pädagogen
Zum Portal lehrer-weltweit.de
 
Newsletter abonnieren

Aktuelles und Services rund um die Deutschen Auslandsschulen!
Jetzt anmelden

 
Folgen Sie dem WDA
WDA auf FacebookWDA auf TwitterRSS-Feed des WDAWDA auf G+WDA auf YouTube
 
Transparenz
Transparenz