03.09.2014

Deutsche Auslandsschulen: Kostensteigerungen werden auf die freien Schulträger ausgelagert – 16,2 Mio. EUR fehlen für Lehrkräfte

Stellungnahme des Weltverbandes Deutscher Auslandsschulen zur Förderung der Deutschen Auslandsschulen

Mit der Einführung des neuen Fördersystems für Deutsche Auslandsschulen reduziert sich die finanzielle Förderung bis 2018 um im Durchschnitt 79% gegenüber der finanziellen Förderung in 2012. Der Grund: Kostensteigerungen bei den Lehrkräften werden an die Schulträger weitergegeben. Für den Erhalt der notwendigen Ausstattung an Lehrern werden zusätzlich zu verstetigende 16,2 Mio. EUR finanzielle Förderung benötigt. Sonst drohen Schulgelderhöhungen, die der Zielsetzung der Deutschen Auslandsschulen zuwiderlaufen.

Abb. 1: Die lineare Kostensteigerung liegt für ADLK im Schnitt bei ca. 6,5% pro Jahr

Hinweis: Weiterführende Informationen zu den Berechnungen finden Sie in den Fußnoten in der Stellungnahme zum Download.

Mit der Implementierung des Auslandsschulgesetzes werden bis 2018 insgesamt 254 Auslandsdienstlehrkräfte (ADLK) an 76 Schulen abgebaut, die bisher direkt vom Bund und nicht durch die Schulträger bezahlt wurden. Gleichzeitig erhalten die Schulen eine finanzielle Förderung (Budget), mit der die wegfallenden Lehrkräfte und die bisher aus der Schulbeihilfe finanzierten zusätzlichen Ortslehrkräfte (OLK) durch den Schulträger bezahlt werden sollen. Bei der Analyse der Daten zeigt sich, dass die finanzielle Förderung (Budget) insbesondere an Standorten mit hohen ADLK-Kosten, nicht ausreicht um die bisherige Anzahl vermittelter Lehrkräfte zu refinanzieren. Damit werden die Kostensteigerungen bei Auslandsdienstlehrkräften (vgl. Abb. 1) auf die Schulträger ausgelagert.

Bei den Schulträgern kommt weniger an

Die wegfallenden Auslandsdienstlehrkräfte können zwar durch sogenannte Ergänzungslehrkräfte aus der finanziellen Förderung finanziert werden, allerdings zu den realen Kosten einer ADLK am Standort. Dadurch ergibt sich eine Finanzierungslücke zwischen der finanziellen Förderung, die laut Auslandsschulgesetz (§12,Abs. 2) generell auf einem Inlandsjahresgrundgehalt in Deutschland von rund 63.500 EUR basiert (A14, Stufe 8), und den realen Gesamtkosten der Auslandsdienstlehrkräfte für die Schulträger am Standort (Abb. 2).

Abb. 2: Kosten ADLK und OLK im Vergleich zur finanziellen Förderung

Die Schulträger sind gezwungen diese Lücke über Schulgelderhöhungen zu refinanzieren, um der Verpflichtung zur personellen Abdeckung des geforderten Unterrichtsaufwandes gerecht werden zu können. Dies wird dadurch verschärft, dass die finanzielle Förderung in 2015 tendenziell geringer ausfällt als 2012, da sie in der Übergangsphase bei einer Überschreitung der gesetzlichen Pflichtlehrerzahl um die realen Kosten dieser Lehrkräfte am Standort reduziert wird.

Keine Gleichbehandlung – Kürzungen sind unterschiedlich hoch

Der Vergleich unterschiedlicher Standorte und Schultypen macht deutlich (vgl. Abb. 2), dass die Umstellung der Förderung bei den Schulträgern sehr unterschiedlich ankommt. Es zeigt sich, dass die realen Kosten und der Grad der Kostensteigerungen für Auslandsdienstlehrkräfte stark voneinander abweichen. Die Beispiele verdeutlichen, dass die finanzielle Förderung des Bundes auf die einzelne Lehrkraft gerechnet nicht die realen Kosten der Lehrkraft für den Schulträger deckt. Die Möglichkeit statt einer Auslandsdienstlehrkraft eine Ortslehrkraft einzustellen, ist von der Verfügbarkeit und der Ausbildung (Qualität) sowie den lokalen Kosten einer Ortlehrkraft abhängig. Die zwei Standorte zeigen allerdings, dass die finanzielle Förderung dort auch die Kosten für eine Ortlehrkraft nicht deckt.

Zusätzlicher Förderbedarf von 16,2 Mio. EUR – aufwachsend und zu verstetigen

Durch die unterschiedlichen lokalen Personalkosten muss die finanzielle Förderung durch eine Komponente ergänzt werden, die standortbezogen die Lücke zwischen der finanziellen Förderung und den realen lokalen Kosten für eine Auslandsdienstlehrkraft schließt. Der zusätzliche Förderbedarf errechnet sich folglich aus der Differenz der finanziellen Förderung pro abgebauter Auslandsdienstlehrkraft und des Durchschnitts der realen Kosten einer Auslandsdienstlehrkraft bezogen auf den jeweiligen Standort. Die Verwaltungsvorschrift sollte auf der Grundlage dieses Förderansatzes ergänzt werden. Dadurch würden zielgerichtet die lokal stark unterschiedlichen realen Kosten für Lehrkräfte berücksichtigt (vgl. Abb. 2) und die Ungleichbehandlung von Standorten aufgehoben.

Abb. 3: Durch den Abbau von 75 ADLK an 48 Schulen in 2015 werden zusätzliche 4 Mio. Euro benötigt. Durch den Abbau von weiteren 179 ADLK an 63 bis 2018 werden zusätzlich 12,2 Mio. EUR benötigt5. Insgesamt werden in 2018 16,2 Mio. EUR benötigt.

Betrachtet man die ADLK-Kürzung insgesamt, so ergibt sich folgendes Szenario für den zusätzlichen notwendigen Förderbedarf: 2015 werden bereits bei 48 Schulen insgesamt 75 ADLK abgebaut. Dem steht eine finanzielle Förderung von 4,8 Mio. EUR gegenüber. Bei durchschnittlichen realen Kosten einer ADLK pro Standort von 117.398 EUR ergeben sich Gesamtkosten von 8,8 Mio. EUR und damit eine notwendige Zusatzfinanzierung von insgesamt rund 4 Mio. EUR. Bis 2018 werden weitere 179 Lehrkräfte an 63 Schulen abgebaut, die zusätzlichen Gesamtkosten von 24,4 Mio. EUR entsprechen. Dem steht eine finanzielle Förderung von 12,2 Mio. EUR gegenüber, wodurch sich eine notwendige Zusatzfinanzierung von insgesamt rund 12,2 Mio. EUR ergibt (vgl. Abb. 3). Zu beachten ist, dass sich die Werte jährlich aufaddieren und die Zusatzfinanzierung verstetigt werden muss. Die Fortsetzung des Abbaus von Lehrkräften erreicht dementsprechend am Ende der Übergangsphase ihr derzeitiges Ziel mit minus 254 Lehrkräften. Dies entspricht einem Unterrichtsaufwand von 6.350 Unterrichtsstunden und einem zusätzlich notwendigen Förderbedarf in Höhe von 16,2 Mio. EUR in 2018 (4 Mio. EUR aus 2015 plus 12,2 Mio. EUR bis 2018). Bezogen auf die finanzielle Förderung in 2012 ergeben sich somit reale Kürzungen für die Schulträger von im Schnitt 79%.

Kürzung der freiwilligen Förderung droht

Eine Anpassung der Mittel ist schließlich auch aus folgendem Grund notwendig: Bei gleichbleibendem Schulfonds führt der Anstieg der gesetzlichen personellen Förderung, der sich aus dem Anstieg der realen Kosten der Auslandsdienstlehrkräfte ergibt, dazu, dass immer weniger Spielraum für die freiwillige Förderung nach dem Auslandsschulgesetz besteht. Dies würde ohne Anpassung der Mittel zu einer Kürzung der freiwilligen Förderung führen, da es sich bei dieser, aus der haushaltsrechtlichen Sicht des Bundes, um abweisbare Kosten handelt. Davon wären insbesondere die Deutschen Auslandsschulen betroffen, die derzeit nicht gesetzlich gefördert werden: 52 Schulen und damit 37% aller Deutschen Auslandsschulen. Folglich könnte sich das Szenario der Schulbeihilfekrise 2010 wiederholen und die Zweiklassengesellschaft der Deutschen Auslandsschulen verstärkt werden. Der WDA wiederholt die Forderung alle Deutschen Auslandsschulen und Abschlusstypen in die gesetzliche Förderung aufzunehmen.

Evaluierung des Auslandsschulgesetzes notwendig

Im Rahmen des Review-Prozesses der AKBP sollte die Notwendigkeit der Nachbesserung des Auslandsschulgesetzes auf der Basis umfassender detaillierter Daten besprochen werden. Der WDA bekräftigt in diesem Zusammenhang die Forderung nach einem Fachbeirat, um die komplexen Folgen der Veränderungen mit allen Beteiligten auf einer institutionellen Grundlage regelmäßig reflektieren zu können und damit die Nachsteuerung und Evaluation zu ermöglichen. Ein konkreter Zeitpunkt für die Überprüfung der Regelungen sollte festgelegt werden.

Ansprechpartner

Thilo Klingebiel
Geschäftsführer

Tel. +49 (30) 28 04 49 20
Fax +49 (30) 28 04 49 22
Mobil: +49 170 483 52 70
klingebiel@auslandsschulnetz.de

Über den Weltverband Deutscher Auslandsschulen

Der Weltverband Deutscher Auslandsschulen (WDA) vertritt die freien, gemeinnützigen Schulträger der Deutschen Auslandsschulen und fasst ihre Einzelstimmen zu einer starken Stimme zusammen. Dazu bündeln wir das Wissen der vielen lokalen Experten zu einem globalen Netzwerk. Wir unterstützen unsere Mitglieder bei ihren Aufgaben und fördern ihre Projekte mit gezielten Dienstleistungen. Wir vertreten gemeinsame Interessen gegenüber dem Deutschen Bundestag und den fördernden Stellen. Wir sind wichtiger Ansprechpartner der Auswärtigen Kultur- und Bildungspolitik und gestalten diese zugleich aktiv mit.

 
 
 
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